Valentinstag – Tag der Liebe

Liebe Gemeinde – haben Sie heute Blumen geschenkt bekommen oder selber welche verschenkt? Haben Sie heute schon einen Kuss empfangen oder selber geküsst? Fragen, deren Antwort mich natürlich nichts angeht! Seit Wochen schon werben die Blumengeschäfte mit dem heutigen Tag, die Süßwarenhändler preisen Ihre Ware an und Hausfrauenzeitschriften geben Tipps, wie man am besten den 14. Februar, Valentinstag genannt, gestaltet.

Ein „Tag der Liebe“ sei es, so die Verkäufer. Warum also nicht dieser Liebe gedenken und sie manifest, sichtbar werden lassen – am besten natürlich durch ein Geschenk?!

Die Legende zu diesem Tag verweist auf den Bischof Valentin von Terni aus dem dritten Jahrhundert nach Christus, der gegen die Staatsgesetze verstoßend, auch Soldaten getraut haben soll und die Paare dann mit Blumen aus seinem Garten beschenkte.

Und in der Tat, liebe Gemeinde, wenn es darum geht die Frohbotschaft des Evangeliums in wenigen Worten oder Bilder zusammenfassen zu müssen, dann wählt die Schrift selbst das Bild der Liebe. Die Zusammenfassung aller Gebote beschreibt Jesus im 12. Kapitel des Markusevangeliums mit dem Doppelgebot der Liebe: „Gott lieben und den Nächsten wie dich selbst“ als Kern aller Gesetze. Und die johanneischen Schriften fassen das Wesen Gottes im Bild der Liebe: „Gott ist die Liebe“ heißt es dort.

Warum diese steile Aussage? Heißt es nicht, du sollst dir kein Bild von Gott machen?! Johannes und seine Schüler wagen dennoch diese Zuordnung, weil sie wissen, wie sehr der Mensch die kleine, fassbare und erfahrbare Zusammenfassung braucht, damit er nicht verloren geht im Gewühl der Welt. Und ich hoffe, wir haben es alle schon einmal erlebt – das Gefühl der Liebe, die uns entgrenzt. Die unseren Blick einmal von uns weg lenkt auf jemand anderen hin. Die Liebe, die hilft, uns nicht nur als Einzelwesen zu verstehen, sondern automatisch davon ausgeht, dass noch jemand anderes zu mir gehört. Die Liebe, die Flügel verleiht, zu ungeahnten Taten und Kräften anspornt und uns für Augenblicke den Himmel offen sehen lässt.

Dieses Gefühl – auch das wissen Sie – ist in der Welt nur punktuell. Niemand schwebt sein Leben lang auf Wolke sieben – übrigens ein abgewandeltes Paulus-Zitat, wenn er von Gotteserfahrung redet! Aber dennoch: in diesem Augenblicken können wir erahnen, wie Gott uns zugewandt ist, was er uns verheißt und welche Zukunft er für seine Kinder gesichert hat.

Bei all den notwendigen Auseinandersetzungen im Glauben und in der Gemeinde tut es deshalb gut, sich ab und an wieder diesen Kern der Frohbotschaft vorzusagen und mit dem eigenen Erleben zu füllen. „Gott ist für mich da – mit seiner Liebe will er mich führen in sein Reich.“

Die Welt freilich kann nicht anders, als auch aus der Liebe ein Gefühl zu machen, welches dem Verkauf dienlich sein soll.

Hören wir daher das Predigtwort für den heutigen Sonntag Estomihi aus dem ersten Brief des Paulus an die Korinther im 13. Kapitel, die Verse eins bis 13.

