Wachstumsbeschleunigung

Ausgerechnet in der Adventszeit beschließt der Bundestag ein merkwürdiges Gesetz, das „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“. Es soll die Wirtschaft ankurbeln, indem es die folgenden Zielgruppen entlasten will:

– Familien mit Kindern (höhere Steuerfreibeträge für Besserverdienende, 20 Euro mehr Kindergeld für den Rest),
– Herbergen (weniger Mehrwertsteuern für Übernachtungen in Hotels und Pensionen),
– Erben (weniger Erbschaftssteuern).

Es ist ein merkwürdiges Gesetz. Denn anstatt dass sich nun alle freuen, weil es doch mehr Geld gibt, hagelt es Proteste. Kritiker sagen: das Gesetz steht auf tönernen Füßen. Es führe zu gigantischen Steuerausfällen von mehr als acht Milliarden Euro, also zu noch mehr Schulden.

Als Pastor bereite ich mich in der Adventszeit auf meine Weihnachtspredigt vor. Wie jedes Jahr lese ich die Weihnachtsgeschichte in der Bibel. Diesmal fällt mir auf: da geht es auch um
– eine Familie, der ein Kind geboren wird, für das es aber kein Kindergeld gibt,
– eine Herberge, die allerdings überfüllt ist, weshalb die Familie in einem Stall unterkommt,
– um Erben, die aber kein Geld, sondern, so die Bibel, „das Reich Gottes ererben“ werden, wenn sie an das Kind in der Krippe glauben.

Merkwürdig: es sind dieselben Zielgruppen wie beim „Wachstumsbeschleunigungsgesetz.“ Eines aber ist anders, völlig anders in der Weihnachtsgeschichte. Es gibt keine Schulden! Im Gegenteil: das Jesuskind kommt in die Welt, damit alle, die an das Kind glauben, von ihrer Schuld befreit werden.

Die Geschichte vom Kind in der Krippe ist eine „Wachstumsbeschleunigungsgeschichte“, die nicht auf tönernen Füssen steht. Sie kurbelt nicht die Wirtschaft an, sondern die Liebe. Und schafft damit ein festes Fundament zu wirklicher Entlastung. Für alle! Und die Vision des Propheten Jesaja erfüllt sich: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.“

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