Mulitikulti, oder was?

Liebe Gemeinde,

Da ist eine gewisse Reserve in uns gegenüber anderen Glaubensrichtungen, gar Religionen. Ein Minarett so hoch wie die örtlichen christlichen Kirchen in Fischbach vielleicht, nur so als probeweiser Gedanke. Das löst zwiespältige Gefühle aus.

Angst und Abgrenzung hat es zu allen Zeiten zwischen Religionen gegeben, ja sogar Kriege geführt, sogar zwischen den Konfessionen.

Wenn der Apostel in unserem Predigttext von Heiden spricht, hat er eine genaue Definition im Herzen. Es sind alle die nicht an Gott glauben und seinen Messias glauben. Juden ausgenommen. Sie haben als Volk Gottes eine Sonderstellung. Moslems konnte der Apostel noch nicht kennen. Der Prophet Mohammed mit seiner Predigt von Allah und der Hingabe an ihn, den Islam, lebte erst viel später.

Ansonsten aber gab es richtig Mulitkulti im römischen Reich, viele Kulte verschiedener griechischer und römischer Gottheiten, den Kaiserkult, ägyptische Sonnenkulte, den Mithraskult, das Judentum und schließlich die vielen kleinen christlichen Gemeinden. Christen waren in der Minderheit, wurden verfolgt und es dauerte 300 Jahre bis sich das Blatt wendete. Plötzlich standen die Heiden am Pranger und das Christentum wurde Staatsreligion.

Heute wendet sich das Blatt langsam wieder. Zwar sind die christlichen Konfessionen anerkannte Religionsgesell-schaften, die frei ihren Glauben leben dürfen, aber wir spüren alle, wie sich etwas verändert.

Ich pointiere etwas und provoziere: die Kreuze sollen am besten weg, um andere Religionen nicht zu irritieren, dafür Minarette gebaut, Kopftücher, Gebetsnischen für muslimische Schüler am Gymnasium, usw.
Nichts dagegen, jeder soll seinen Glauben leben dürfen, aber es sollte nicht so sein, dass unsere christliche Kultur zur Seite treten muss, damit andere sich entfalten können.

Aber bei dieser Beschreibung sind wir auch schon beim Kern des Problems, das wir Christen haben. Und dabei wird auch der Ansatz des Apostels wieder aktuell.

Wenn Menschen ohne Glauben und Menschen mit anderem Glauben „Mitgenossen der Verheißung in Jesus Christus“ sind, dann darf uns unser Glaube nicht in einen Machtkampf um den rechten Glauben hineinführen. Das Gott alle Menschen liebt, Juden, Christen, Heiden, Moslems, Buddhisten und alle anderen, Ungläubige usw. steht wie eine Überschrift über dem Zusammenleben der Menschen.

Aber unser Glaube darf sich auch nicht zur Seite schieben lassen. Gleichzeitig jedoch muss festgestellt werden, wenn sich das wirklich so entwickeln sollte, dürfen wir uns auch nicht beklagen, denn wir sind selber schuld.

Ein Muslim nötigt mir jeden Respekt und sogar ein wenig Neid ab, wenn er mit größter Selbstverständlichkeit seine fünf täglichen Gebete, gen Mekka gewandt, verrichtet, den Fastenmonat Ramadan streng einhält und zum Freitagsgebet geht und im Koran liest.

So erlebt bei mir in Zirndorf: Ein Busfahrer trat aus dem Bus und verrichtete sein Gebet.
Wo könnte man mit gleicher Selbstverständlichkeit von Christen sagen, dass alle, die getauft sind, mehrfach täglich beten, in der Bibel lesen, fasten und einmal die Woche zum Gottesdienst gehen, Feiertage, Sonntage heiligen, wenn wir an Weihnachten schon stolz sind, dass da 10-20% unserer Gemeindeglieder zum Gottesdienst gehen, weil es sonst nur 2-3% sind. Dazu tritt noch die immer geringere Durchdringung des Alltags mit den Impulsen des Glaubens. Wer fragt sich noch, „What would Jesus do?“. Wir brauchen uns doch nicht wundern, wenn es verkaufsoffene Sonntage gibt, Buß und Bettage abgeschafft werden, wenn öffentlich der Eindruck entsteht, das sei nicht einmal den Christen selbst noch wichtig. Nein, der Bau einer Moschee mit einem hohen Minarett ist nicht das Problem, die am Sonntag dreiviertel leere Kirche daneben ist das Problem.

