Das Ziel vor Augen

Wenn man so zurückdenkt, was hat man nicht alles erlebt. Auf und ab des Lebens, Schicksale, Krieg und Vertreibung. Manches wiegt bis ins hohe Alter ganz schwer. Manches hat gelähmt, manches herausgefordert, manches enttäuscht. Auf manche Krise ist neues Glück gefolgt. Ein prallvolles Leben, so wie wir es erlebt haben und jeden Tag noch fordert das Leben neu.

Immer wieder war es notwenig, sich Ziele zu setzen. Wenn wir uns erinnern sind die Zeiten die besten gewesen, in denen wir uns bewußt Ziele gesetzt haben. Ziele, auf die wir hingearbeitet haben. Ziele von Tag zu Tag: ”Das muss noch fertig werden”, Ziele für einen ganzen Lebensabschnitt, etwa, wenn es um das Berufsziel ging. Ziele für die Kinder: ”Unsere Kinder sollen es einmal besser haben.” Vieles liesse sich in Erinnerung rufen. Da gibt es ganz große Ziele, manchmal so groß, dass sie Illusion bleiben und viele kleine Ziele, die gut und gern Schritt für Schritt erreichbar sind, wenn man dran bleibt. Nach einer Operation wieder laufen können; genug trinken; jemand besuchen wollen; jeden Tag eine gute Tat, das Pfadfindermotto.
Man fühlt sich gut, wenn man sein Ziel erreicht. Es ist, als sei man richtig im Leben stehend.

Das Leben und unsere eigenen Erfahrungen spricht Paulus an um uns an den Weg des Glaubens zu erinnern, an das Ziel des Glaubens und die vielen kleinen Ziele des Glaubens, die das große Ziel erreichen helfen.
Sportlich erklärt es uns der Apostel. Sportler wollen gewinnen, ob beim Eislauf, beim Skispringen, beim Langlaufen, beim Biathlon. Bleiben wir mal bei den Sportarten, die wir im Januar häufig im Fernsehen sehen können. Wenn wir da zuschauen, gemütlich warm in unserem Sessel, denkt einer kaum an die Strapazen und all das Training, das die Sportler auf sich nehemn um zu gewinnen. Ab und zu wird es deutlich, wenn etwa von dem Skispringer Martin Schmidt erzählt wird, er habe einen Erschöpfungszustand, weil er so viel abnehmen musste, um leicht genug zu sein, beim Skispringen möglichst weit zu springen.

Die einfach Frage, die uns gestellt wird, lautet: ”was tust Du für Deinen Glauben, was tust Du um Dein Christenleben zu trainieren”. Paulus redet so wie ein Glaubenstrainer.

Heute soll unser Glaube eine kleine Trainingseinheit bekommen.

Da geht es zuerst um das Ziel. Ein Sportler will gewinnen. Dem ordnet er alles unter. Wollen wir gewinnen, wie Paulus sagt, den Siegespreis, den Lorbeerkranz.
Der Siegespreis des Glaubens ist das zugesagte Geschenk der Ewigkeit. Irgendwie habe ich das Gefühl, beobachtet an mir und anderen Menschen, das wir als Christen das ziemlich halbherzig angehen. Wir tun gerade so, als sei das Leben mit seinem Alltag schon das Ziel des Lebens. Wir sagen das meistens als Christen nicht so, aber in unserem Verhalten ist es oft so.
Vergleichen wir nur den Aufwand, den wir treiben um glücklich sein zu können mit dem Aufwand, den wir für unseren Glauben treiben.

Die erste Aufgabe ist daher, das Ziel der Ewigkeit wieder ins Auge zu fassen. In vielen schönen Geschichten und bildhaften Vorstellungen beschreibt die Bibel die Ewigkeit, menschliche, ganz menschliche Vorstellungen versuchen sich aus Erfahrungen und Gefühlen ein Bild zu machen, von dem, was schließlich keiner beschreiben kann, allenfalls so, das wir sagen dürfen, es ist noch überwältigender, als unsere höchsten Vorstellungen von Glück es beschreiben können, was die Bibel Heil nennt. Wunderschön, erstrebenswert, aller Mühe und Anstrengung wert, um das Gipfelglück der Ewigkeit zu erlangen.
In meiner früheren Gemeinde ist auf einem alten Altar ein Bild zu sehen. Da ziehen die Menschen, angeführt von Adam und Eva in einer endlosen Kette von Menschen durch ein goldenes Tor in Gottes ewiges Reich, mit staunend-glücklichen Gesichtern: ”Gerettet”.
In den biblischen Bildern, in der Kunst wird alles aufgeboten, dieses Lebens- und Glaubensziel der Ewigkeit, bei Christus zu sein in Gottes Reich, so zu beschreiben, das es nur eine Reaktionen gibt: ”Da will ich hin”. Die schönsten Worte unter Menschen werden aufgeboten das zu beschreiben: Liebe, Frieden, Geborgenheit, Gerechtigkeit, Vergebung, Glück, keine Träne, kein Leid, ewige Zugehörigkeit.
So sagt Paulus einmal: ”Ich habe Lust abzuscheiden um bei Christus zu sein:” Er sieht das so, für uns meist ein fernerer Gedanke. Er kommt erst wieder, wenn Menschen so ganz und gar am Ende ihrer Kraft sind.

