Das ist sein letztes Wort!

Liebe Gemeinde,
das ist aber jetzt mein letztes Wort. So einen Satz kennen Sie vielleicht. Ich sags dir zum letzten Mal, sagen Eltern, um ihren Kindern beizubringen, dass nun Schluss mit lustig ist. Meist halten wir das nicht durch und sagen es noch mehrmals zum letzten Mal. Du bleibst im Bett und stehst nicht mehr auf. Und das, nachdem den ganzen Abend schon diskutiert wurde. Irgendwann ist Schluß, meinen die Eltern.
Meist funktioniert es nicht, unsere Kinder haben jedenfalls manches angestellt, während wir glaubten, sie sind in süßem Schlaf.
So ähnlich hat es wohl Gott mit den Menschen gemacht.
Er hat seit es Menschen gibt, den Menschen Zeichen und Worte gegeben. Vielleicht entdecken sie mich in einem schönen Abendhimmel und nehmen mich ernst. Das hat nicht so toll funktioniert. Vielleicht spüren sie, wie lieb ich die Menschen hab, wenn ich sie befreie. Kurze Begeisterung, aber bei Gott geblieben sind sie nicht wirklich. Dann hat er ihnen Lebensregeln gegeben, einen Vertrag mit ihnen geschlossen, der große Gott. Haltet euch an mich und ich garantiere euer Leben. Hat nicht funktioniert. Schließlich hat er ihnen Leute geschickt, die haben sozusagen seine Worte geträumt, Propheten nannte man sie. Und es waren manchmal harte Worte. Wenn ihr so weiter macht, habt ihr keine Zukunft. Kehrt um. Aber die Geschichtsbücher sagen uns: es hat nicht so geklappt. Gott konnte machen, was er will, seine Kinder machten auch, was sie wollten. Vielleicht liegt das daran, dass Gott so fern, so unbegreiflich ist, dass man ihn gar nicht so ernst nimmt, weil man gar nicht so richtig weiß, was und wo und wie er ist. Ich glaub schon an Gott, aber das wars dann auch.
Heute lesen wir im Hebräerbrief: Gott hat noch einen Versuch gemacht. Sozusagen das letzte Wort gesprochen. Er hat sich den Menschen Jesus ausgesucht. Da hatten die Menschen was zum anschauen, zum anfassen, da hat einer mit ihnen richtig geredet. Mehr konnte Gott nun wirklich nicht mehr machen. Wer wollte, konnte begreifen, wie Gott ist.

Die ganze Herrlichkeit* Gottes leuchtet in ihm auf;
in ihm hat Gott sein innerstes Wesen sichtbar gemacht.

So sagt es der Hebräerbrief, von dem wir nicht, wissen, wer ihn geschrieben hat und an wen er sich richtet. Aber vielleicht ist das gut so. Dann können wir es auf uns wirken lassen. Das Wesen Gottes.
Dazu habe ich mir ein paar Punkte aufgeschrieben.
1. Gott kommt ziemlich weit runter. Das feiern wir heute.
Unaufdringlich, unauffällig, ist er plötzlich da. So wie Jesus. Einfache Leute die Eltern, einfache Leute die ersten Gäste, einfach das Quartier. Man könnte ihn übersehen und vergessen. Die meisten Menschen haben das letzte Wort von Gott verschlafen. Die Bibel sagt: ein paar Hirten, das wars dann schon.
2. Gott gibt sich mit den einfachen Leuten ab. Und redet mit ihnen einfach. Das haben sie bei Jesus gemerkt. Ob beliebt oder unbeliebt, ob krank oder alt – wer ihm über den Weg lief, dem ging es meist besser. Und das meiste passierte auf der Straße, nicht im Tempel oder in der Kirche. Dort, wo Menschen sind und wo menschliches Leben manchmal so schwer ist. Da ist er mit dabei. Jesus hat sogar die angesprochen, die sich vor ihm versteckt haben wie ein Zachäus. Und so ist Gott. Es kann passieren, er sagt, ich seh dich. Lass mich an dich ran, ich mein es gut.
3. Gott gibt Chancen, neu anzufangen. Jesus hat Leute manchmal erwischt an den wunden Punkten ihres Lebens. Er kam dazu, wie sie Menschen fertig machen wollten, die Schuld auf sich geladen hatten. Er kam dazu, wie sich Menschen hinstellten: wir sind sauber, aber die da. Und Jesus hat es gemacht, wie es Gott macht. Du darfst weiter leben, du hast die Chance, dein Leben zu ändern und neu zu gestalten.
4. Gott wohnt nicht irgendwo im Himmel, sondern mitten unter uns. Jesus ist ja nicht aus dem Himmel eingeflogen, er nicht als himmlische Gestalt einfach da. Er ist mitten unter uns geboren, von zwei Eltern gezeugt, die mitten unter uns gelebt haben, mitten unter uns in die Schule gegangen, hat sich gezankt und gestritten, und plötzlich hat er mitten unter uns gestanden und gesagt: Gott schickt mich. Schaut mich an und ihr seht Gott. Er ist da, wenn wir feiern und er ist da, wenn wir traurig sind. Auch das hat Jesus sozusagen vorgemacht. Wenn ich bei euch bin, dann ist das, als wäre Gott selber da. Der Himmel ist nicht das überm Sternenzelt, wo der liebe Vater wohnt. Der Himmel ist immer dort, wo Menschen zusammen sind und ihr Leben mit Gott gestalten wollen. Und weil das so schwierig ist, liebe Leute, sagt Jesus, dann gestaltet es doch mit mir. Ihr kennt die alten Regeln, die Gott mal gegeben hat, aber sie funktionieren nicht. Darum sage ich euch, wie Gott sie gemeint hat.
Es gibt ganz gewiss noch mehr solcher Punkte, die ich aufzählen könnte, das Neue Testament ist voll davon. Wer mal reinschaut, wird viel entdecken. Und wo es ganz kompliziert wird, da spricht Jesus in Bildern, Beispielen, Vergleichsgeschichten. So ist Gott, wie ein guter Vater, so ist Gott, wie einer, der dich immer sucht, so ist Gott wie einer, der in einer großen Wohnung Platz hat für jeden, so ist Gott, wie eine Ziellinie, wo du am Ende ankommst. Drei Jahre hat Jesus Zeit gehabt, diesen Gott rüber zu bringen. Und Gott hat ihn mit der Gabe beschenkt, zu wissen wie Gott ist. Manchmal stellen wir uns hin und sagen: so ist Gott und so will er das. Ich staune manchmal über die Sicherheit von Christen, die so reden. Denn der einzige, der wirklich wusste, was Gott meint, war Jesus. Und er war der Letzte, das letzte Mal, wo Gott auf diese Weise auf die Erde runter gekommen ist. Später haben die Christen den Jesus ganz menschlich als Sohn Gottes bezeichnet, als den Vertrauten von Gott. Und noch später haben sie gesagt, dass der geboren ist, das ist ein Segen für die Menschheit. Lasst uns seinen Geburtstag feiern. Das war im Jahr 336 und das ist so geblieben.
Das mit dem letzten Wort funktioniert bei Kindern selten. Vielleicht funktioniert es bei uns. Denn eins steht wohl fest: Gott meint es richtig gut mit uns mit diesem letzten Wort. Laßt uns das fröhlich feiern. Amen.

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