Neues Leben

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, und die Liebe Gottes, und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Quasimodogeniti – so heißt der heutige 1. Sonntag nach Ostern. Der Name hat nichts mit dem Glöckner von Notre Dame zu tun, sondern heißt übersetzt: „Wie die neugeborenen Kindlein“.
An Ostern feiern wir die Auferstehung Jesu Christi und damit den Beginn unseres christlichen Glaubens. Und wenn ein Mensch an den auferstandenen Christus glaubt, dann fängt in dessen Leben auch etwas ganz Neues an. Dann ist das wie eine neue Geburt. Aber was macht dieses neue Leben aus? Was ist das Besondere daran?
Aufschluss darüber gibt uns der heutige Predigttext. Er steht im 1. Petrusbrief im 1. Kapitel (3-9):

……….

Herr, segne du Reden und Hören und danach unser Tun und Lassen. Amen.

Liebe Gemeinde,

ein uns unbekannter Mensch schreibt unter dem Namen Petrus diesen Brief. Er ist ein Schreiben an eine von Paulus gegründete Gemeinde in Kleinasien.

In diesen Versen wird sehr gut zusammengefasst, was es bedeutet, Christ zu sein und was ein Leben als Christ eigentlich ausmacht. Als Christen sind wir „wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten“.

Wiedergeboren – das hat nichts mit der Wiedergeburt, der sogenannten Reinkarnation, in der hinduistischen Religion zu tun! Reinkarnation bedeutet, dass jemand sein Leben hier auf dieser Erde lebt, dass er dann stirbt, und dass er irgendwann danach als ein neues Wesen aus Fleisch und Blut wieder zur Welt kommt. Als was genau, das richtet sich danach, wie diese Person gelebt hat. Wenn es ein gutes Leben war, gelangt man auf eine höhere Stufe, wenn jemand dagegen sehr niederträchtig war, dann kann es sein, dass er sein nächstes Leben zum Beispiel als Wurm fristen muss. Das ist in groben Worten die hinduistische Reinkarnationslehre. Davon jedoch ist im Neuen Testament nirgendwo die Rede!

Wiedergeburt im Neuen Testament – das ist kein fleischlicher, sondern ein geistlicher Vorgang. Gottes Geist kommt in einen Menschen und bewirkt, dass dieser Mensch glauben kann.

– Vielleicht wollte ein solcher Mensch vorher überhaupt nichts von Gott wissen und hat immer nur über den Glauben gespottet.

– Vielleicht hat er es sich auch von Herzen gewünscht, endlich glauben zu können, aber es ging einfach nicht. Und irgendwann merkt dieser Mensch, dass sich da in seinem Inneren etwas verändert hat. Dass er sein Leben ab sofort im Vertrauen auf Gott leben kann.

– Vielleicht ist der Auslöser zu dieser neuen Geburt, eine mitreißende Predigt gewesen. Oder eine bestimmte Erfahrung und plötzlich machte es „klick“ und er ist zum gläubigen Christ geworden.

Andererseits wachsen viele Menschen auch ganz allmählich in den Glauben hinein, indem sie ihn in der Familie vorgelebt bekommen. Oft finden Menschen durch gute Kontakte zu anderen Christen zum Glauben: sei es im Freundeskreis, in christlichen Gruppen wie einem Jugendkreis, einem Hauskreis oder in anderen Veranstaltungen der Gemeinde.

Ob plötzliches Belehrungserleben oder langsames Hineinwachsen in den Glauben: Immer geht es um eine neue / andere Perspektive. Sowohl für unser Leben jetzt hier auf Erden als auch darüber hinaus. Es ist tatsächlich ein ganz neues Leben, das uns von Gott geschenkt wird. Dadurch verändert sich einiges:

– Die Sicht auf die Dinge der Welt z. B.:
Wie unbedeutend wird es plötzlich sein, wie viel Güter und Geld wir in unserem irdischen Leben zusammengetragen haben. Natürlich brauchen wir diese Dinge auch, um hier überleben zu können, aber mit Maß und Ziel. Keiner von uns kann von alledem etwas mitnehmen. Der Glaube an die Auferstehung weitet den Blick über dieses Leben hinaus.

– Aus dieser neuen Sicht zu den Dingen wird die Bereitschaft zum Teilen erwachsen. Teilen der Güter mit denen, die in unserer Welt zu kurz gekommen sind.

– Weiterhin wird auch das Verhältnis zu uns selber ein anderes werden. Wir werden uns selber nicht mehr so wichtig nehmen, müssen nicht mehr um die Gunst und Anerkennung der anderen kämpfen. Das ist gar nicht mehr nötig, weil wir doch schon ein unvergängliches, ewiges Ansehen bei unserem himmlischen Vater haben.

– Verändern wird sich auch die Beziehung zu anderen Menschen.
Wo wir vorher vielleicht neidisch auf andere geschaut haben, was die alles haben oder können, wird beiseite treten. Wir können uns daran freuen, was ihnen gehört. Gottes gnädige Gerechtigkeit macht uns alle zu seinen Erben und seinen Kindern, die schon hier wie Geschwister zusammenleben dürfen.

