In stiller Freude?

Nach einer guten Nacht oder einer schönen Massage oder einem gelungenen Wellnesstag sage ich manchmal: ich fühle mich wie neugeboren – und bemerke gar nicht, dass ich eigentlich nur einen uralten Begriff aufnehme, der aus dem frühen Christentum kommt.

Wie neugeboren – so sagte man wenn erwachsene Menschen sich taufen ließen, weil sie die christliche Predigt so überzeugt hat, dass sie dazu gehören wollten, obwohl das zeitweise mit Gefahr, immer aber mit Opfern verbunden war.

Solchen Menschen schreibt ein uns unbekannter Mensch, vermutlich aus der Anhängerschar von Paulus unter dem Namen Petrus einen Brief.

Der Petrusbrief ist ein Schreiben an eine von Paulus begründete Gemeinde in Kleinasien. Er versteht sich als Ermutigung und Ermahnung. Die schweren Zeiten von Diskriminierung und Verfolgung am Ende des 1. Jahrhunderts will er helfen, im Glauben zu ertragen. Darum schreibt er voller Liebe und Dankbarkeit diesen Brief:

[TEXT]

Der Seelen Seligkeit ist das Ziel des Glaubens und das Ziel unseres kurzen Textes. Dass Menschen seelisch im Gleichgewicht sind, wissen wo sie hingehören. Dass sie sich getröstet und bewahrt fühlen. Darum endet der 1. Petrusbrief auch mit der Ermutigung: All eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für Euch. Dieser Spruch, wenn wir ihn nicht als Vertröstung begreifen, ist ein Hoffnungswort. Ein Wort, das erzählt, dass wir Vieles tun dürfen und dann dich in Ruhe auf den Herrn vertrauen, der seinen Segen dazu gibt.

Darum beginnt der Schreiber seinen Brief nach den üblichen Eingangsfloskeln mit unserem Abschnitt mit großer Dankbarkeit. Er kann gar nicht anders, als Gott loben für das, was er für die Menschen getan hat, dass er seine Taufe geschenkt hat, dass er in den Menschen ein Feuer entzündet hat und immer neu Hoffnung verleiht.

Und er sieht den Glauben der Menschen, an die er seinen Brief schreibt. Er sieht, wie immer neu Menschen sich taufen lassen, obwohl das ganz und gar nicht selbstverständlich ist, obwohl es mit Gefahren und Risiken verbunden war, obwohl der Staat und lokale Größen die junge Christengemeinde verfolgten.

Im Mittelpunkt dieses Briefes stehen diese Menschen, aber auch wir sind zu erkennen. ‚Traurig in Anfechtungen‘: Das kann mich meinen, wenn ich meinen Glauben und die Nachrichten nicht zusammenbringe, wenn ich von Naturkatastrophen höre, die die Armen treffen, wenn ich von Geistlichen und Pädagogen höre, die Kinderseelen schänden. Gerade solchen Menschen, die leiden an der Wirklichkeit, die noch verzweifeln können an einer Welt, mit deren Zustand nicht gut zurecht kommen schreibt der unbekannte Schreiber dieses Briefes. Sie will er erinnern, dass sie mit ihrem Glauben ein wertvolles Gut haben, diesem glauben, der manchmal keinen Sinn sieht und doch darauf vertraut, dass Gott Allem seinen Sinn verleiht. Und dass er viele unserer Handlungen verurteilt und uns trotzdem liebt.

Der Schreiber möchte uns zum Glauben ermutigen, möchte uns Mut machen, nichts fallen zu lassen von dem, was wertvoll ist. Er möchte, dass wir wissen, dass unser Glaube eine Verheißung hat, auch dort wo wir scheinbar so machtlos sind, nichts ausrichten können gegen das Unrecht, das wir tagtäglich erleben.

Für die Menschen, die diesen Brief empfangen haben, war das wichtig: Gott hat unter den Menschen gehandelt, indem er Menschen in der Taufe berufen hat. Diese Menschen hat er mit seinem Geist ausgestattet, dass sie zu einem lebendigen Zeugnis seiner Liebe werden können.

An den Menschen allerdings ist es dann logisch auch, diese Begabung nicht nur in sich zu tragen, sondern auch auszuleben. Dass wir getauft sind, will gelebt werden.

Unsere Kirche hat vor Längerem propagiert ‚Wachsen gegen den Trend‘. Ein Slogan, der sich schrecklich anhört, als ginge es um Wachstum um jeden Preis, um eine Art geistlicher Kapitalismus. Aber wenn ich diesen Brief an bedrohte Menschen lese, dann höre ich vielleicht worum es bei diesem Wachstum gegen den Trend wirklich geht, dass Menschen begeistert ihren Glauben leben, von ihm erzählen und das weitersagen, was sie bewegt. Dann höre ich von Menschen, die wiedergeboren – wie neugeboren sind, weil sie spüren, dass da an Ostern etwas für sie passiert ist, dass ihrem Leben neue Hoffnung und neue Perspektive verleiht. Dass ihnen hilft auch Traurigkeit und Gefühle von Verlassenheit zu überwinden.

Vielleicht können wir das auch lernen, zu der Freude zu kommen und dem lob Gottes, das sich aus der Quelle speist: Der Herr hat großes an uns getan.

Wenn ich von Gottesdienst aus Afrika oder Amerika höre, mit welcher Begeisterung dort Gottesdienste gefeiert werden, Gemeinschaft gelebt wird, dann werde ich erst einmal skeptisch, weil Kulturformen nicht einfach übertragen werden können, aber auch ein wenig neidisch, weil mir in unseren Gottesdiensten manchmal die Freude fehlt: Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Aber vielleicht leben wir diese Freude nur stiller?!

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