Ein wichtiges Zeichen wider alle Resignation

Eins, zwei, drei – eins zwei, drei – eins, zwei, drei!

Liebe Gemeinde, wenn man die aktuelle repräsentative Umfrage des Marktforschungsunternehmens GfK erst nehmen darf, dann glaubt nur noch jeder Dritte in unserem Land an die Auferstehung. Fast zwei Drittel, mehr als 60 %, sind davon überzeugt, dass mit dem Tod ihre Existenz zu Ende ist.
Sind wir Zeugen eines Niedergangs der christlichen Tradition und des christlichen Glaubens insgesamt? Erleben wir einen Ausverkauf der zentralen österlichen Botschaft? Und wo gehören wir dazu, die wir hier in einem Ostergottesdienst sitzen und die Auferstehung Jesu feiern. Sind wir das letzte Drittel unserer Gesellschaft oder dürfen auch wir Fragen und Zweifel zulassen?
Der Predigttext für den heutigen Feiertag zeigt, dass Zweifel an der Auferstehung und Fragen nach der Auferstehung Jesu und der eigenen Auferstehung von Anfang an Teil der christlichen Existenz waren. Sonst könnte man sich die Heftigkeit der Rede es Paulus nicht erklären.
Ich lese aus dem 1. Korintherbrief, Kapitel 15, 12-20 (Verlesung des Bibeltextes)

