Lebendige Liebe

Warum feiern wir überhaupt Gottesdienste? Die Frage kann auftauchen, gerade am Beginn eines Jahres, wenn Weihnachten mit all seinen vielen Gottesdiensten hinter uns liegt.

Was versprechen wir uns eigentlich davon, dass wir uns Sonntag für Sonntag versammeln, mehr oder weniger inbrünstig singen, hören oder beten?

Für mich kann ich es ansatzweise so beschreiben: Es tut mir gut mit Menschen gemeinsam zu hören und zu beten. Dann ist es auch nicht so wesentlich, ob ich die alle leiden kann, oder ob sie mir alle fremd sind, wie im Urlaub, wenn ich dort einen Gottesdienst besuche. Wichtig für mich ist die Gemeinschaft der Schwestern und Brüder, die sich gegenseitig stärken und Gemeinschaft leben. Die aber auch einander ermahnen lassen z.B. von dem Apostel Paulus:

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Paulus beschreibt mit seinen Worten, was für ihn wichtig ist: Gemeinde lebt als Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern. Als Miteinander von Menschen, die einander vielleicht fremd sind, aber dennoch sich als Gemeinschaft fühlen. Und aus dieser gemeinsamen Kraft heraus können sie die Hingabe an Gott leben; denn er hat sich an seine Gemeinde gebunden, die Paulus als Leib Christi bezeichnet.

Keiner lebt für sich, schon gar kein Christenmensch kann existieren ohne die Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern. Und zusammen brauchen sie Gottes Anwesenheit. Es ist ja nicht so, als wäre Gott nicht genauso in unserem Alltag anwesend. Aber dort haben wir oft zu wenig Zeit, zu wenig Gespür, zu wenig Aufmerksamkeit. Im Gottesdienst nehmen wir uns diese Zeit, diese Kraft. Und im Gottesdienst bekennen wir, dass Gott sich Zeit für uns nimmt und uns mit seinem geist erfüllt.

Für Paulus bleibt wichtig, dass solches Gemeindeleben ohne angezogene Handbremse stattfindet. Die Menschen bringen ihre Begabungen ein, jeder tut, was er kann und keiner bremst den Anderen darin. Miteinander leben sie in Glaube und Diakonie für die Gemeinschaft und für die Menschen um sie herum. Segen kann sich so legen auf die Gesellschaft und auf die Natur.

Natürlich weiß Gemeinde Gottes um ihre Grenzen. Sie weiß, dass sie diese Welt nicht aus den Angeln heben kann. Aber sie weiß auch um ihre Sendung in die Welt und bleibt darum auch aufgeschlossen für die Ansprüche, die diese Welt stellt. Sie lernt von dieser Welt und lässt Gottes Geist Raum, die eigenen Seele zu erfüllen.

ChristInnen sind der nichtchristlichen Welt nicht entrückt. Sie sind ein Teil von ihr, vom Herrn beauftragt als Salz der Erde zu wirken. Sie leben in der Gesellschaft und versuchen in ihr ihren Glauben zu leben. Nicht, weil es so schön ist, Glauben zu leben, Sondern weil es wesentlich ist. Wesentlich für den glauben, dass er seinen Glauben lebt und wesentlich für die Welt, dass in ihr Menschen leben, die an etwas Anderes glauben als an Sachzwänge und das Machbare, die wissen, dass Gott es ist, der diese Welt erlösen wird.

Vernünftiger Gottesdienst in dieser Welt ist nicht der Gottesdienst, der sich versteckt, sondern der, der sichtbar ist. Glaube will Gestalt gewinnen in der Welt, im Bus, an der Arbeitsstelle, im Auto, im Urlaub, in jeder Phase meines Lebens. Ich darf meinen Glauben überall dort ausleben und darf darauf warten, dass Gott seinen Segen darauf legen wird.

Wahrer Gottesdienst ereignet sich dort, wo Menschen sich vor Gott stellen, um gemeinsam ihre Bedürftigkeit vor ihn zu bringen und sich von ihm helfen zu lassen.

Der Gekreuzigte beruft seine Gemeinde als Versammlung von Menschen, die der Gnade bedürfen und wo keiner sich einbilden darf, besser zu sein als Andere. An solche Menschen schreibt Paulus und er wird deutlich: Lasst euch umwandeln! Lautet sein Appell: Lasst euch bewegen und bleibt in Bewegung. Erwartet nicht, dass ihr irgendwann fertig seid. Sein Gedanke: ‚stellt euch nicht dieser Welt gleich‘ ist ein deutliches Wort gegen alle unkritische Anpassung, aber kein Aufruf zur Weltflucht. Wir bleiben Gemeinde in einer Welt, der der christliche Glaube nicht immer naheliegt.

Paulus ermutigt die Menschen ein Opfer zu bringen, das aber anders aussieht als die meisten Opfer, die seine Zeit so kennt. Der Opfergedanke ist uns nur teilweise fremd. Wir kennen ihn dort, wo Menschen Opfer bringen, um jemanden zu pflegen, oder um ihren Kindern das Studium zu ermöglichen. Opfer bringt man für Menschen, aber sind sie nicht auch Opfer für die Liebe, die Christus gestiftet hat? Opfer bringen heißt dann auch setzt euch dafür ein, dass die Liebe lebendig bleib unter den Menschen.

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