Wir laufen in Freiheit mit Gott!

Liebe Gemeinde,

ich freue mich schon auf die Fußball-WM im Sommer.
Spannende Spiele, packende Szenen auf dem Rasen und hoffentlich viele Tore für „unsere Mannschaft“! Ich werde wie immer mitfiebern!
Um Wettkampf und Sport geht es heute auch beim Apostel Paulus: Er nimmt ein Bild aus dem Sport und wendet es auf den Glauben an.
Ob er ein Sportfan war, ist nicht ausdrücklich überliefert. Aber er und seine Schüler haben in ihren Briefen immer wieder auf Beispiele aus dem Bereich des Sports zurückgegriffen.
In der griechischen Stadt Korinth, an deren Christen Paulus schreibt, gab es regelmäßig ein sportliches Megaevent, die „Isthmischen Spiele“. Die Korinther waren offensichtlich sportbegeistert und das nutzt Paulus, um ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen.
Er hält den Christen dort eine Art „Traineransprache“:

[TEXT]

Das Bild vom Wettlauf können Sie, liebe Frau Magnussen, und Sie, lieber Herr Wiegels, sicher nur allzugut nachvollziehen. Seit etlichen Wochen laufen Sie beide nun schon um die Wette. Die vielen Veranstaltungen, bei denen Sie sich den Fragen der Bürgerinnen und Bürger Möllns stellen und sich mit Ihren Zielen und Ihrer Person präsentieren, ähneln bestimmt einem Marathonlauf. Und genau wie bei einem sportlichen Wettkampf wird es nur eine oder einen geben, der oder die am Ende die Nase vorn hat.
In seinem Brief vergleicht Paulus den christlichen Glauben mit einem sportlichen Wettkampf. Ein sperriges Bild, das mich sehr beschäftigt! Dass Paulus den Glauben mit einem „Lauf“ vergleicht, läßt sich ja noch nachvollziehen. Wir sprechen ja selbst vom „Glaubensweg“.
Aber wie passen Wettkampf und Konkurrenz mit dem Glauben zusammen?
24 Wisst ihr nicht, dass die, die in der Kampfbahn laufen, die laufen alle, aber einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt.
Laufen wir denn für Gott um die Wette? Müssen wir mit anderen konkurrieren, um uns Gottes Liebe, seine Gnade, sein Wohlwollen zu erkämpfen? Gibt es bei Gott Sieger und Verlierer?
Das kann Paulus – der Apostel der Gnade – nicht gemeint haben. Bei Gott sind wir doch schon am Ziel! Bei Gott haben wir schon gewonnen, wir sind Sieger.
Wir alle haben den unvergänglichen Siegespreis schon, weil Gott uns liebt.
Wir laufen also nicht „für Gott“, um ihn für uns zu gewinnen. Im Gegenteil: Gott hat uns bereits für sich gewonnen. Weil er uns als seine Geschöpfe liebt, können wir durch das Leben laufen. Und er hat uns versprochen, bei uns zu sein. Weil er an unserer Seite ist, können wir die Bahnen in unserem Leben ziehen – die guten und die schwierigen Wegstrecken.
„Für“ Gott müssen wir also nicht laufen. Aber worum geht es Paulus dann? Ein Blick zurück:
Paulus ermahnt die Korinther. Er hatte ihnen Freiheit gepredigt. „Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“, glaubt er. Gott liebt uns nicht, weil wir viele Gebote halten. Sie sind sinnvoll, um das Zusammenleben zu regeln, aber sie sind keine Vorbedingung für Gottes Liebe. Mit anderen Worten: Die Gebote sind um des Menschen willen da und nicht der Mensch um der Gebote willen.
Doch darüber war nun in der christlichen Gemeinde von Korinth ein ernsthafter Streit entbrannt: Die Freiheit der einen, die sich nicht mehr an die alten jüdischen Gebote halten wollten, ärgerte und belastete die traditionellen Gemeindeglieder, die Angst hatten, sich von Speise- oder Fastengeboten zu lösen.
Es hatten sich Fraktionen gebildet, Spaltung drohte.
Hier greift Paulus nun ein und zeigt den Korinthern die Gelbe Karte:
„Verliert doch nicht das Ziel aus den Augen! Lauft wie die Athleten im Stadion! Lauft so, dass Ihr gewinnt und verzettelt Euch nicht. Gott schenkt Euch Freiheit. Lebt sie! Aber nicht auf Kosten anderer. Und schon gar nicht auf Kosten der Einheit des Leibes Christi! Die Gemeinde ist schließlich ein Leib!
Nehmt Euch zurück, wenn Eure Freiheit andere abstößt! Provoziert keinen Streit! Ich bezwinge mich doch auch, damit andere sich nicht über mich ärgern!“
So die „Traineransprache“ des Paulus in meinen Worten.
Auf diesem Hintergrund wird eines klar: Paulus ermahnt seine Gemeinde. Sie sollen das Wesentliche des Glaubens nicht vergessen. Statt sich aufzureiben in innergemeindlichen Streitigkeiten, wäre es christlicher, Rücksicht aufeinander zu nehmen und für den anderen Verständnis aufzubringen. Christlicher Glaube ist ein Mannschaftssport, bei dem jeder den anderen stärkt, unterstützt, auch korrigiert, fair und ohne Foul.

