Vollbad für die Seele

Liebe Gemeinde,

„Hach – ich fühl´ mich wie neugeboren!“ Es duftet nach Lavendel, im Hintergrund plätschert leise Musik, auf der Fensterbank stehen ein paar Kerzen und direkt vor mir ein gutes Glas Rotwein – und um mich herum ist alles schön warm und wohlig.

Ich liege in meiner Badewanne und genieße. Das Wasser ist angenehm warm und meine Haut fühlt sich durch den Badeschaum herrlich weich an. Ich fühle mich blendend.

Heute gönne ich mir mal was. Die Familie ist auf einem Weihnachtsspaziergang – und ich habe Zeit nur für mich. Mein ganz privater Wellness Moment. Den Geruch werde ich den ganzen Tag in der Nase tragen.

Verlassen wir kurz meine Badewanne und wenden uns dem Predigttext für heute zu. Ich lese ihn noch einmal vor.

[TEXT]

Ich weiß nicht, ob Sie nachvollziehen können, warum ich nach diesem Text sofort das Bild eines richtig schönen, entspannenden Vollbades vor Augen hatte. Bad der Wiedergeburt / reichlich über uns ausgegossen – und dazu dann noch die Worte Freundlichkeit Gottes / selig sein.

All das ist für mich in diesem Bild vom Vollbad mit drin. Ich sage es mal ein bisschen salopp. Gott ist für mich so eine Art Vollbad für die Seele. All das, was in diesem Text über Gott gesagt wird, tut einfach nur gut.

Mein Gott ist ein freundlicher Gott, der es gut mit mir meint. Er will mich heil machen und selig. Und dafür muss ich gar nichts tun, er macht das, weil er ein freigiebiger, großzügiger Gott ist. Seine Liebe, die er reichhaltig über mir ausgießt, gibt er mir nicht nur einmal, sondern immer wieder neu. Er macht mich zu seinem Erben, so dass ich sogar ein Anrecht auf seine Liebe habe.

Mehr geht nun wirklich nicht mehr. Das ist absolute Seligkeit.

Es liegt nahe dieses Bild mit einem Wellness Tag zu vergleichen, aber nur auf den ersten Blick. Wellness ist ja etwas ganz anderes – da geht es zwar auch darum, mir etwas Gutes zu tun, aber das ist ganz schön teuer. Für das Erlebnis, sich mal einen Tag lang so richtig tief entspannen zu lassen, wird man schnell ein paar hundert Euro los. Mag sein, dass es das sogar Wert ist. Wellness tut ja gut. Aber eben auch nicht mehr. Sie beruhigt und tut gut. Aber sie füllt nicht aus. Sie weckt nicht meine Sehnsucht nach Heilung.

Seligkeit ist mehr als Wellness. Und auch mehr als ein Vollbad. Selig fühle ich mich in den Momenten, wo Gott meine Seele wohltuend berührt.

Ich vermute mal jeder von Ihnen wird eigene Bilder im Kopf haben, wo Sie sich ganz selig fühlen. Ein Bild von Seligkeit, die ansteckend ist, ist für mich ein schlafendes Kind. Bevor ich abends ins Bett gehe, gucke ich immer noch bei meinen schlafenden Kindern vorbei und segne sie. Und die haben meistens so viel Frieden in ihren Gesichtern, dass ich manchmal lange vor ihren Betten stehen bleibe und einfach nur zugucke – und dann lasse ich mich von diesem Frieden erfüllen, den sie ausstrahlen.
Da geht es mir so ähnlich wie der Hirten in der Weihnachtsgeschichte, die um die Krippe mit dem Jesuskind herum stehen.

Ich glaube, dass so ziemlich jeder solche Momente schon erlebt hat. Mag sein, dass wir uns nicht immer an sie erinnern. Aber irgendwo in uns drin sind da.

Und manchmal gibt es einen Moment, wo das wieder hochkommt. Wo man sich dieser absoluten Seligkeit wieder bewusst wird. Das kann ein Satz sein – im richtigen Moment gesagt, das kann ein Geruch sein, der mich zurück in meine Kindheit entführt oder weit weg in einen schönen Urlaub. Oder es ist Musik. Wenn ich singe so richtig frei und voller Inbrunst, dann fühle ich mich danach wie ein anderer Mensch, dann gießen sich Töne und Harmonien in mir und über mich aus – und alles in mir wird Klang.

Momente, in denen Gott meine Seele berührt.

Es ist ein freundlicher Gott, der das tut. Der Gott der sein Angesicht lächelnd über mir leuchten lässt. Der sein Angesicht zu mir aufhebt und zu mir kommt, weil ich ihn brauche, so wie das Kind aus der Krippe. Eben der Gott, der meine Seele berührt.

Wenn Gott meine Seele berührt, dann wird in mir heil, was vorher zerbrochen war. Dann passt zusammen, was ich nicht zueinander bekomme und dann wird gelindert, was mich schmerzt.

Seligkeit ist, wenn Gott meine Seele berührt.

Es gibt einen ganz alten Brauch in der Kirche, sich dieser Freundlichkeit Gottes zu vergewissern. Im Segen. Die alten Worte, die am Ende eines jeden Gottesdienstes gesprochen werden drücken es aus:

Gott segne dich und er behüte dich. Gott lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig und Gott erhebe sein Angesicht auf dich und schenk dir Frieden.

Einige von den Sängern und ich werden Ihnen nachher ein wenig von dieser Freundlichkeit Gottes mit auf den Weg geben und zwar über die Musik hinaus. Etwas, dass Sie den ganzen Tag über an diese Worte erinnern kann. Ein Kreuz auf den Handrücken mit duftendem Salböl.

Vielleicht kann es Sie ja an einen Moment erinnern, wo Gott Ihre Seele berührt hat.

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