Die Freude des christlichen Lebens

Liebe Gemeinde,

der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden! So bekennen und feiern wir es an Ostern, beginnend mit der Osternacht, dem Einzug des Lichtes in die Dunkelheit, dem Heiligen Abendmahl und dem gemeinsamen Essen danach. Es ist ein Freudentag, weil Jesus den Tod überwunden hat. Ein Tag des Feierns und des Lachens, des ausgelassenen Jubels! Sie wissen es: früher gab es das Osterlachen, das Lachen in der Kirche, als ein Zeichen dafür, dass man den Teufel ausgelacht hat – er hat keine Macht mehr über unser Leben!

Unser Predigtwort, welches ich gleich verlesen werde, handelt von der Auferstehung, dem Leben nach dem Tod, der Überwindung der todbringenden Mächte. Und es ist immerhin noch so, dass viele, wenn sie an die Kirche und ihre Verkündigung denken, dieses im Hinterkopf haben: es geht um einen Himmel, ein ewiges Leben – eine Überwindung des Todes.

Manches davon findet sich auch in den Kirchenwitzen wieder. Hören Sie heute einen davon:

„Ein KFZ-Mechaniker ist soeben bei Petrus im Himmel angekommen. "Hey Petrus, warum bin ich denn schon hier, ich bin doch erst 45?!"
Petrus schaut in seine Unterlagen: "Nun, nach den Stunden, die Du Deinen Kunden berechnet hast, musst Du eigentlich schon 94 sein!"

Und auch die folgende Geschichte befasst sich auf ihre Art und Weise mit dem Gedanken an das Sein nach dem Tode. Hören Sie selbst!

„Ein Mann verließ die schneebedeckten Straßen von Chicago, um in Florida ein wenig Urlaub zu nehmen.
Seine Frau war auf einer Geschäftsreise und plante, ihn am nächsten Tag in Florida dort zu treffen.
Als der Mann in seinem Hotel ankam, sendet er seiner Frau eine kurze e-mail. Leider tippt er die Adresse falsch ein, so dass seine Nachricht stattdessen an eine ältere Pastorenfrau geschickt wurde, deren Ehemann gerade am Tag zuvor gestorben war.
Als die trauernde Witwe ihre neuen e-mails las, blickte sie auf den Monitor, schrie einmal laut auf und sank ohnmächtig zu Boden.
Auf dem Bildschirm war zu lesen:
"Liebste Ehefrau, ich habe gerade eingecheckt. Alles ist für Deine Ankunft morgen vorbereitet.
Dein Dich unendlich liebender Ehemann.
P.S. Es ist wahnsinnig heiß hier…"

Liebe Gemeinde, wie sieht es aus in der Welt mit dem Vertrauen auf ein Leben nach dem Tode im Sinne unserer christlichen Verkündigung? Eine Hoffnung auf die Auferstehung von den Toten und das Leben im neuen Reiche Gottes? Vor ein paar Tagen erst war in der Zeitung die Meldung zu lesen, dass nur noch ca. 1/3 der Bundesbürger sich dieser Hoffnung anvertrauen, rund 1/3 glaubt bereits, dass es eine Wiedergeburt, wie sie z.B. in der Esoterik gelehrt wird, geben wird. Das Problem ist nicht neu, die Botschaft von der Überwindung des Todes und der Hoffnung auf ein neues Reich war schon immer anstößig. Hören wir das Predigtwort aus dem ersten Korintherbrief im 15. Kapitel, die Verse eins bis 15, in welchen Paulus diese Leugner der Botschaft direkt anspricht:

[TEXT]

