Der Dreck ist weg

Liebe Gemeinde,

heute ist Weihnachten, richtig Weihnachten, den romantischen Heiligen Abend haben wir hinter uns. Und nun im Licht des neuen Tages können wir Weihnachten mit klarem Kopf und ruhigem Herzen auf uns wirken lassen.

Was feiern wir an Weihnachten? Unser Predigttext sagt es uns deutlich. Wir feiern die Rettung. Wir sind gerettet, die Welt ist gerettet. Unsere Rettung ist auf die Erde gekommen. Ich lese Titus 3,4-7:

[TEXT]

In dem Text wimmelt es nur so von Retter und Rettung. Es ist ja schön gerettet zu werden. Aber wovor werden wir eigentlich gerettet?

Unser Text sagt dazu: 5 Sie (die Rettung) hat uns aus dieser Verstrickung gerettet. Welcher Verstrickung bitte? Das steht in dem Brief an Titus vorher in dem Teil, der nicht mehr direkt zu unserem Predigttext gehört. Da steht: „Wir führten unser Leben in Bosheit und Neid, wurden verabscheut und verfolgten uns gegenseitig mit Hass.“

Das heißt ja: Bevor Christus uns gerettet hat, waren wir böse, neidisch und hasserfüllt. Und jetzt sind wir es nicht mehr. Weil Gott Mitgefühl mit uns hatte, hat er uns Jesus Christus als Retter geschickt und die heilige Geistkraft über uns ausgegossen und jetzt sind wir freundlich und liebevoll und helfen uns gegenseitig.

Wie kann denn so etwas sein? Unser Text sagt: „So hat Gott uns gerettet durch das Bad, in dem wir noch einmal geboren und neu geschaffen werden durch die heilige Geistkraft.“

Insgesamt gibt es in unserem Predigttext also drei Bilder für das neue, das von Gott her mit uns geschieht:

1. Wir werden gebadet und damit rein gewaschen.
2. Wir werden neu geboren und damit ganz neue Menschen.
3. Wir werden aus der Verstrickung gelöst. Stricke mit denen wir gefesselt waren, werden gelöst, so dass wir uns wieder frei bewegen können.

Es sind drei Bilder für Erneuerung. Es geschieht etwas und das Ergebnis ist eine deutlich sichtbare und fühlbare Veränderung. Darin besteht unsere Rettung.

Mich erinnert das an Waschmittelreklame. Vorher sind in der Kleidung Flecken, sie ist mit einem Grauschleier überzogen. Und nachdem man sie mit dem beworbenen Waschmittel gewaschen hat, ist die Wäsche bunt und strahlend weiß, nicht nur sauber sondern rein. Sie hat keine Flecken mehr. Und das ging alles ganz mühelos.

Ist unser Glaube auch so eine Art Waschmittel für Menschen?

Vorher Flecken, jetzt porentiefe Reinheit. Bevor Christus uns gerettet hat, waren wir böse, neidisch und hasserfüllt und jetzt sind wir freundlich und liebevoll und helfen uns gegenseitig.

Wir neigen nicht dazu solcher Werbung zu glauben. Was die im Fernsehen sagen, funktioniert nie. Das eine Waschmittel ist meistens nicht besser als das andere.
Stimmt.

Aber in den letzten 20 Jahren sind die Waschmittel tatsächlich besser geworden. Und waschen funktioniert schon. Flecken gehen durchaus beim Waschen raus.

Vielleicht gibt es das doch: Vorher so nachher anders. Könnte der Brief an Titus doch recht haben? Vorher hasserfüllt nachher liebevoll?

Oder übertreibt er vielleicht?

Das Problem liegt erst mal beim Vorher: „Wir führten unser Leben in Bosheit und Neid, wurden verabscheut und verfolgten uns gegenseitig mit Hass.“ Das ist übertrieben oder? Eigentlich sind wir doch ganz nette Menschen, die niemandem etwas zu Leide tun. Wirklich?

Neid: Sind Sie wirklich niemals neidisch zum Beispiel auf die Nachbarin, die auch nicht besser ist als man selbst und die keine Schmerzen im Bein hat. Bosheit: Erinnern Sie sich. In der Familie gegenüber kümmern sich die Kinder nicht um die alte Mutter. Haben Sie niemals gedacht: Das geschieht ihr ganz recht, so wie sie die Kinder behandelt hat. Und in ihren Gedanken war kein bisschen boshafte Schadenfreude? Gibt es in Ihrem Herzen keinen Hass, der sich tief eingegraben hat, der Sie immer mal wieder schüttelt und den Sie einfach nicht loswerden. Es kann ja ein ganz berechtigter Hass sein auf jemanden, der Sie verraten beleidigt übers Ohr gehauen oder tief verletzt hat. Kein Hass?

Vielleicht hat der Brief an Titus doch recht. Vielleicht ist das eine ganz gute Beschreibung unseres Herzen: „Wir führten unser Leben in Bosheit und Neid, wurden verabscheut und verfolgten uns gegenseitig mit Hass.“

Ich glaube wir brauchen Rettung. Wir brauchen ganz dringend Rettung. Jemand muss uns retten aus unserem Neid, unserer Boshaftigkeit und unserem Hass.