[TEXT]

Denn, liebe Gemeinde, diese Korinther damals vor ca. 2000 Jahren, können uns bis heute ein gutes Beispiel sein. Eine Gemeinde, die die Frohbotschaft durch Paulus, den reisenden Missionar gehört und angenommen hat. „Christus ist für uns gestorben – wir sind nun frei!“ Unglaubliches hat sich damals ereignet: Sklaven und Herren stehen auf einer Stufe vor Gott. Frauen und Kinder sind nicht minderwertig gegenüber den Männern. Arm und Reich spielt vor Gott keine Rolle. Alle sind eingeladen. Ein Ruck geht durch diese junge Gemeinschaft in Korinth, ein Aufbruch, wie man heute vielleicht sagen würde. Das ist toll – viele wünschen sich für unsere heutige Gemeinden wieder einen solchen Aufbruch: einen Aufbruch des Geistes. Und dennoch passiert etwas, was Paulus erst veranlasst seine Korintherbriefe zu schreiben: es kommt zu Problemen in der Gemeinde. Zu viele nämlich gibt es, die die Freiheit im Geist missverstehen oder überdehnen. Sie sagen: „Gott hat uns doch frei gemacht – uns kann nichts mehr schaden“ und beziehen diese Aussage auf ein ausschweifendes Leben in der Welt. Mit anderen Worten: „wir können tun und lassen, was wir wollen – in Gott sind wir doch eh gerettet!“.

Manchmal, liebe Gemeinde, finde ich diese Aussage fast in genau den gleichen Worten im Religionsunterricht an der Schule wieder. „Gott hat uns doch eh lieb und vergibt immer – was soll ich also an meinen Leben ändern?“

Es ist ein mühseliges Geschäft, auf welches Paulus hinweist, denn er verweist auf das Vorläufige, das noch nicht Vollkommene, auf den Anfang. „Ja, in Christus seid ihr frei gemacht“, schreibt er an andere Stelle, „aber das Endgültige, die Neue Welt – das ist noch nicht da, sondern wir sind Pilger durch die Zeit und haben erst ein Angeld auf das, was kommen wird!“

Das ist schwer zu hören: „wir haben schon etwas, aber es ist noch nicht vollständig da.“ Oder: „wir warten, aber wir warten mit einer Hoffnung!“ „Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören!“ – so sagt es unser Predigtwort.

Und weil Paulus um die Macht des Bildes von der Liebe weiß, nimmt er es wieder einmal her, um zu beschreiben, was ihm wichtig ist. Frei zu sein in Christus heißt nicht, völlig beliebig zu leben. Sondern meine Freiheit ist immer eine Freiheit auf den Nächsten hin, ihm zum Dienst. Sie wissen alle, wie Luther dies formuliert hat: „Der Christenmensch ist ein freier Herr und niemanden untertan. Der Christenmensch ist ein Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“

Und nun räumt Paulus auf mit den ganzen Übertreibungen in Korinth und auch in unseren Gemeinden heute.

Könnte ich predigen wie ein Engel – welch wunderbare Vorstellung – hätte aber die Liebe nicht als Grundlage und Ziel: es wäre vergeblich! Denn es geht nicht, liebe Gemeinde, nur um wohlgesetzte oder dogmatisch richtige Worte. Nicht die Gelehrsamkeit als solche steht im Focus des gegenseitigen Unterstützens und Aufbauens, welches in der Gemeinde immer Not tut. Es geht auch nicht um einen guten Unterhaltungswert oder rhetorisch geschliffene und deswegen schön zu hörende Rede. Es geht um die frohe Botschaft, von der Liebe Gottes zu künden und selbst Werkzeug darin sein zu wollen. Fehlt dieses, ist die Rede umsonst.

Könnte ich die Zukunft hervorsagen wie die Propheten – welch faszinierendes Amt – hätte aber die Liebe nicht als Grundlage und Ziel: es wäre vergeblich! Wie viele sind es doch, die meinen, sie könnten in die Zukunft blicken oder diese zumindest deuten. Zeichen und Wunder – daraufhin sind die Menschen immer wieder anfällig. Aber was hilft es, wenn ich meine Zukunftsschau nur nutze, um an mich zu denken, den Nächsten aber darüber aus dem Blick verliere? Wäre ich selbst wie ein Amos oder Jeremia, hätte aber Gottes Liebe nicht, so wäre es umsonst.