In der Zeit der ersten Christenheit gab es das Problem, dass Paulus bei den Säulen der Gemeinde in Jerusalem, den Jesusjüngern Petrus und Jakobus, dafür kämpfen musste, den damaligen Heiden das Evangelium zu verkünden und sie ohne den Umweg über das Judentum taufen zu dürfen, was er dann schließlich mit großem Erfolg tat. Paulus hat ernst damit gemacht, dass sie nicht diskriminiert wurden, sondern als Mitgenossen der Verheißung Jesus Christi, Anspruch darauf haben, etwas vom Evangelium zu erfahren und zwar von denen, denen das Evangelium wichtig ist. So war es das Hauptmerkmal, dass man öffentlich spürte, wie liebevoll Christen miteinander umgingen. Wie sie kompromisslos sich zu dem Christengott bekannten, sich nicht verbiegen ließen und wie sie geborgen lebten in ihrer Glaubenskraft.
Wie sagten die Apostel: „Wir können’s nicht lassen, von dem zu reden, was wir gehört und gesehen haben.“ Auf dieser Schiene sind schließlich unsere germanischen Vorfahren zum Glauben gekommen und die Botschaft Jesu trotz aller Irrwege in der Geschichte des Christentums auf uns überkommen.

Nun haben wir heute neben vielen Religionen um uns herum, ein neues Heidentum der vielen, die von sich sagen, nicht an Gott zu glauben.

Denen gegenüber und mit ihnen zusammenlebend, zusammenarbeitend, bieten wir ein schwächelndes Christentum, das sich kaum mehr laut zu seinen Werten und seiner Einzigartigkeiten zu bekennen traut. Natürlich Einzelne schon, kleine Gruppen schon, aber was ist mit der Gesamtheit aller zur Kirche dazugehörigen. Wie wichtig ist denen das Kreuz als Zeichen der Liebe Gottes. Kann es sein, dass ein einzelner vor Gericht erzwingen kann dass es in einem Schulzimmer abgehängt werden muss. Kann es sein, dass das mehr oder weniger sang- und klanglos geht und so hingenommen wird. Sicher nicht nur deswegen, weil nach dem Abhängen des Kreuzes zumindest bis zum nächsten Tünchen, das Kreuz als helle Stelle an der Wand sichtbar blieb.
Wo merkt man öffentlich, was uns Christen wichtig ist, in Bräuchen, Verhaltensweisen, Festen. Was erlebt ein Muslim vom Christentum, wenn er hier lebt, von dem er daheim erzählen könnte; er könnte erzählen, dass die Kirchen ziemlich leer sind, dass es ein Thema ist, an den heiligen Tagen der Woche bevorzugt einkaufen zu können, dass im Alltag von christlichen Regeln wenig zu spüren ist und dass Christen wenig aus ihrem Heiligen Buch erzählen können.

Warum darf man aus Respekt und Rücksicht keine Mohammedkarrikaturen malen, wohl aber wird uns eingeredet, dass es als Kunst betrachtet werden muss, von künstlerischer Freiheit legitimiert, wenn Jesus am Kreuz mit einem Kopf als Frosch dargestellt wird, von schlimmeren Darstellungen ganz zu schweigen.

Was wir brauchen, liebe Gemeinde, ist ein neues, gesundes Selbstbewusstsein des christlichen Glaubens bei denen, die sich Christen nennen.

Früher hat man an Epiphanias über die Mission geredet, Menschen in fernen Ländern den Glauben zu bringen. Das hatte, obwohl gut gemeint und segensreich, trotzdem immer einen elitären und kolonialistischen Hauch. Man denke nur an das nickende Negerlein auf der Sammelbüchse in unserer Kindheit. Okay, heute ist das Konzept der Mission anders, partnerschaftlich. Nicht: jetzt kommen wir Weißen und zeigen Euch wo es langgeht.
Heute jedoch ist an Epiphanias das Hauptthema die Mission hier, eine Art Selbstmission sozusagen. Wir brauchen eine Rückbesinnung, um selbst für uns zu wissen, wie unser christlicher Glaube gelebt werden kann in einer sich mehr und mehr verweltlichenden und multikulturellen Gesellschaft.

