Es ist schwierig Gott zu dienen – aber es geht!

Liebe Mitchristen,

hören wir zunächst einmal heute nicht auf einen Bibeltext, sondern auf einen Dichter, auf Eugen Roth, den bayerischen Lyriker, der meist humorvolle aber dennoch hintergründige Verse gedichtet hat.

Roth schrieb einmal:

Ein Mensch, der schon als kleiner Christ
weiß, wozu er geschaffen ist:
„Um Gott zu dienen hier auf Erden
und ewig selig einst zu werden!“
Vergisst nach manchem lieben Jahr
dies Ziel, das doch so einfach war,
das heißt, das einfach nur geschienen:
denn es ist schwierig Gott zu dienen!
(aus Zitate zum Kirchenjahr I, Dienst am Wort 75, Göttingen 1996)

Liebe Mitchristen, ich könnte mir vorstellen, dass diese Zeilen von Eugen Roth uns zu Jahresanfang durchaus treffen. Zu Jahresanfang, der eine oder andere macht sich ja doch Vorsätze für das neue Jahr, so wie wir uns hoffentlich auch immer wieder Vorsätze für unser Glaubensleben machen. Und wie das Leben dann so spielt, eigentlich wollte man doch jetzt ganz anders sein, man ist aber wieder in alte Verhaltensmuster zurückgekehrt. Und man stellt fest, so leicht ist das wirklich nicht Vorsätze durchzuhalten, Gott zu dienen. Wenn dies so ist, dass wir immer wieder auch an dem Scheitern, was wir eigentlich wollen, dann lohnt es sich heute nachzudenken wie es anders gehen könnte. Oder anders gefragt: Ist es wirklich „schwierig Gott zu dienen“, wie Eugen Roth das formuliert. Hilfestellung dazu gibt uns heute Paulus im Römerbrief:

[TEXT]

Liebe Mitchristen, zunächst einmal bin ich erleichtert: Gott hat das Maß des Glaubens ausgeteilt, nicht Sie, nicht ich, kein Bischof, nicht unser Nachbar, niemand sonst also. Und wenn Gott das Maß des Glaubens ausgeteilt hat bin ich auch nur ihm Rechenschaft schuldig. Das entlastet mich, denn ich muss nur so sein wie Gott mich will, nicht wie andere Menschen mich wollen und wenn wir ehrlich sind ist dies doch oft eines unserer großen Lebensprobleme: Wir kommen mit dem Erwartungsdruck den andere an uns stellen nicht zurecht. Wir enttäuschen Menschen, weil sie sich mehr von uns erwartet hätten. Umgekehrt gilt das für unsere Beobachtungen natürlich auch. Auch wir dürfen unsere Erwartungen nicht, gerade in Glaubensfragen zum Maßstab machen. Nur weil es für mich wichtig war einen christlichen Jugendkreis zu besuchen muss es für meine Kinder noch lange nicht wichtig sein und für andere Menschen im Ort eben auch nicht. Ich will dies erst einmal festhalten. Für mich sind diese Gedanken der Schlüssel zu allem was uns Paulus hier sagen will.

Von hier aus möchte ich die Frage nach dem vernünftigen Gottesdienst stellen. Was ist schon vernünftig in einer Zeit in der die Unvernunft zu siegen scheint? Ich denke wir sollten nicht versuchen objektive Kriterien für Vernunft zu suchen, denn in Glaubensdingen ist das mit der Vernunft so eine Sache. War es etwas vernünftig, dass sich der kleine David mit seiner „Ministeinschleuder“ dem großen Krieger Goliath zum Zweikampf gegenüber gestellt hat? Natürlich nicht, gewonnen hat er trotzdem. Die Vernunft in Glaubensfragen ist daher wohl wieder etwas sehr individuelles. Allerdings ein paar Anhaltspunkte gibt uns Paulus schon.

„Dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst.“ Das sagt Paulus. Im folgenden Abschnitt legt Paulus nun den bekannten Komplex vom Leib und den vielen Gliedern aus. Er macht deutlich, dass jeder seine Gabe und Begabung hat und auch seinen Sinn hat am Leib Christi, in der christlichen Gemeinde. Mit Leib meint Paulus hier den ganzen Menschen. Unser Glaubensleben soll also uns ganz erfassen. Es darf nicht auf den Gottesdienstbesuch, eine stille Zeit am Morgen, das Lesen der Losung oder was auch immer beschränkt sein. Unser ganzes Leben soll vom Glauben durchdrungen sein. So verstehe ich was Paulus sagen will.

