CMB

Liebe Gemeinde,

heute feiern wir das Fest „Epiphanias“, das Fest der Erscheinung. Gott ist Mensch geworden in jenem Kind in der Krippe, dessen Geburt wir vor wenigen Tagen bejubelt haben.

Gott ist Mensch geworden. Oder andersherum: wir erkennen Gott in diesem Menschen Jesus von Nazareth, den wir als den Christus, zu deutsch: „den Gesalbten“ Gottes bekennen. Und wir wissen unseren Weg zu Gott durch diesen Christus, der für uns am Kreuz gestorben ist und uns somit von der Sündenlast befreit hat.

All das haben Sie vorhin gemeinsam im Glaubensbekenntnis bekannt. Es sind die Grundlagen unseres Glaubens – daran muss sich alle Lehre, die sich weiter entfaltet, messen lassen. Bei den Beerdigungen z.B. hören wir die Worte aus dem Johannesevangelium: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich.“

Wie geht es Ihnen mit solchen Aussagen? Kommen Sie noch dazu, darüber nachzudenken? Oder war es das letzte Mal in Ihrer Konfirmandenzeit, dass Sie mit solchen Fragen konfrontiert worden sind? In der Praxis ganz konkret: Leben Sie tatsächlich so, dass Sie als Wahrheit nichts anderes gelten lassen, als Jesus Christus, den Gekreuzigten?

Ich weiß, liebe Gemeinde, das sind sehr schwere Fragen, die ich Ihnen heute zumute! Aber viel anders lässt sich dieses Fest der Erscheinung Gottes nicht füllen. Denn es ist nicht der „Tag der Heiligen Drei Könige“ – wenn überhaupt, dann können diese Weisen aus dem Morgenland nur dazu dienen, wiederum auf Christus hinzuweisen. Denn sie haben ja aus den Sternen die Ankunft des Weltenherrschers herausgedeutet und sich dann tatsächlich aufgemacht, diesen zu suchen. Und: sie haben ihn schließlich gefunden – den Herrn der Welt. Also noch einmal: lassen Sie etwas anderes gelten als Wahrheit für Ihr Leben, neben Christus Jesus? Ich weiß, dass viele Menschen in den Sternen oder in anderen Dingen Ihr Glück suchen oder noch mehr: ihr Heil, aber gerade nach der Geschichte der „Heiligen Drei Könige“ wäre das eigentlich nicht mehr möglich: es gibt keinen anderen Herrscher neben unserem Gott. Wie sieht es denn dann aus mit den anderen, neben uns? Den Heiden? Wie stehen wir zu ihnen?

Hören wir das Predigtwort dazu für diesen Epiphanias-Tag aus dem Epheserbrief im dritten Kapitel:

[TEXT]

Es ist das Neue, liebe Gemeinde, an diesem Christentum, dass die Heiden mit einbezogen werden, so wie die Weisen aus dem Morgenland ja auch Heiden, also Nicht-Juden waren. Denn das Christentum sieht Gott als Schöpfer aller Welt, aller Menschen. Er lässt seine Sonne aufgehen über die ganze Kreatur. Dann ist es nur logisch, dass alle zu diesem Gott einen Weg finden dürfen, ganz gleich aus welcher Richtung sie kommen, ganz gleich welchen Geschlechts oder welcher Hautfarbe sie sind, ganz gleich ob arm oder reich, Herr oder Knecht. Das wissen Sie alles, liebe Gemeinde, und in den christlichen Gemeinde ist diese Ideal mehr oder weniger gut abgebildet: in den Kirchenvorstand etwa dürfen alle hinein, die ordentlich gewählt worden ist, unabhängig von all den Merkmalen, die ich eben aufführte. Weil wir alle vor Gott stehen, sind wir in dieser Hinsicht alle gleich. Und andersherum: Gott liebt jeden einzelnen Menschen, weil er jeden einzelnen Menschen geschaffen und bewahrt hat. Was aber fehlt und nun die Unterschiede zwischen uns begründet, ist die Antwort, die die Menschen auf Gottes Liebe zu geben bereit sind.

Nehmen wir noch einmal die sogenannten „Heiligen Drei Könige“: sie haben etwas erkannt aus der Deutung ihrer Wissenschaft heraus und lassen für sich Taten folgen. Sie machen sich auf und suchen den Menschen, der ihnen in diesem Ereignis angekündigt worden ist. Sie finden ihn und huldigen ihm, anerkennen ihn als Herrscher dieser Welt. Sie wissen ja, was sie ihm bringen: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Sie verehren ihn damit als Herrscher – dafür steht das Gold. Als obersten Priester – dafür steht der Weihrauch und als Arzt der Menschen – dafür steht die Myrrhe.

Menschen machen sich auf zu dieser Krippe und bekennen angesichts des Weihnachtserlebnisses, dass es Gott ist, dem sie ihr Leben verdanken und anvertrauen können. Nur dann macht es Sinn, wenn die Sternsinger auf die Türstöcke schreiben: C.M.B. = „christus mansionem benedicat: Christus segne dieses Haus“! Denn wenn Christus nicht der Herrscher wäre, wäre ein solcher Wunsch vergeblich.