Liebe Gemeinde,
die Aussage in unserer Predigt: „Es gibt keine Auferstehung der Toden“! ist keine Erfindung der Neuzeit und keine Aussage, die auf einen Verfall der christlichen Werte bei uns hinweist. Die Frage nach der Auferstehung Jesu und nach der eigenen Auferstehung hat schon die Menschen in den ersten christlichen Gemeinden im Innersten umgetrieben.
Und so richtig und schlüssig die Argumentationskette des Paulus ist, mit der er nachweist, dass der Auferstehungsglaube ein Kernstück, ja, das Kernstück des christlichen Glaubens überhaupt ist, so steckt in vielen Menschen, auch in den Herzen vieler Christen ein Keim des Zweifels.
In der Kirche darf man ihn ja nicht laut äußern, aber vielleicht anonym am Telefon bei einer Umfrage. Bei meinen Konfirmanden, die sicher nicht repräsentativ sind, war es einer von vieren, der beim Gespräch über das Glaubensbekenntnis in der letzten Konfi-Stunde, den Mut hatte zu sagen: „Nach dem Tod ist alles aus. Auferstehung ist doch ein Schmarrn“.
Die Zweifler unter uns würden es so nicht sagen, aber vielleicht mit den Worten von Marie Luise Kaschnitz, ich zitiere einzelne Verse aus einem Gedicht:
„Vielleicht sind wir doch nicht, sind wir doch nicht Gottes Kinder.
Vielleicht ist da keine Himmelsleiter.
Vielleicht sitzt keiner am Ende über uns zu Gericht.“
Liebe Gemeinde, Zweifel sind erlaubt. Zweifel führen oft zu einer tieferen Erkenntnis und manchmal ist der Zweifler Gott näher als der Selbstgerechte.
Aber Zweifel dürfen immer nur einen Teil unseres Lebens ausmachen. Wer grundsätzlich an allem und jedem zweifelt, alles in Frage stellt, an nichts glauben und niemandem vertrauen kann, ist ein bedauernswerter Mensch.
Und die Frage aus unserem Bibeltext: „Glaubst du an die Auferstehung der Toten“ ist doch im Grunde auch keine Frage, die wir mit ja oder nein beantworten sollen. Dahinter steckt doch die viel weitreichendere Frage: „Glaubst du an das, was Jesus gelebt hat und wofür er gestorben ist?“
„Glaubst du an die Auferstehung?“ heißt doch:
– glaubst du, dass es sich lohnt sein Leben für eine gute Sache zu opfern?
– glaubst du, dass Leiden für andere einen Sinn hat?
– glaubst du, dass Gerechtigkeit in der Welt möglich ist?
– dass Liebe Menschen verändern kann?
– dass das Evangelium vom Reich Gottes unserer Welt Hoffnung gibt?
Der Glaube an die Auferstehung heißt aber auch:
– Ich glaube nicht, dass mit dem Tod alles vergessen und vergeben sein wird, was Menschen anderen Menschen an Leid und Schmerz zugefügt haben.
– Ich glaube an eine göttliche Gerechtigkeit, nicht erst nach dem Tod.
Liebe Gemeinde, von der Auferstehung reden, sich zum Auferstandenen bekennen, heißt von der Hoffnung reden. Von der Hoffnung für mich als Einzelnen und von der Hoffnung für unsere Welt.
Und daher ist die eingangs zitierte Umfrage mehr als nur eine Aussage über den Glauben der Menschen in unserer Gesellschaft, sie ist auch eine Aussage über die Zukunftshoffnung, die Menschen für unsere Welt haben.
Von diesem Hintergrund her ist es doch sehr beunruhigend, dass so viele Menschen die Zukunft „schwarz“ sehen, dass sie unserer Welt keine Chance geben. Wer ohne Auferstehungshoffnung lebt, drückt doch letztlich auch damit aus, dass er selbst nicht daran glauben, dass sein Leben und Handeln etwas verändern kann und dass er als Mensch sichtbare Spuren in der Welt zurück lässt.
„Nach dem Tod ist alles aus!“ wie es zwei von drei Menschen in unserer Gesellschaft formulieren, ist letztlich, liebe Gemeinde keine Aussage darüber, ob es ein Leben nach dem Tod gibt oder nicht. Schließlich beruht diese Aussage nicht auf eine Erkenntnis, die der Menschen erlangt hat, nach vielen Recherchen oder Nachdenken.
Es ist eine Aussage, die aus dem Bauch kommt, aus dem Zentrum unserer Gefühle und sie gibt eine weit verbreitete Stimmung der Resignation wieder.
Wider die Volksresignation und Depression sagt Paulus: Weil Christus auferstanden ist, so ist unsre Predigt nicht vergeblich. So ist auch unser Glaube nicht vergeblich. Weil Christus auferstanden ist, hat die Sünde keine Macht mehr über den Menschen. Wir hoffen nicht allein in diesem Leben auf Christus, sondern dass Gott alle Bereiche des Bekannten und Unbekannten durchdrungen hat.
An ein wichtiges Zeichen wider alle Resignation sei daher auch in dem diesem Gottesdienst erinnert. Denn vor genau fünfzig Jahre fand der erste Ostermarsch in Deutschland statt und viele Menschen gingen damals zum ersten Mal auf die Straße, um gegen Wiederbewaffnung und Atomwaffen zu demonstrieren.
Die Geschichte der Ostermärsche in Deutschland begann 1960 mit einem dreitägigen Marsch von über 1000 Friedensaktivisten zu einem Atomraketenstützpunkt im Landkreis Celle.
Bis heute sind Christinnen und Christen Mitorganisatoren der Ostermärsche und laufen in der ersten Reihe mit. Sie geben damit auch ein Zeichen ihres lebendigen Glaubens an einen Gott, der das Leben will und nicht den Tod. An einen Gott der in Jesus Gewalt abgelehnt hat und „Frieden schaffen, ohne Waffen“ gepredigt hat.
Interessanter Weise sind es gerade viele Menschen ab 50, die für den Frieden auf die Straße gehen und gerade den Jüngeren, von denen ich den Eindruck habe, dass sie viel mehr von dem Virus der Resignation angesteckt sind, ein Vorbild sind.
50 Jahre Ostermärsche d.h. 50 Jahre Einsatz für das Leben, d.h. die christliche Auferstehungshoffnung zu Wort und Tat werden zu lassen.
Dieses und viele andere Beispiele zeigen uns, dass entgegen alle Schwarzseherei, auch aktuell in unserer Gesellschaft, die Osterbotschaft als eine Botschaft der Hoffnung und des Lebens gegenwärtig ist.
Wer heute als Christ noch an die Auferstehung glaubt, liebe Gemeinde, gehört vielleicht zu einer Minderheit, aber dass soll uns nicht entmutigen.
Die Mehrheit liegt meistens falsch.
Amen

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