Wenn das stimmt wird es nicht einfacher. Zumal wir, das sagt Paulus im 2. Vers auch noch, prüfen sollen was Gottes Wille ist, das Gute und Vollkommene und Wohlgefällige. Obwohl, das hätten wir von uns aus gewusst, dass es das Schlechte und Böse wohl nicht sein wird.

Liebe Mitchristen, hat Eugen Roth doch recht, dass man an seinen Vorsätzen im Glauben immer wieder scheitert?

Ich denke ja- und wenn es so ist, dann ist man auch auf dem richtigen Weg. Ein Glaubensleben, das nur stringent ist und nur nach vorne geht ohne Scheitern, ohne Zweifel ohne Rückschritte, ich für meinen Teil muss sagen, dass es das nicht gibt. Zu oft komme ich ins Grübeln, zu oft überlege ich warum gerade jetzt eine verheißungsvolle Tür zufällt. Und genauso oft frage ich mich warum sich dann auf einmal eine auftut, in die ich eigentlich gar nicht eintreten will. Zweifel packen mich und ich verstehe mich und meinen Herrgott nicht mehr. Ich denke mir, dass ich dann gar nicht recht lebendig bin und nicht heilig und Gott nicht wohlgefällig. Geht es ihnen nicht auch so? Wenn Sie einmal ganz ehrlich sind?

Wenn ich über solche Lebensphasen nachdenke merke ich hinterher, dass sie ganz wichtig waren. Als Jugendlicher erkenne ich das nicht, wenn ich drinstecke erkenne ich das nicht, ärgere mich höchstens darüber, hinterher erkenne ich das erst. Und ich stelle fest, dass diese Phasen des Zweifelns, Phasen der Schwerstarbeit mit meinem Gott waren, weil ich mich nicht einfach so ergeben habe. Und ich spüre dann, dass mich das meinem Gott näher gebracht hat, viel näher.„Zusammengerauft“ sagt man dazu wohl landläufig.

Liebe Mitchristen, bitte machen wir es uns nicht zu schwer. „Es ist schwierig Gott zu dienen“, sagt Eugen Roth, meine Erfahrung ist das auch und dennoch will ich es- Gott dienen. Vieles im Leben ist schwierig und dennoch wollen wir es. Und wir versuchen es immer wieder und irgendwann klappt es und manchmal klappt es auch nicht. Übung macht den Meister. Und so finde ich die Gedanken des Paulus zu einem vernünftigen Gottesdienst sehr passend. Lebendig sein, Gottgefällig leben und heilig leben. In der Gegenwart Gottes zu leben heißt dies. Den Kontakt nicht her schenken, nicht nachlassen. Die Beziehung zu Gott immer wieder suchen. Wie sie das machen bleibt eigentlich ihnen überlassen. Unsere christliche Tradition hat da so viele Möglichkeiten der Spiritualität entwickelt, dass wir fast nicht mehr durchsehen können vor aller Vielfalt. Dass der Gottesdienstbesuch vor Ort dazugehört ist für mich selbstverständlich. Er wird immer die Basis einer Gemeinde sein, die mit Gott in Verbindung bleiben will. Alles, was sie darüber hinaus tun ist sicher nicht verkehrt. Das beginnt beim Tischgebet und vielleicht geht es über einen Hauskreis und andere gleichberechtigte Formen weiter. Denn das lehrt uns unser Bibeltext auch. Wir sollen maßvoll mit unserem Glauben umgehen und erkennen, dass Gott uns das Maß selbst zuteilt. Also, bitte urteilen wir nicht über andere, nur weil wir meinen, dass wir christlicher sind. Wir können in den anderen gar nicht hineinschauen. Akzeptieren wir unsere Mitchristen mit ihren Versuchen den Glauben zu leben, genauso wie wir erkennen müssen, dass wir versuchen den Glauben zu leben und nie die einzige und alleine richtige Form gefunden haben. Denn Eugen Roth hat schon etwas Richtiges erkannt: „es ist schwierig Gott zu dienen“, ich will hinzufügen, schwierig ja, nicht immer nur mit Erfolg gekrönt, aber es lohnt sich die Nähe Gottes zu suchen, weil sie das Leben reich macht und weil sie Heil verspricht.

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