Geduld

Liebe Gemeinde,

Geduld, es sind noch 19 Tage bis Weihnachten. Für kleine Kinder ist das eine Ewigkeit. Geduld und Warten fällt auch uns Erwachsenen schwer. Aber worauf warten wir eigentlich. Unser Predigttext sagt es uns. Ich lese Jakobus 5:

[TEXT]

Geduld brauchen wir mit allem, was noch wachsen muss. Geduld brauchen wir bis im Frühjahr die ersten Erdbeeren reif sind. Geduld bis die neuen Kartoffeln geerntet werden können. Sie kennen sicher die Geschichte von dem Bauern, der seine Weizenpflanzen beim Wachsen unterstützen wollte. Er hat ein bisschen an ihnen gezogen, denn er wollte sie großziehen. Am nächsten Tag lagen sie traurig und verdorrt am Boden. Eigentlich kann man auch Kinder nicht großziehen. Sie wachsen von alleine und wenn man zuviel an ihnen zieht dann wehren sie sich und versuchen, was anderes zu tun als man von ihnen möchte. Geduld brauchen wir bei der Erziehung, Geduld beim Umgang mit anderen Menschen. Wir müssen lernen zu warten bis die Zeit reif ist. Geduld brauchen wir auch beim Umgang mit uns selbst. Auch da müssen wir warten bis der nächste Schritt in der Entwicklung dran ist. Zum Beispiel beim Gitarre spielen. Ich brauche Geduld zum üben und die Hoffnung, dass ich das schwere Stück noch rechtzeitig bis zum nächsten Auftritt lernen kann. Das ist gar nicht so einfach. Manchmal bin ich entmutigt, weil meine Finger nicht mehr so schnell sind wie früher. Dann kommt es darauf an, durchzuhalten und weiter zu machen, auch wenn ich nicht sicher bin, dass ich es schaffen werde.

Unser Predigttext verlangt von uns Geduld beim Warten. Aber worauf warten wir denn?

Wir warten auf das Kommen Jesu Christi. Ach ja? Warten wir da wirklich drauf? Sicher an Weihnachten feiern wir, dass Jesus Christus geboren wird und als kleines Kind in die Welt kommt. Aber ich glaube wir Erwachsenen warten nicht auf Weihnachten sondern wir hätten lieber ein paar mehr Tage Zeit zur Vorbereitung. Weihnachten kommt ja immer viel zu schnell. Und dann frage ich mich: Warten wir wirklich auf das Kommen Jesu Christi? Manchmal denke ich wir hoffen eigentlich eher, dass er nicht kommt. Wir fürchten uns viel mehr vor seinem Kommen als dass wir uns danach sehnen. Insofern ist der letzte Halbsatz unseres Predigttextes eher eine Drohung als eine Verheißung: denn Jesus kommt bald! Kann er nicht noch ein bisschen wegbleiben und uns unseren Kram alleine regeln lassen? Muss er sich wirklich in unser Leben einmischen eigentlich geht es uns doch ganz gut ohne ihn! Wirklich? Und wenn er käme, müsste ich dann nicht meinen Groll über meine Nachbarin aufgeben, müsste ich dann nicht mich mit der alten Freundin mit der ich mich verkracht habe versöhnen. Müsste ich dann nicht etwas von meinem Geld abgeben, um armen Kindern zu helfen? Wenn Jesus käme, dann müsste ich mein Leben ändern. Er könnte doch noch ein bisschen wegbleiben. Mein Leben ist doch so schon schwer genug, ohne dass ich mich noch mit den moralischen Anforderungen Jesu herumschlagen muss.

Und wenn er käme? Vielleicht würde ich mich doch darüber freuen, vielleicht würde ich dann tun, was ich schon lange tun will und was mir gut täte. Vielleicht würde dann diese unbestimmte Sehnsucht gestillt, die mich nicht zur Ruhe kommen lässt. Wenn ich meine Widerstände gegen sein Kommen aufgeben würde, was wäre dann? Vielleicht wäre ich gar nicht überfordert sondern getröstet. Vielleicht folgte auf die erste Verunsicherung eine neue Sicherheit. Da ist eine Sehnsucht nach Weihnachten in unseren Herzen, die das Fest, wenn es kommt nicht erfüllen kann. Da ist eine Sehnsucht nach einem Neuanfang und einem gelingenden Leben, die nicht an 3 Tagen zu erledigen ist, die nicht in drei Wochen zu den Akten gelegt werden kann. Es ist die Sehnsucht nach dem Kommen Jesu Christi in unsere harten Herzen, damit sie weich und freundlich werden. Ich glaube wir warten alle darauf, dass Jesus Christus uns begegnet. Wir warten darauf, dass dann eine wirkliche Begegnung stattfindet. Wir warten darauf, dass wir nicht mehr verstecken müssen, was in uns ist, unsere Angst und unsere Traurigkeit, unsere Müdigkeit und unsere Wut und den Ärger und den Neid und die Trägheit und unsere Gleichgültigkeit und unser Versagen. Das alles wird an den Tag kommen, wenn Jesus Christus kommt, und wir fürchten uns nicht nur davor, wir sehnen uns auch danach. Trotzdem schaffen wir es nicht so einfach, unser Herz für das Kommen Jesu Christi zu öffnen. Die Angst überwiegt die Sehnsucht. Es fällt uns schwer diesen Schritt zu gehen. Dazu sagt unser Predigttext: Geduld, hab Geduld mit dir selbst und mit anderen. Bis zum Kommen Jesu Christi haben wir eine Aufgabe. Wir können uns auf das Kommen Christi in unsere Herzen vorbereiten. Der Predigttext sagt dazu: stärkt das Denken, Fühlen und Wollen eurer Herzen! Was ist damit gemeint?

