Wir leben davon, dass ER lebt!

Glaube sie, fragte man mich
An ein Leben nach dem Tode
Und ich antwortete: Ja
Aber dann wusste ich
Keine Antwort zu geben …
(Marie Luise Kaschnitz)

Ja was glaube ich eigentlich angesichts der Endlichkeit menschlichen Lebens. Klammere ich mich an den kleinbürgerlichen Strohhalm: ‚Das kann doch nicht alles gewesen sein‘? Oder ist da eine begründete Hoffnung, dass das Leben noch viel mehr für mich bereit hält, als diese Jahre zwischen Geburt und Tod zeigen? Und wenn es so ist, wie sieht es dann aus: Dieses Leben nach dem Tode?

Mit ähnlichen Hintergedanken schreibt auch schon Paulus an die Gemeinde in Korinth.

Die Frage, die in den letzten Jahren Theologen und Journalisten umgetrieben hat, ob Jesus wirklich auferstanden ist, war keine Frage für sie. Dass Jesus auferstanden war, glaubten sie. Das war klar, er war schließlich der Sohn Gottes.

Aber das musste ja nicht unbedingt Folgen für alle Christinnen und Christen haben. Damit setzt sich Paulus auseinander:

[TEXT]

Es handelt sich um das älteste schriftliche Auferstehungszeugnis, das wir haben. Paulus verklammert Auferweckung der Toten und Auferweckung Jesu miteinander. Das Eine zu glauben macht ohne das Andere keinen Sinn.

Satz für Satz zählt Paulus auf, was er weiß – und was wohl im Christentum seiner Zeit Allgemeingut ist, um dann von den Folgen zu reden: Wir haben Zukunft. Das ist der Mittelpunkt seiner Glaubensüberzeugung. Von Ostern her kommt die Zukunft eines Christenmenschen.

In den Fakten ist er zurückhaltend. Keine tollen Ostergeschichten. Von dem Wunder kann nur nüchtern berichtet werden.

Und ich glaube damit bezeugt er etwas ganz Wesentliches: Von Ostern kann ich nicht direkt erzählen. Ich kann nur entweder aufzählen, was ich weiß und glaube oder in begeisterte Erzählungen und Bilder verfallen, die schön sind, aber manchmal auch keinen Hintergrund haben.

Vielleicht haben wir etwas davon ja schon beim Evangelium gespürt, das mit Zittern und Entsetzen endete, weil das was eigentlich geschehen ist, unbeschreiblich ist.

Das einzige wirklich Osterzeugnis, das wir haben, ist die Tatsache, dass Menschen davon erzählt haben, dass da etwas Erschütterndes passiert ist und dass das sie auf den Weg gebracht hat. Ein Geschehen, das aus ängstlichen Menschen kraftvolle Menschen gemacht hat. Davon können die Frauen erzählen, die am Grab waren. Davon können die Jünger erzählen, denen Jesus in Galiläa begegnete ist und davon kann auch Paulus erzählen. Der Herr lebt, er ist auferstanden.

Und Paulus weiß, dass dieses Geschehen auch Folgen hat über sein irdisches Leben hinweg. Er glaubt fest an die Auferstehung der Toten. Auch wenn das für Viele verstandorientierte Menschen unglaubwürdig ist, zu allen Zeiten unglaubwürdig war. Paulus ist da einen Schritt weiter. Er weiß, dass der Verstand nicht das Einzige ist, was den Menschen auszeichnet. Für ihn steht das Leben seit Ostern auf anderen Füßen. Der Herr hat die Herrschaft des Todes über die Menschen beendet. Ein neuer Horizont hat sich aufgetan.

Das älteste uns überlieferte Osterbekenntnis und doch – so betont Paulus – nur Teil dessen, was christliches Allgemeingut jener Zeit war, Überlieferung, der er wiedergibt und die Evangelisten nach ihm. Da mögen sich so viele Geschichten drum herum ranken. Die Auferstehung bleibt. Und sie gilt für alle Menschen. Neues Leben hat begonnen. Dieses neue Leben kann mich ermutigen, das alte Leben zu verändern: Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Damit darf ich zufrieden sein. Ich muss nicht der große Zampano sein, derjenige, der alles auf den Kopf stellt, jeden Hype mitmacht, keine Sensation auslässt. Ich darf ich sein – aus Gnade. Ich darf leben als Mensch, der unvollkommen ist, aber für den Gott trotzdem eine Zukunft bereithält, die größer ist als alles, was ich mir vorstellen kann.

Eigentlich ist jeden Sonntag Ostern. Denn jeder Sonntag ist Tag des Herrn, Tag seiner Auferstehung. Aber wir brauchen das Osterfest um uns besonders deutlich zu machen, was wir dem Herrn wert sind und welche Zukunft er für uns bereitet hat. Aber wirklich Ostern kann nur dort werden, wo Menschen sich davon erzählen, die Botschaft einander weitergeben.

Die Kirche lebt davon, dass er lebt, sie lebt nicht von ihren eigenen Lebenserscheinungen. Das muss sie immer wieder neu bezeugen und bekennen.

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