Aber kann uns denn jemand daraus retten? Nur weil es Flecken gibt, gibt es ja noch nicht unbedingt ein Waschmittel, dass sie zuverlässig raus wäscht. Können wir unserem Predigttext glauben, dass Gott uns aus Mitgefühl Jesus Christus gesandt hat und den heiligen Geist über uns ausgeschüttet hat, so dass wir befreit sind von Neid, Bosheit und Hass? Funktioniert das Waschmittel auch wirklich zuverlässig? Kann der Glaube so große Veränderungen bewirken?

Ich glaube schon. Sehen wir uns die Bilder an: Unser Brief vergleicht diese Veränderung mit einer neuen Geburt: Geburt ist die größte Veränderung, die wir kennen. Wenn ein Kind geboren wird, verändert sich das Leben für alle bis in die körperlichen Alltagsvollzüge. Ein neues Lebewesen ist da und es bringt seine eigene Persönlichkeit mit. Nichts bleibt wie es war.

Unser Brief vergleicht die Veränderung mit einem Bad. Alles Schmutzige wird abgewaschen, der verkrustete Schmutz wird gelöst und nach dem Bad kommt man sauber und gut riechend aus der Wanne. Der Dreck ist weg.

Unser Brief vergleicht die Veränderung mit einer Befreiung von Verstrickungen. Die Stricke werden gelöst. Ich kann mich wieder frei bewegen.

Das sind starke Bilder. Aber die Werbung hat auch starke Bilder. Ist das was unser Brief sagt nur Werbung und genauso unglaubwürdig wie Werbung?

Nein, es ist eine Erfahrung, die viele Menschen gemacht haben, und man kann sie heute immer noch mit dem christlichen Glauben machen. Wir werden wirklich gerettet. Das gibt es. Es ist die göttliche Freundlichkeit und Menschenliebe, die unsere Herzen verändert und zwar nicht weil wir so nett wären und gute Taten getan haben, sondern weil Gott Mitgefühl mit uns hat und durch die Vermittlung von Jesus Christus seinen Geist gibt. Und wir werden wirklich fähig zu Freundlichkeit und liebevollem Verhalten. Da gibt es erstaunliche Beispiele.

Ich kenne jemanden, der eine grausame Kindheit durchleben musste. Er war so verstrickt in den Hass auf seine Eltern, dass ihm jedes Mal übel wurde, wenn er mit ihnen telefoniert hat. Die Psychotherapie hat ein bisschen geholfen. Er hat Abstand von seinen Erfahrungen bekommen. Aber sein Leben war immer noch geprägt von Wut und Ärger und Magenschmerzen. Er hasst Weihnachten, weil er am ersten Feiertag immer drei Stunden mit seinem Vater verbringen muss. Eigentlich wollte er nicht mehr hingehen, aber er will seinen Bruder nicht im Stich lassen. Also geht er. Einmal kurz vor Weihnachten hat er geträumt, dass er in einem gummiartigen Spinnennetz gefangen ist. Wenn er sich bewegt, dann zieht sich das Netz immer enger zusammen. Die Fäden sind schon in seinen Körper eingewachsen. Am nächsten Morgen hat er sich erinnert, dass Weihnachten nicht nur Essen mit der Familie bedeutet sondern noch etwas anderes. Er hat sich sein verstaubtes Neues Testament irgendwo unten aus dem Regal gefischt und hat angefangen das Lukasevangelium zu lesen und ist dabei auf Loblieder gestoßen über den Gott, der von Fesseln befreit. An diesem Morgen hat er erstmals nach langer Zeit wieder gebetet. Er hat Gott gebeten die Fesseln, die ihm die Luft abdrücken, zu lösen. Und er hat eine erstaunliche Erfahrung gemacht. Es fiel ihm am nächsten Tag viel leichter zu dem Weihnachtsessen zu gehen. Als er dann Pate von dem Kind seines Bruders werden sollte, war er beim Taufgespräch dabei. Als die Pfarrerin sich schon verabschieden wollte, hat er sie angesprochen und sie gefragt, ob er mal mit ihr reden kann. Bei dem Gespräch hat er gemerkt, dass er einen Weg finden muss, seinen Eltern zu vergeben. Der Weg bis er das wirklich konnte war weit. Das war nicht in ein zwei Jahren zu bewältigen. Es hat länger gedauert. Aber eines Tages war er so weit. Er hat es vor Gott ausgesprochen: „Ich vergebe meinen Eltern.“ Und er hat eine ungeheure Befreiung erlebt. Er sagt: „Ich hätte tanzen können vor Freude. Das Leben war auf einmal so leicht.“ Im Nachhinein sagt er: „Es war nicht mein Verdienst, dass ich das geschafft habe. Darin zeigt sich Gottes Freundlichkeit, dass er mich vor diesem verzehrenden Hass gerettet hat.“ Ich könnte noch fünf weitere Beispiele erzählen. Aber wie in dieser Geschichte ist es manchmal ein weiter Weg bis die Freundlichkeit Gottes sich in unseren Herzen durchsetzt und wir befreit werden von Bosheit, Neid und Hass. Aber der Weg lohnt sich. Und wir können ihn gehen, weil Gott in Jesus Christus durch seinen heiligen Geist uns diesen Weg geebnet hat. Und für uns ist das bestimmt einfacher als für den Mann in unserem Beispiel, denn bei den meisten von uns sind die Erfahrungen nicht ganz so schlimm, die den Hass auslösen, mit dem wir schon so lange leben.

Und der Friede Gottes …

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