Ich weiß es nicht genau. Aber es muss etwas damit zu tun haben, dass wir unsere Herzen auf das Kommen Jesu Christi zu uns erst vorbereiten müssen, damit es uns nicht völlig umhaut.

Ich weiß nicht, ob Sie schon einmal ihr Herz für Jesus Christus geöffnet haben, und was dann passiert ist? Ich vermute, dass das ganz schön unterschiedlich sein kann.

Sinnvollerweise bereiten wir unser Herz darauf vor und zwar im Denken, Fühlen und Wollen. Im Wollen finde ich am Einleuchtendsten. Ich muss die Gegenwart Jesu Christi in meinem Herzen wirklich wollen, damit ich mein Herz dafür öffnen kann. Im Fühlen: Ich muss das Gefühl haben: Das ist jetzt dran. Ich bin mit meinen Versuchen allein zurecht zu kommen gescheitert. Ich will ihm nicht mehr ausweichen. Ich öffne mein Gefühl. Jesus Christus ist in meinem Herzen wirklich willkommen. Die Hoffnung ist größer als die Furcht. Und für mich als ziemlich rationale Frau ist besonders wichtig ich öffne mich für Jesus Christus auch im Denken: Ich denke darüber nach wie mein Leben ist. Und ich überlege wie mein Leben werden soll. Ich wäge das eine gegen das andere ab. Und wenn ich gut überlegt habe, dann kann ich eine Entscheidung treffen, die trägt. Dann kann ich sagen: Komm Jesus Christus, komm zu mir, ich öffne mich für dich, komm in mein Herz. Und dann beginnt das Warten. Dann brauche ich Geduld. Aber dann gilt auch was der Predigttext sagt: 8Geduldet auch ihr euch, stärkt das Denken, Fühlen und Wollen eurer Herzen, denn Jesus kommt bald!

Jesus kommt bald. Vielleicht ganz unauffällig, so dass wir es kaum merken. Vielleicht in einer Erfahrung, die mich umhaut. Oder noch ganz anders. Aber egal wie, wir werden es merken. Jesus Christus kommt mit einer großen Freude, einer lauten Freude oder einer stillen Freude aber immer mit Freude, daran können wir ihn erkennen. Aber vielleicht kommt nach der Freude auch noch eine eher bedrückende Erfahrung: Und ich merke so wenig bin ich dem gerecht geworden, wie ich eigentlich sein sollte oder sein könnte. Und es mischt sich in die Freude der Wunsch, in meinem Leben Jesus mehr zu entsprechen als das bisher der Fall war. Freundlicher zu werden, barmherziger, liebevoller vielleicht auch klarer und deutlicher. Ja, Weihnachten ist ein Fest der Freude. Freu dich Erd und Sternenzelt. Gott kommt auf die Erde. Weihnachten feiern können wir nicht nur äußerlich vom 24 bis zum 26. Dezember. Auch innerlich können wir Weihnachten feiern. Wir können uns freuen, dass Gott in unser Herz kommt und das an jedem einzelnen Tag des Jahres.

Aber Weihnachten geht vorbei. Wie ist das mit der Gegenwart Gottes in unserem Herzen? Können wir die das Jahr über festhalten? Kann die bleiben? Vielleicht gibt es Menschen, bei denen das so ist. Ich gehöre nicht dazu. So ganz unmerklich verschließe ich mein Herz wieder vor der Gegenwart Jesu Christi in mir. Ich ärgere mich, ich werde wütend. Ich treffe egoistische Entscheidungen. Und dann habe ich die Verbindung wieder verloren. Ganz unmerklich verschwindet die Freude, ganz unmerklich geht der Glanz verloren. Und dann bleiben nur noch Erinnerungen an das innere Weihnachten. Und die Sehnsucht. Und dann wird es Zeit wieder das Herz vorzubereiten. Genau anzusehen, was inzwischen geschehen ist, darüber nachzudenken, wo ich eigentlich hin will, den Willen zu stärken und mich zu entscheiden, dass ich nicht ohne die Gegenwart Jesu Christi in meinen Leben will. Und dann fange ich an mich zu sehnen und fange an darauf zu warten, dass es wieder Weihnachten wird. Und ja es ist wie jedes Jahr im Jahreskreis. Weihnachten kommt wieder, und ich kann wieder neu anfangen, denn Jesus Christus erfüllt mein Herz wieder mit seiner Freude. Vielleicht werden mit der Zeit die Abstände kürzer in denen ich ohne Gottes Gegenwart in mir versuche zurecht zu kommen. Ja, das wäre schön!

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