Es fängt bei uns selbst an, wenn uns nicht alles weiter in die Beliebigkeit abrutschen soll, was uns heilig sein sollte.

• Eine erfrischende Selbstvergewisserung des Glaubens ist es, von seinem Glauben zu reden, selbstbewusst, ohne Überheblichkeitsgedanken,
• Respekt vor dem Glauben anderer haben und doch überzeugt um das Eigene wissen
• glauben und glauben leben, glaubwürdig sein,
• Menschen sein, die täglich im Gebet aus ihrer Gottesbeziehung leben
• Menschen sein, denen man abspürt, dass ihnen ihr Glaube wichtig ist,
• Menschen sein, denen ihre Werte wichtig sind
• Menschen sein, die etwas wissen von ihrem Glauben und seinen biblischen Grundlagen
• Menschen sein, für die Nächstenliebe nicht nur eine Worthülse ist.
• Die Stimme öffentlich erheben für die die ihre Stimme nicht mehr erheben können
• Die Stimme erheben, wenn Werte des Glaubens auf dem Spiel stehen und nicht die öffentliche Erosion des Glaubens gleichgültig hinnehmen
• Menschen sein, die eine himmlische Zukunft leben und denen eine himmlische Zukunft gewiss ist.

Jesus Christus ist das Beste, was uns passieren konnte, jener Gott mit uns und bei uns, immer an unserer Seite, immer auf unserer Seite, immer auch in uns. Wir hätten viel zu bieten, wenn nicht das Wort von der Religion als Privatsache auch in uns stecken würde.
Öffentliches Gebet, na ja; Zeugnis ablegen, na ja, bloß in frommen Gruppen, Bibel, na ja, allenfalls für ein flottes Zitat (in Klammern gesagt, von dem kaum einer mehr weiß, dass es auch der Bibel stammt). An die Gebote halten, vor allem an das erste. Wie heißt denn das überhaupt?

Wenn wir als Christen ganz bei unserer Sache sind, wird es sich schier zwangsläufig ergeben, wie der biblische Auftrag heißt: „Seid allezeit bereit, Rechenschaft zu geben vor jedermann, von der Hoffnung, die in Euch ist.“

Denn schließlich, was uns in unserem Glauben gut tut, tut auch anderen gut. Anderen, die anders glauben oder gar nicht glauben.
Wenn wir ernst nehmen, was uns der Apostel heute von ihnen sagt, dass sie Mitgenossen der Verheißung Jesu Christi sind,
dann haben sie ein gottgegebenes Recht auf Christen und christliches Leben zu stoßen, das den Namen verdient. Das Licht darf nicht unter dem Scheffel einer kleinen, frommen, mehr oder weniger geschlossenen, Gesellschaft bleiben.

Als ich das letzte Mal hier in Fischbach predigte, hatte ich ein katholisches Mädchen von 17 Jahren aus El Salvador dabei, die ein viertel Jahr als Gastschülerin in der Familie meiner Tochter lebte. Ehe sie nach Deutschland kam schickte sie eine mail an meine Enkeltochter um zu schreiben, was ihr wichtig ist und was sie gern macht, ein richtiger, normaler Teenager. Dabei war ein Foto von ihr neben einem Jesusbild. Drunter stand: „My best friend“
In unserer Gesellschaft neigt man dazu, so etwas gleich wieder schwach zu reden und zu beteuern, dass das doch schließlich übertrieben ist. Nein, ist es nicht. Mich bewegt die Freimütigkeit und Selbstverständlichkeit, so als junger Mensch von seinem Glauben zu reden, wie einem festen Pflock im Leben, dessen Wertigkeit, Halt, Geborgenheit, Zuversicht, Mut Liebe und Offenheit gegenüber anderen schenkt.

Davon wünsche ich uns allen eine gehörige Portion.
Amen!

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