Gott wartet also auf unsere Antwort – die bekennende Antwort der Menschen auf seine Liebe zu uns. Er wartet in Geduld, so beschreibt es die Heilige Schrift und erklärt damit die Verzögerung bis zu seiner Wiederkunft. Als eine Zeit der Gnade, in welcher die Menschen zu ihm sich bekehren können. Also den Weg finden, der tatsächlich für sie die Wahrheit und das Leben ist.

Uns, die wir Christus erkannt haben als Sohn Gottes und uns zu ihm bekennen, obliegt die Aufgabe, von diesem Evangelium Gottes zu erzählen, zu berichten. Nicht davon zu schweigen, was uns der Herr geworden ist, sondern dort, wo wir sind, auf diesen Gott hinzuweisen und zu bekennen: er ist der Herr meines Lebens. Und Sie werden es wissen: die Zugänge zu diesem Gott sind so vielfältig, wie es die Bibel schon beschreibt. Wenn selbst Magier aus dem Osten (so werden die „Heiligen Drei Könige“ eigentlich in der Bibel genannt), wenn selbst römische Soldaten am Kreuz, wenn selbst Dämonen bekennen können, dass dieser Christus Gottes Sohn ist, dann gibt es keinen Lebensbereich mehr, der davon ausgeschlossen wäre.

Der Mensch, der gerne in der Natur ist – er kann darin Gottes Kraft erkennen. Der Mensch, der feinfühlig ist in den Dingen der Musik – er kann darin Gott erkennen. Der Mensch, der ganz aufgeht in der Arbeit in sozialen Belangen – er kann darin Gott erkennen. Darin wäre er zu vergleichen unseren „Heiligen Drei Königen“. Dann aber muss er noch einen Schritt weiter gehen. Nicht nur erkennen, sondern bekennen. Und das Bekennen funktioniert nur in einer Gemeinschaft – ich erzähle meinem Nächsten von dem, was ich erlebt habe. Ich brauche den Austausch und das gemeinsame Lob. Ich benötige die Bestätigung und die Korrektur durch meinen Nächsten. Deswegen kann keiner für sich alleine glauben, außer er glaubt nur an sich alleine. Für alles andere braucht er einen Bezug außerhalb seiner selbst, ein Gegenüber, eine Beziehung.

An Epiphanias wollen wir daran denken, dass wir als Christen diese Aufgabe haben: auf diese Beziehung zu Gott hinzuweisen. Sie selbst zu leben. Antwort zu geben in unserem Leben.

Zum Schluss möchte ich Ihnen eine kleine Geschichte erzählen von Wichtigkeit und den Gefahren dieses Tuns:

„An einer gefährlichen Küste machten vor Zeiten ein paar Leute eine Rettungsstation für Schiffbrüchige auf. Zu dieser Rettungsstation gehörte nur ein einziges Boot. Mit diesem wagte sich die kleine, mutige Mannschaft immer wieder, bei Tag und bei Nacht, auf das Meer hinaus, um Schiffbrüchige zu retten. Es dauerte nicht lange, bis dieser kleine Stützpunkt bald überall bekannt war. Viele der Geretteten und auch andere Leute aus der Umgebung waren gern bereit, die armselige Station mit Geld zu unterstützen. Die Zahl der Gönner wuchs und wuchs. Mit dem Geld, das sie spendeten, wurde die Rettungsstation großzügig ausgebaut, immer schöner und komfortabler. Sie wurde allmählich zu einem beliebten Aufenthaltsort und diente schließlich den Männern als eine Art Clubhaus. Immer mehr Mannschaftsmitglieder weigerten sich nun, auszufahren und Schiffbrüchige zu retten. Sie wollten den Rettungsdienst überhaupt einstellen, weil er unangenehm und dem normalen Clubbetrieb hinderlich sei. Ein paar Mutige, die den Standpunkt vertraten, dass Lebensrettung ihre vorrangige Aufgabe sei, trennten sich von ihnen. Nicht weit davon entfernt begannen sie, mit geringen Mitteln eine neue Rettungsstation aufzubauen. Aber auch sie erfuhr nach einiger Zeit dasselbe Schicksal: Ihr guter Ruf verbreitete sich schnell, es gab neue Gönner, und es entstand ein neues Clubhaus. So kam es dann schließlich zur Gründung einer dritten Rettungsstation. Doch auch hier wiederholte sich die gleiche Geschichte … Wer heute diese Küste besucht, findet längs der Uferstraße eine beträchtliche Reihe exklusiver Clubs. Immer noch wird die Küste vielen Schiffen zum Verhängnis; nur – die meisten Schiffbrüchigen ertrinken.

Und der Friede Gottes, der uns fähig macht zu einem neuen Leben, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

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