Corporate Identity

Liebe Gemeinde,

„Corporate Identity (auch Unternehmensidentität) ist der abgestimmte Einsatz von Verhalten, Kommunikation und Erscheinungsbild nach innen und außen. Basis dafür ist das Unternehmensleitbild, welches durch die Corporate Identity mit Leben gefüllt wird. Ziel der Corporate Identity ist eine nachhaltige Unternehmensentwicklung. Die CI ist also die Persönlichkeit einer Organisation, die als einheitlicher Akteur handelt und wahrgenommen wird.“

So beschreibt das Online-Lexikon Wikipedia das, was der Bayerische Erzbischof Marx gerade bei der CDU sucht und am und im Christentum fest macht bzw. verankert. Die CDU, so der Erzbischof im vorletzten Spiegel, habe ein Problem wenn sie zwar das C – für christlich – im Namen trage, aber letztlich einer Art „Turbokapitalismus“ auf den Leim gegangen ist und darüber hinaus Steuerentlastungen anstrebe, die nur den besser gestellten Menschen im Land diene.

Das Christentum, so der Erzbischof weiter, und insbesondere die christliche Lehre, sei damit nicht vereinbar.

Liebe Gemeinde, da ist es also – das christliche Leitbild. Nach der Debatte um Leuchtfeuer und dem schönfärberischen Gerede über Pfarrstellenanpassung nun endlich mal wieder ein klares Wort darüber, was Christentum eigentlich wirklich ist und was nicht: Wir sind nämlich nicht Inhaber einer Ramschbude, wo alles früher oder später billig zu haben ist. Wie könnte die Gnade auch je billig sein?

Und was der Erzbischof von München da alles ins Feld führt ist eine wohlklingende Antwort auf all die furchtbaren und fruchtlosen Diskussionen der letzten Zeit. Endlich geht es nicht darum, wie Kirche einmal sein sollte, sondern wie Kirche ist und was Kirche ausmacht.

Und, liebe Gemeinde, hinzu kommt, dass das Christentum, welches die Kirche bevölkert, nicht beliebig ist. Das Christentum ist mitnichten nur ein Aushängeschild, das je nach Saison oder gerade vorherrschender Meinung die Farbe wechselt oder das Fähnchen anders dreht. Das Christentum folgt Prinzipien und hat eine Corporate Identity, die nicht beliebig ist, denn sonst würde der hohe Wiedererkennungswert, das Unverwechselbare, verloren gehen und damit auch die Glaubwürdigkeit und schließlich auch die Unterstützer und am Ende die Mitglieder.

Das es jetzt in dem Interview von Erzbischof Marx die CDU trifft, ist Pech. Es hätte genau so gut die CSU sein können, der Erzbischof hätte genau so gut die SPD oder die FDP sezieren können. Aber andererseits tragen die ja schließlich auch kein C im Namen.

Wie auch immer. Corporate Identity heißt das Stichwort und diese ist so wichtig, dass viele Unternehmen auf dieser Welt viel Geld dafür ausgeben überhaupt erst einmal so etwas wie eine Identität zu erlangen. Darum kann es sogar sein, dass uns vielleicht ein paar Firmen um unsere beneiden.

Hauptmerkmale einer besonders guten Unternehmensidentität sind zum einen der hohe Wiedererkennungswert einer Gruppe, der Wunsch dazu gehören zu wollen und zum anderen die Bereitschaft sich in diese Gruppe einzubringen, um ein Teil dessen zu werden.

Es wird nicht verwundern, wenn ich Ihnen nun erzähle, dass eine der ersten Werbeanzeigen dieser Art, die genau diese Merkmale aufnimmt, bereits Paulus verfasst hatte. In seinem Brief an die Gemeinde in Korinth hatte er starke Bilder dafür gefunden, wie es ist und was es heißt ein Christ zu sein.

[TEXT]

Liebe Gemeinde, sicher: Wir sind in einem Olympischen Jahr, zumindest was die Winterwelt angeht, und in diese Zeit passt so ein Text rein wie die Faust aufs Auge. Aber was hat der Wettkampf mit der Gnade zu tun? Hatte nicht Paulus schon an anderer Stelle auf den unverdienten Charakter der göttlichen Gnade hingewiesen? Wir haben auf die Gnade Gottes keinen Anspruch, nicht durch überragende Leistungen und schon gar nicht, weil wir gute Taten tun. Die Gnade wird uns darum zuteil, weil der liebe Gott ein guter Kerl ist und menschenfreundlich noch dazu, so sagt es Paulus.

Und jetzt das! Wißt ihr nicht, daß die, die in der Kampfbahn laufen, die laufen alle, aber einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, daß ihr ihn erlangt. Ist das nur ein Kunstgriff der paulinischen Theologie um wenigstens ein bisschen Wettbewerb in das Christentum zu bringen oder versucht Paulus auf einen Umstand hinzuweisen, der uns als Kirche im 21. Jahrhundert schon so in Fleisch und Blut über- und eingegangen ist, dass wir es gar nicht mehr merken?