So sind wir Menschen, das Nahe ist uns eben näher als das Ferne. ”Lieber der Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach” Lieber leben, so schlecht und recht, als der Blick auf jenseitige Freude.

Wenn Paulus uns einschärfen möchte, etwas für den Glauben zu tun, um das Ziel des Glaubens zu erreichen, ”der Seelen Seligkeit” – wie die Alten es formulierten – steht dem ein anderer Glaubenssatz im Wege, den gerade Paulus immer so betont hat: Nämlich, dass alles Geschenk ist, Gnade und dass man sich die Gunst Gottes nicht erarbeiten und verdienen kann. Alles ist geschenkt, weil Christus unser HERR und Heiland ist.

Das ist richtig und Kern unseres evangelischen Glaubens. Aber darin steckt die Gefahr der Trägheit. Wir können sagen: Super alles geregelt, Gott ist Papa gnädig und wird es schon richten.
Dabei aber verlieren wir das Ziel aus den Augen.

Gott ist gnädig, unbestritten, Christus ist mein Heiland, der mich rettet, unbestritten. Alles ist mir geschenkt, das Leben, die Liebe anderer Menschen, auch die Schatten des Lebens sind Stationen auf dem Weg zu Gott, Vergebung, Lebenskraft, Glaubenskraft, alles geschenkt von Gott.
Aber es führt kein Weg daran vorbei, dass ich die Geschenke Gottes aufmachen muss. Es führt kein Weg daran vorbei, dass ich den Weg des Lebens gehen muss, an dessen Ende das Ziel steht. Nirgends kann ich auf Dauer stehen bleiben. Wir brauchen das Ziel nicht erfinden, aber wir müssen hingehen.

Darum geht es Paulus, dass wir nicht am Ziel vorbeirennen, es aus dem Blick verlieren, oder zwischendurch ein anderes Ziel ins Auge fassen.

Mit gefällt die Vorstellung mit dem Wettkampf nicht so ganz, als unsportlicher Mensch tu ich mich da schwer. Eine andere biblische Geschichte ist mir näher und erklärt mir, was Paulus meint.
Es ist die Geschichte vom verlorenen Sohn, die Geschichte von dem, der in die Fremde ging, aus dem Vaterhaus; von dem, der seine Bestimmung, sein Gottesgeschenk in der Fremde verlor.
Aber dann, als er ganz unten war, keine Perspektive mehr hatte, dämmert es ihm, dämmert ihm die Erinnerung an seine Bestimmung, an den Vater an dessen Liebe er appelieren möchte.
Und dann sagt er: ”Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen”
Das ist es, was Christsein fordert: ”aufmachen und zum Vater gehen”. Jeden Tag neu. Die Tür des Vaterhauses, das Herz Gottes, es steht uns offen, jederzeit. Aber wir müssen hingehen.
Wie tun wir das?
Indem wir Gott immer wieder in die Mitte unserer Gedanken nehmen und beten:
Danken für alles was wir erlebt haben.
Danken für jeden neuen Tag.
Danken für alles, was andere für uns tun.
Danken für jede Freude

Bitten für unser Leben, für Kraft und Zuversicht,
”o Ewigkeit Du Schöne, mein Herz an Dich gewöhne”

Etwas für andere tun, gehört ebenso dazu, und immer wieder, die Worte der Bibel im Herzen bewegen.

So passiert es mit uns auf dem Lebensweg, dass wir getröstet die Gnade spüren, innerlich Gott näher zu kommen. Heute schon und morgen wieder, jeden Tag. Nehmen wir dieses Ziel vor Augen, das kleine Ziel, zu beten, auf Gottes Wort zu hören und liebevoll mit unserem Mitmenschen umzugehen.
Jesus wird uns begleiten, ER führt uns an der Hand, sagen wir einfach: Jesu geh voran.

Näher mein Gott zu Dir, näher zu Dir,
Jeden Tag, näher zu Dir. Der Weg führt zum Ziel.

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