Ausrichtung nach oben

Liebe Gemeinde,

die Sonne geht auf, Christ ist erstanden – so haben wir eben gesungen. Und es ist wahr: durch die Auferstehung Christi geht die Sonne in unserem Leben auf. Etwas Neues hat begonnen und wir zehren von diesem Licht unser Leben lang.

Hören wir das Predigtwort für die heutige Osternacht aus dem Kolosserbrief im dritten Kapitel, die Verse eins bis vier:

[TEXT]

Ja, in der Tat: unser Leben ist verborgen mit Christus in Gott!
Vielleicht werden Sie, wenn es das Wetter zulässt und Sie in der Familie noch kleinere Kinder haben, heute auch Ostereier suchen gehen. Dieser Brauch hat zwei wichtige Hintergründe. Zum einen war in der Fastenzeit z.T. auch das Essen von Eiern verboten – so freute man sich besonders, wenn an Ostern diese wieder zugänglich waren. Vielleicht haben ja auch Sie auf etwas verzichtet und freuen sich nun besonders, wenn sie dort wieder zulangen dürfen? Der zweite, fast wichtigere Hintergrund ist der symbolische Gehalt. Aus einem Ei kann neues Leben erwachsen. Wirkt es noch tot und mit harter Schale, so kann doch aus seinem Inneren ein neues Leben hervorbrechen, das Alte hinter sich lassend. So sind die Eier an Ostern ein Zeichen für diese Möglichkeit Gottes: Leben zu schaffen, wo man nur das Ende wähnte.

„Im Kloster der Russischen Schwestern in Jerusalem gibt es ein Altarbild, auf dem dargestellt ist, wie Maria Magdalena dem römischen Kaiser ein Ei vorweist. Daran knüpft sich die Legende, einst habe der Imperator spöttisch gelacht, als er vom Auferstehungsglauben der Christen gehört habe. Keck sei daraufhin Maria Magdalena vor ihn getreten und habe ihm ein beinahe ausgebrütetes Ei gezeigt. "Sieh diesen Stein. Nie würdest du glauben, dass aus totem Stein neues Leben wird." Sie habe darauf vorsichtig die Eierschale zerschlagen und das Küken sei herausgeschlüpft. Zeichen neuen Lebens.“

So ist unsere christliche Existenz, wie es das Predigtwort schreibt, verborgen mit Christus in Gott. In uns hat mit Christi Tod und seiner Auferstehung das Neue begonnen und es wird am Ende des Lebens offenbar werden als Neues Leben, befreit von allen Schranken und allen Hindernissen. Dieses Licht tragen wir in uns. Das ist die Botschaft des Ostermorgens. Dieses Licht ist für Euch, es zeigt den neuen Tag, den neuen Morgen an in Eurem Leben.

Alle unsere Symbole, alle Farben und Riten, das ganze Kirchenjahr mit seiner verschiedenen Gestaltung ist nur eine Ausformung dieses Gedanken. Es dient uns, es hilft uns, wenn wir mit dem Verstand und mit den Sinnen zu fassen kriegen sollen, dass diese Geschichte des Mannes Jesus aus Nazareth eine Geschichte ist, die mit uns zu tun hat, ja die unsere eigene Geschichte geworden ist. So gehen wir durch die Zeit mit ihm: von der Geburt bis hin zu seinem Sterben und seinem Auferstehen. Alles hängt miteinander zusammen, alles ist auf ein Ziel hin ausgerichtet: uns dieses Licht zu bringen, die frohe Botschaft von der Versöhnung Gottes mit den Menschen. Sie halten dieses kleine Osterlicht in Händen oder haben es vor sich stehen. Auch das ein Symbol, ein Zeichen für unsere Sinne. Prägen Sie sich dieses Bild ein: ein kleines Licht wird entzündet an der großen Osterkerze, an Christi Licht. Und dieses kleine Licht kommt zu Ihnen, an Ihren Platz, das will heißen: dort wo Sie stehen im Leben. Und dieses kleine Licht kann dennoch das Dunkel, in dem Sie gerade noch waren, so weit erhellen, dass Sie Ihren Nächsten sehen können, so weit, dass Sie nach vorne und nach hinten blicken können: das Woher und das Wohin in den Blick nehmen können. Und: dieses kleine Licht ist Ihnen geschenkt – Sie müssen dafür nichts leisten, nichts bezahlen. Sie können dabei sein und es erhalten, ohne Vorbedingung und ohne Gegenleistung. Behalten Sie dieses Bild im Herzen und rufen Sie es sich auf, wenn Sie wieder im Dunkeln stehen, in Ihrem Leben, in Ihren Fragen, in Ihrer Schuld. Rufen Sie sich dieses kleine Licht vor Augen, darauf die Buchstaben Alpha und Omega, Anfang und Ende, so dass klar wird: Christi Macht hat keine Grenzen. Und lassen Sie vor Ihrem inneren Auge dieses kleine Licht erneut leuchten, damit Sie sehen, dass Sie in Ihrer Dunkelheit nicht alleine sind. Die Angst darf schwinden, die Trostlosigkeit entfliehen, die Kälte weichen. Dieses Licht ist Christi Licht für Dich gegeben. Dir geschenkt. Du bist sein!

„Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist.“ So dürfen Sie es glauben: als ein himmlisches Licht, auf Erden gesandt, um hell zu machen, was im Dunkeln ist.
Wenn wir am Karfreitag unsere Schuld bedacht haben und soweit gegangen sind, dass wir erkannt haben, dass wir es selbst waren, die Jesus verraten und ans Kreuz geschlagen haben, dann sind wir heute mit dem Osterlicht befreit, begnadigt und gerecht geworden. Denn Christus ist für uns gestorben und wir sind auferstanden mit ihm. Lob sei Gott, dem Herrscher über Leben und Tod, dem Allmächtigen, dem Schöpfer des Himmels und der Erde!

„Seid ihr nun mit Christus auferstanden, so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes.

Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist. Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott. Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in Herrlichkeit.“

Möge uns also an diesem Morgen etwas davon geschenkt sein: die Ausrichtung nach oben, hin zu Christus. Darin: die Bewahrung des Lichtes, dass wir unser Leben begreifen als ein Leben verborgen mit Christus in Gott. Und als Zeichen, dass wir gerettet sind in seine Herrlichkeit.

Und der Friede Gottes, der unser Leben erhellt, wie ein Licht in der Dunkelheit, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

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