Weiter heißt es in unserem Brief:
„Wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung“ – der Name unserer Hoffnung, unserer lebendigen Hoffnung, ist Jesus Christus. Und der feste Grund für unsere Hoffnung ist die frohe Botschaft, dass er von den Toten auferstanden ist. Jesus lebt – deshalb ist auch unsere Hoffnung „lebendig“. –

Hoffnung – das ist ja etwas, das ein Mensch braucht, um einigermaßen glücklich leben zu können. Es ist eine Art positive Erwartung an das Leben, dass es lebenswert und gut wird. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ – heißt es im Volksmund. Das bedeutet, dass auch in schwierigen Lebenslagen noch etwas wie ein Urvertrauen da ist, dass es irgendwie weiter geht, dass sich alles zum Guten wendet.

Unser Leben hier in dieser Welt ist eine Probe- oder Bewährungszeit. Wir werden von den Leiden des Lebens nicht verschont, es ist nicht immer leicht und unbeschwert. Auch als Christen werden wir krank oder können Unfälle erleiden, unseren Arbeitsplatz oder einen lieben Menschen verlieren. Es kann sogar passieren, dass wir Nachteile in Kauf nehmen müssen, wenn wir konsequent in der Nachfolge Jesu leben. Jesus selbst hat gesagt, dass es kein Zuckerschlecken ist, ihm nachzufolgen.

Der Verfasser des Briefes schreibt ganz offen: „…ihr werdet traurig sein in mancherlei Anfechtungen“. Das gilt auch für uns, dass wir durch alle möglichen Prüfungen gehen müssen. Da geht es uns Christen nicht anders als den Menschen, die von Jesus nichts wissen wollen. Einen Unterschied gibt es allerdings doch: Als Christen können wir diese Dinge unter einem ganz anderen Blickwinkel betrachten.

Der Briefschreiber ist der Ansicht, dass diese Prüfungen der Bewährung unseres Glaubens dienen. Vielleicht hat er selber diese Erfahrung gemacht. Denn wenn immer alles glatt läuft und gut geht ist das Gottvertrauen ja keine große Kunst. Tut’s das aber nicht, dann erst kann sich zeigen, ob wir nach vorne blicken und darauf vertrauen, dass Er dennoch alles im Griff hat, oder ob uns der Glaube abhanden kommt.

Natürlich nehmen uns auch als gläubige Menschen Niederlagen und Schicksals-schläge mit. Wir dürfen und sollen als Christen hadern und zweifeln, es auch nach außen zeigen, dass wir leiden und dürfen dies auch Gott klagen. Aber als Christen haben wir einen guten Grund, nicht dabei stehen zu bleiben. Gerade in schwierigen Zeiten sind wir von Gott nicht verlassen. Er ist immer bei uns, steht uns zur Seite – auch wenn wir’s manchmal vielleicht nicht merken.

Diesen Glauben dürfen wir auch haben im Blick auf das, was über unser irdisches Leben hinaus gilt.

Weiter heißt es in dem Brief: „Hoffnung – zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch…nämlich der Seelen Seligkeit“

Ein schöner Gedanke, der uns trösten und ermuntern will. Es gibt bei Gott – „im Himmel“ – einen sicheren Ort, an dem unser Erbe, die Seligkeit unserer Seele, schon für uns bereit liegt.

„Erbe“ – das klingt auf den ersten Blick ja eigentlich nicht schlecht. Es hat jedoch den unschönen Beigeschmack, dass dafür normalerweise zuvor jemand stirbt. Und das ist ein trauriger Anlass, insbesondere dann, wenn es sich um einen nahen Angehörigen handelt. Mancherorts wird sich dann auch noch um das Erbe gestritten. Plötzlich tauchen Menschen aus der Familie auf, die den Kontakt – aus welchen Gründen auch immer – abgebrochen haben oder das Verhältnis untereinander alles andere als herzlich war. Jetzt gibt’s etwas zu erben und schon sind sie da. Bei diesem Erbe geht es nur ums Geld und um materielle Dinge, nicht um das Andenken des Verstorbenen.

Wovon der Petrusbrief schreibt, geht es um ein ganz anderes Erbe:
Als Christen sind wir von Gott als Erben eingesetzt. Und zwar zu einem ganz außergewöhnlichen Erbe: Zur Seelen-Seligkeit. Dass Menschen seelisch im Gleichgewicht sind, wissen wo sie hingehören. Dass sie sich getröstet und bewahrt fühlen.

– Niemand muss dafür mehr sterben, denn Jesus Christus ist bereits dafür gestorben. Durch seinen Tod hat er uns dieses Erbe erworben, und zwar ein- für allemal.

– Dieses Erbe ist unvergänglich. Wir werden es für immer behalten und niemals aufbrauchen können. Es ist absolut krisensicher und

– dieses Erbe kann uns nicht verloren gehen. Seit unserer neuen Geburt, seit dem Beginn unseres Glaubens also, sind wir fest als Erben eingesetzt, und Gott bewahrt unser Erbteil sicher für uns auf.

Der einzige Nachteil:
Wir können es nicht sofort antreten, sondern wir müssen noch ein wenig warten, bis wir dort sind. Wie dieses Erbe – „der Seelen-Seligkeit“ – dann wohl aussehen wird? – Die Bibel gibt Aufschluss darüber:

Der Psalmist sagt, dass wir „an einem gedeckten Tisch sitzen werden“.
In der Offenbarung des Johannes heißt es, „dort werden dann alle Mühen und alle Leiden vergessen sein…“
und der Prophet Jesaja betont: „…ewige Freude wird über euren Häuptern sein; Freude und Wonne werden euch ergreifen und Schmerz und Seufzen wird entfliehen.“
Darum:

"Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten."

Amen.

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