Ja, liebe Gemeinde, Paulus fasst es in eigentlich ziemlich harte Worte: „umsonst gläubig geworden“ sagt er zu denen, die die Hoffnung der Überwindung des Todes nicht als ihre Hoffnung annehmen wollen. Und dann führt er aus: Christus ist für unsere Sünden gestorben, er ist begraben worden und auferstanden von den Toten. Darauf baut alles andere auf. Wer dies leugnet kann allenfalls im Christentum noch eine Art Philosophie für ein besseres Zusammenleben auf dieser Erde erblicken, eine Art moralische Forderung mit Hinwendung auf den Nächsten als soziale Bewegung. Wer dies tut, handelt zwar in dieser Welt nicht falsch, denn wo Liebe waltet ist nach unserem Verständnis auch immer Gottes Geist zugegen, aber er hat nicht verstanden, was den Kern der Botschaft Jesu ausmacht: Das Hinabsteigen Gottes in unser menschliches Leid bis zum Tod. Bis zum Tod ist er uns nahe – der Christ ist dort also nicht allein! Und dann noch weiter: über den Tod hinaus, durch den Tod hindurch in ein neues Leben. Gereinigt und befreit von all den Lasten – Sie erinnern sich an Karfreitag? – befreit von all den Lasten, die hier jeder zu tragen hat. Gottes Kinder in ihrem wahren Lichterglanz, die Gott schauen dürfen von Angesicht zu Angesicht im neuen Jerusalem. Wer das nicht fassen mag, der beruft sich vielleicht noch auf Jesus aus Nazareth, den leidenden und wundertätigen Schreiner aus Galiläa, aber er hat nicht den Durchbruch gefunden zu dieser anderen, in Gott bereits begonnenen Wirklichkeit des Christus, des Gesalbten Gottes. Diese Hoffnung trägt und nährt uns, sie gibt uns Kraft zum Leben in dieser Welt. Sie ist ein Bollwerk gegen die Resignation, dass sich unter unserem Einfluss doch sichtbar so wenig ändert. Sie ist ein mutiges „Dennoch“, wenn es immer und immer wieder zu Rückschlägen in unserem menschlichen Miteinander kommt, weil wir eben Menschen sind mit unseren Fehlern und unseren Schwächen. Dieses Licht der Auferstehung macht es erst möglich, im Gegenüber bereits einen anderen Menschen zu erkennen, als den, den man tatsächlich im Fleische sich gegenüber stehen sieht. Im Licht des Glaubens sehe ich Brüder und Schwestern, Kinder Gottes, Geheiligte und Befreite.

Ob nun, liebe Gemeinde, die Argumentationsreihe des Paulus für uns heute noch so geeignet ist, mag jeder für sich selbst beurteilen. Mir persönlich bringt diese Aufzählung der geschichtlichen Zeugen nicht so viel. Kephas hat ihn gesehen, die Zwölf, dann 500 Brüder auf einmal, dann Jakobus und alle Apostel und schließlich Paulus selbst, als Letzter, als Unwürdiger, wie er sich nennt. Aber Visionen und Erscheinungen taugen m.E. nur bedingt, um diese Wahrheit des Christentums argumentativ zu festigen. Überlegen Sie, wer heutzutage was auch immer meint gesehen oder gehört zu haben: UFOs, Außerirdische usw. usf. Viel wichtiger ist die Weitergabe des Wortes, wie es Paulus selbst schreibt: „ich habe euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe“. Und dieses Wort, wie wir es in der Schrift auch finden, berichtet in den Bildern seiner Zeit von dieser großen Hoffnung der Überwindung der Ungerechtigkeit und des Leidens. Als Ursache all dieser Fehler und Risse in unserer Wirklichkeit wird die Sünde und der Tod bekannt. Diese Risse aber sind nun überdeckt und gekittet, der Abstand zwischen Gott und Mensch behoben durch das Kreuz dieses Christus, eine Verbindung wieder möglich, weil Gott selbst seine Hand in Liebe den Menschen zur Versöhnung reicht.

Aus dieser Hoffnung können und dürfen wir leben: dem Nächsten zugewandt, weil auch er ein Geschöpf Gottes ist, voll Vertrauen und Liebe, weil wir unseren Vater im Himmel kennen, an dessen Tisch wir einst sitzen werden, um das große Freudenmahl mit ihm zu feiern.

Das ist die Freude des christlichen Lebens, das Geschenk dieser Hoffnung, dieses Glaubens. Die Freude, die Grundlage sein darf für all das, was wir in dieser Welt tun, wie wir den Menschen begegnen. Martin Luther schreibt: „Wir können an der Freude den Mangel unseres Glaubens erkennen. Denn wie stark wir glauben, so stark müssen wir uns auch notwendig freuen.“

Und für die heutige Zeit: wir dürfen uns freuen, lachen und ausgelassen sein, denn Christus lebt und wir mit ihm! Unser Leben ist in seinem geborgen und aufgehoben – welche Macht wollte uns also noch trennen von der Liebe Gottes?

Liebe Gemeinde – einen muss ich Ihnen heute noch vorlesen, denn auch das gehört dazu – über sich selbst lachen zu können:

„Kommt eine Frau nach ihrem Tod in den Himmel und fragt Petrus ob sie ihren verstorbenen Mann treffen könne.
Dieser verspricht nachzusehen in welcher Abteilung der Verblichene zu finden sei. Doch im Computer findet er keinen Eintrag. Vielleicht ist er bei den Seligen? Kein Eintrag. Auch bei den Heiligen ist er nicht zu finden.
"Sagen Sie, gute Frau, wie lange waren sie eigentlich verheiratet?"
"Über 50 Jahre", antwortet diese stolz.
"Das ist natürlich etwas anderes, meint Petrus, dann finden wir ihn bei den Märtyrern."

Und der Friede Gottes, die Freude über sein Auferstehen und sein Leben, bewahre Eure Herzen und Sinne, in Christus Jesus.

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