Wie der Alltag eines Athleten vom Training bestimmt ist, so soll auch der Glaube unseren Alltag bestimmen.
Aus unserem Glauben wissen wir: Wir haben unseren Wert nicht aus uns selbst. Er hängt nicht ab von der eigenen Leistungsfähigkeit, von Wissen, Geld, Karriere, Macht oder Beliebtheit. Wir alle haben einen unvergänglichen Wert, weil wir Geschöpfe Gottes sind.
Wer das weiß, für den hat sich das Leben entscheidend geändert.
Gottes Liebe müssen wir nicht erlaufen oder erringen wie die Sportler damals den Lorbeerkranz errangen. Wir haben von Gott gewissermaßen „Vorschußlorbeeren“ bekommen. Wir sind von ihm geliebte Geschöpfe. Auf diesen „Vorschußlorbeeren“ ruhen wir uns nicht aus. Vielmehr ist Gottes Liebe die Kraft, die uns hilft, unser Leben mit Gottvertrauen zu leben.

24 Wisst ihr nicht, dass die, die in der Kampfbahn laufen, die laufen alle, aber einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt.
25 Jeder aber, der kämpft, enthält sich aller Dinge; jene nun, damit sie einen vergänglichen Kranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen.
Ich verstehe Paulus so: „Macht es doch wie die Sportler! Lebt Euren Glauben so konsequent wie ein Läufer, der sich anstrengt, den Sieg zu erringen! Das könnt Ihr auch!
Die Athleten laufen bloß für einen Kranz aus Lorbeeren, der bald verwelkt. Gottes Liebe dagegen hört niemals auf. Die Athleten müssen ihren Sieg erst erringen. Ihr dagegen habt schon gewonnen, weil Gott Euch seine Liebe schon geschenkt hat. Lasst das sichtbar werden in Eurem Leben!“
Glaube und sportlicher Wettkampf haben einen Vergleichspunkt: Um siegen zu können, muss ein Sportler viel trainieren. Jeden Tag. Das ganze Leben ist vom Sport bestimmt. Paulus sagt: „So ist das mit dem Glauben auch! Auch der Glaube bestimmt den Alltag genau so!“
Also nochmal: Wir laufen nicht für Gott. Aber mit Gott laufen wir so, dass die Zuschauer aufmerksam werden auf unsere Art zu laufen.
Wir wissen um unseren unverlierbaren Wert, und können deshalb auch andere Menschen als ebenso wertvolle Geschöpfe achten. Rassismus und Ausländerfeindlichkeit sind mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar.
Konkret wird der Glaube im ganz Alltäglichen – z.B. in der Art, wie wir mit Konflikten umgehen:
Ich denke, wir müssen Konflikte nicht unter dem Mäntelchen der christlichen Nächstenliebe verstecken. Wir können sie austragen, aber mit Verständnis und Rücksicht auf den Anderen, ehrlich und fair.
„Wisst ihr nicht, dass die, die in der Kampfbahn laufen, die laufen alle, aber einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt.“
Christinnen und Christen stehen in ihrem Beruf auch oft im Wettkampf. Und natürlich können Christen im Beruf nach Erfolg und Karriere streben. Aber wir müssen dabei nicht mit ausgefahrenen Ellbogen über Leichen gehen.
Das, was für den persönlichen Bereich gilt, gilt genau so auch für die Gesellschaft.
Wir können uns einsetzen für die Schwachen in der Gesellschaft – z.B. durch Spenden oder ehrenamtliches Engagement – ich denke z.B. an die Möllner Tafel.
Wir können uns in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft zu Wort melden, wenn Menschen nur noch an ihrer Arbeitskraft gemessen werden. Beispiele gibt es genug: Ein großes Hamburger Versandunternehmen setzt sich für soziale Belange ein und sorgt intern für faire Arbeitsbedingungen. Eine große Drogeriekette macht dagegen immer wieder negative Schlagzeilen, weil die Arbeitsbedingungen an Ausbeutung grenzen.

„Wisst ihr nicht, dass die, die in der Kampfbahn laufen, die laufen alle, aber einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt.“
Für Gott haben wir den Siegespreis längst erlangt.
Mit seiner Liebe können wir gut durch unser Leben laufen.
Er greift uns unter die Arme, wenn wir stolpern.
Er weist uns den Weg und läuft an unserer Seite
– jetzt und alle Zeit.

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