Könnte ich mit meinem Glauben Berge versetzen – welch wundersame Gabe, wer sehnt sich nicht danach? – hätte aber die Liebe nicht als Grundlage und Ziel: es wäre vergeblich! Ich sehe sie vor mir, die vielen Gemeinde, die darauf pochen, sie hätten die Gabe, Kranke gesund zu machen, in vielerlei Zungen zu reden, in die Tiefen der Erkenntnis zu tauchen. Wenn sie darüber nur spalten und absondern, trennen und von sich weisen: so ist diese Gabe vergeblich.

Könnte ich mich überwinden und das meiste meines Geldes tatsächlich denen geben, die es nötiger brauchen als ich, hätte aber die Liebe nicht als Grundlage und Ziel, so wäre es umsonst. In der Tat, liebe Gemeinde, der Himmel auf den wir warten, lässt keine Fleißkärtchen zu. Kein pay-back-system rechnet mir meine Spenden und guten Taten gegen und somit im Reich Gottes wieder gut. Es bleibt: ein freies Geschenk und eine Gnadenwahl Gottes an uns Menschen. Wo ich gebe, weil ich mich selbst im Blick habe und nicht aus Liebe zum Nächsten heraus, so ist diese Gabe umsonst.

Viel bleibt nicht, liebe Gemeinde, nach dieser harten Kritik von Paulus an der Gemeindepraxis in Korinth. Denn Paulus hängt die biblische Meßlatte an all unser Tun: geschieht es in der Liebe, die dir Gott geschenkt hat?

Denn auch das darf ja nicht verschwiegen werden: diese Liebe, zu der der Mensch fähig ist, ist ja ein geschenkte Liebe. Eine weitergereichte Liebe von der Liebe, mit der Gott uns und diese Welt geschaffen hat. Eine Liebe, zu der wir wieder heimkehren werden am Ende der Zeit, zu Beginn der neuen Schöpfung. Eine Liebe, auf die hin wir unsere Toten beerdigen, weil diese Liebe fähig ist, den Tod zu überwinden.

Viele feiern heuten Valentinstag und es ist richtig: die Welt hat eine Ahnung von dieser Liebe; sie ist fähig, sie zu spüren. Aber sie braucht die Deutung, den Hinweis auf ihren Ursprung. Das Bekenntnis zu Gottes Größe, um nicht zu ersticken im einer romantischen Gefühlsduselei, sondern um wirklich groß zu werden und Freiheit schenken zu können.

„Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.“ Die Christen haben die Aufgabe, auf dieses Erkennen durch Gott hinzuweisen. Ja, weiter noch, mit ihrem eigenen Leben Antwort zu geben auf diese Liebe Gottes und die frohe Botschaft vom Ursprung und Herkunft der Liebe weiterzureichen, in das Dunkel der Welt hinein, damit alle die, die im Schatten leben, dieses große Licht erreicht und sie gerettet werden auf Christus hin. „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe.“ Die Beschreibung der christlichen Existenz – wichtiger als alles, was wir selbst leisten könnten oder womit wir uns so gerne schmücken möchten. Der Glaube als Vertrauen auf Gottes Wirkmacht in meinem Leben. Die Hoffnung auf sein jetzt schon beginnendes Reich und meine Rettung dorthin. Die Liebe als das Bild für Gottes Wesen, welches uns am meisten offenbart ist in Christus Jesus.

Liebe Gemeinde – haben Sie heute Blumen geschenkt bekommen oder selber welche verschenkt? Haben Sie heute schon einen Kuss empfangen oder selber geküsst?

Nun, die Antwort geht mich immer noch nichts an. Aber lassen Sie zu, dass Sie selbst etwas entdecken in dieser Liebe zu den Ihnen Anvertrauten von Gottes eigener Liebe an uns Menschen. Und Sie werden spüren und erfahren, wie Gott uns alle hält und trägt in seiner Hand.

Und der Friede Gottes, der für Momente aufscheint, wenn wir untereinander mit Liebe begegnen, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

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