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Freundinnen und Freunde in Christus, ich möchte euren Blick auf einen besonderen Kniff des Paulus lenken. Auf den ersten Blick geht es ihm um so etwas wie die Olympischen Spiele, aber bei genauerem hinsehen karikiert er das, was dort geschieht. Denn Paulus hebelt den Wettkampfgedanken aus und das gelingt ihm, weil er an einer neuralgischen Stelle zuschlägt, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Ich aber laufe nicht ziellos; ich kämpfe mit der Faust, dass ich treffe und nicht wie einer, der in die Luft schlägt. Und Paulus beschreibt auch ganz genau, wen er da trifft: Sich selber. Ich bezwinge meinen Leib und zähme ihn, damit ich nicht andern predige und selbst verwerflich werde. Der Apostel prügelt sich also nicht mit jemand anderen, sondern mit sich selbst. Reflexartig mag da die Frage auftauchen, warum er das tut.

Paulus will einfach selber ein gutes Beispiel abgeben. Immerhin spornt er vehement an und fragt uns, ob wir nicht wüssten, daß die, die in der Kampfbahn laufen, die laufen alle, aber einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, daß ihr ihn erlangt.

Sollte er da zurück stehen und uns die ganze Arbeit alleine machen lassen? Das entspräche nicht dem Bild, dass wir von Paulus haben sollen. Er, der immer vorne weg geht, auf Lohn verzichtet und auch sonst gerne darüber spricht, welche Qualen er bereits ausgehalten hat, so einer wird wohl nicht zurückziehen, wenn es darum geht, die Kirche in Stellung zu bringen.

Denn es geht gar nicht um den Wettkampf, einer gegen den anderen, es geht auch nicht darum, durch besondere Leistungen aufzufallen. Jeder aber, der kämpft, enthält sich aller Dinge; jene nun, damit sie einen vergänglichen Kranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen, schreibt Paulus. Christen versuchen also auch nicht alles um zu gewinnen, sie enthalten sich solcher Dinge. Es geht nicht um einen irdischen Sieg im Sinne von Medaillen, Ansehen und gut bezahlten Werbeverträgen. Es geht aber insofern um irdische Dinge, als dass wir versuchen sollen, möglichst viele mit auf die Bahn zu holen und so vom Evangelium zu überzeugen, damit diese mit uns laufen.

An dieser Stelle kommt nun noch einmal die Idee der Corporate Identity ins Spiel. Wie gewinnen wir denn diese Mitläufer im besten Sinne des Wortes?

Das, liebe Gemeinde, wird uns wohl nicht gelingen, wenn wir das was Kirche ist und ausmacht schlichtweg verschleudern. Bei Bonhoeffer bedeutet das, nicht die Sünde schön zureden, wohl aber den Sünder zu rechtfertigen. Und mehr noch: Wenn in einer großen Samstagabendshow ein Kandidat wegen eines deutlich sichtbaren Mankos vor Millionen Zuschauern der Lächerlichkeit preisgegeben wird, dann verstößt dieses Verhalten gegen das achte Gebot: Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten, sondern – so führt Luther es aus – ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum Besten kehren. Wer glaubt, dass man an solchen Stellen auch mal ein Auge zudrücken kann, verkennt die Situation. Es gibt in diesem Zusammenhang keine Kavaliersdelikte. Alles andere wäre billige Gnade, die zwar jedem hilft, aber unser Ziel verunglimpft!

Unser gemeinsames Ziel heißt Jesus Christus. Aber dieses Ziel darf nicht verzweckt werden. Auch Paulus sieht das so: Jeder aber, der kämpft, enthält sich aller Dinge. Es kann also nicht heißen, dass wir dieses Ziel um jeden Preis erringen oder dass wir dabei auf einige Dinge verzichten könnten. Das Ziel ist klar, der Weg genauso. Es gibt also keine Not falsche Kompromisse einzugehen.

Ein gutes Beispiel dafür, was es bedeutet, dieses Ziel, den Weg und die Botschaft aus den Augen zu verlieren wäre es tatsächlich, wenn wir eine Sache absegnen würden, die viele ins Unglück stürzt, aber nur wenigen hilft. Wenn Jesus Christus also eine Relevanz haben soll, dann kann es uns nicht darum gehen, uns anzubiedern oder um jeden Preis zeitgemäß sein zu wollen.
Wir würden unsere Daseinsberechtigung verspielen, wenn wir uns aufführen würden, als wären wir prinzipienlos.

Unser Prinzip, unsere Corporate Identity, beruht auf Jesus Christus. Es ist seine Botschaft, an der wir uns ausrichten, nicht die Trends der Zeit. Das ist unsere Stärke, das ist unsere Substanz, das ist unser Fundament.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.

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