Mensch ärgere dich nicht

Und als er in ein Dorf kam, begegneten ihm zehn aussätzige Männer; die standen von ferne und erhoben ihre Stimme.

Aussätzige, liebe Gemeinde, was ist das für ein Wort? Was ist das für eine Krankheit, wenn jemand aussätzig ist? Wie lautet die richtige Behandlungsmethode und um welche Art von Aussatz handelt es sich eigentlich?

Ehrlich gesagt, ist mir bei nachdenken über das Wort Aussatz nur ein Spiel eingefallen. Und dieses eine Spiel, bei dem es auch darum geht selber nicht auszusetzen heißt — natürlich — Mensch ärgere dich nicht.

[Spielbrett hervor holen]

Liebe Gemeinde, Mensch ärgere dich nicht war das Spiel meiner Großeltern. Oft haben wir das am Küchentisch sitzend zusammen gespielt und genauso oft haben mich meine Großeltern gewinnen lassen, wohl auch aus Sorge um ihr Spielbrett.

Es war eine Qual, wohl für alle Beteiligten, wenn alle meine Spielfiguren wieder auf diesen vier Anfangsfeldern waren. Am schlimmsten war es, wenn eine oder zwei Figuren kurz vor dem Ziel waren und irgendwer meine Figur schmiss und ich aussetzen musste.

Aussetzen, da ist dieses Wort wieder. Aussätzig waren die Männer im heutigen Predigttext.

Etwas salopp gesagt, Sie durften nicht mehr mitspielen, sie warten kalt gestellt. Im Spiel des Lebens waren diese Figuren ausgebootet, ohne Chance auf Wiederkehr. Zumindest nicht aus eigenem Antrieb.

Beim Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel kann man auch nicht wieder zurück in das Spiel, zumindest nicht aus eigener Kraft. Als Spieler ist man angewiesen auf sein Glück. Auf den Zufall, auf einen guten Moment. Denn um zurück kehren zu können, muss man eine sechs würfeln. Wer das nicht schafft, muss tatenlos dabei zusehen, wie die anderen ihre Schäfchen ins Trockene bringen und am Ende den Sieg einfahren.

Wer schon einmal Mensch-ärgere-dich-nicht gespielt hat der weiß, dass es manchmal ganz einfach ist, eine sechs zu würfeln. Manchmal fallen so viele sechsen, dass ,man es gar nicht glauben kann.

Manchmal scheint es so, als würden die sechsen nur so vom Himmel fallen.

Ein anderes mal aber ist das Glück nicht mit einem. Man würfelt und würfelt, die anderen ziehen immer weiter, man selber kommt nicht vom Fleck und je weiter die anderen kommen, desto mehr ärgert man sich. Weil es einfach nicht klappt. Schließlich wird die Stimmung immer schlechter und eine gewürfelte sechs, die die Erlösung bringen könnte, ist immer noch nicht gefallen.

Mal sehen, ob ich jetzt Glück habe und eine sechs zustande bringe, wenn ich den Würfel von hier oben fallen lasse.

Und tatsächlich, eine sechs. Im Spiel dürfte ich jetzt wieder rein und angenommen, ich hätte schon einige Zeit auf meine Rückkehr warten müssen, diese sechs, die ich gerade geworfen habe, käme mir wie eine Erlösung vor, wie ein sechser im Lotto. Ich wäre wieder mit im Spiel.

Über die zehn Männer, die auf Jesus treffen ist nicht viel bekannt. Nicht seit wann sie aussätzig waren und auch nicht, wie viel Frust sich in ihnen angesammelt haben mag.

Das es Menschen, die in einer solchen Situation wie die zehn Männer waren nicht gut ging, davon berichten andere Quellen. Die zehn aussätzigen Männer sind isoliert vom alltäglichen Leben. Man meidet sie, aus Angst sich anstecken zu können.

Womit man sich da allerdings infizieren kann, dass wird nicht näher beschrieben. Die anderen haben einfach die Angst, sich genauso wie die zehn Männer an einem Virus anzustecken, was schließlich den gesellschaftlichen Ausschluß zur Folge hat.

Dabei ist es auch gar nicht nötig, genau zu beschreiben, welche Krankheit die Zehn plagt. Es reicht von den Folgen zu hören. Die Zehn sind isoliert. Sie nehmen nicht am allgemeinen Leben teil. Sie leben für sich. Sie sind ausgeschieden. Das Spiel des Lebens findet ohne ihre weitere Beteiligung statt.

Beim Mensch ärgere dich nicht kann man immer wieder würfeln und versuchen, eine sechs zu würfeln. Bei den Spielenachmittagen mit meinen Großeltern war es oftmals alleine die Hoffnung auf eine Rückkehr ins Spiel, die mich hat durchhalten lassen, egal wie viele Würfelversuche ohne Erfolg, also ohne die ach so dringend benötigte sechs geblieben sind.

Die zehn Aussätzigen sind ebenfalls nicht ohne Hoffnung ihre ganz persönliche sechs zu würfeln, die ihnen den Weg zurück ins Leben ebnet. Diese ganz persönliche sechs, die da beinahe vom Himmel fällt, ist in dem Fall der zehn Kranken kein geringerer Würfel als Jesus Christus, der plötzlich in ihr Leben tritt; um nicht zu sagen, in ihr Leben fällt!

Und diese Hoffnung der Zehn beschreibt der Text wie folgt: Und es begab sich, als Jesus in ein Dorf kam, begegneten ihm zehn aussätzige Männer; die standen von ferne und erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesus, lieber Meister, erbarme dich unser!

Die Hoffnung der Zehn zurück ins Leben zu kommen, liebe Freundinnen und Freunde in Christus, erfüllt sich just in diesem Moment, denn durch Jesus kommen die Zehn zurück in den Kreis der Lebenden.

Und als er sie sah, sprach er zu ihnen: Geht hin und zeigt euch den Priestern! Und es geschah, als sie hin gingen, da wurden sie rein.

Die Würfel sind gefallen, die Zehn sind erlöst. Der Jackpot ist geknackt. Jesus hat in das Leben der Zehn eingegriffen und machtvoll demonstriert, dass er Menschen, die ausgesetzt haben wieder einsetzen kann.

Wie dankbar war ich, wenn ich die ach so dringend benötigte sechs schließlich gewürfelt hatte und wieder mitspielen durfte. "Gott sei Dank!", hat meine Oma dann schon mal gerufen, weil sich durch die Möglichkeit dass ich wieder am Spiel teilnehmen konnte schlagartig die Stimmung besserte.

"Gott sei Dank!", mögen auch die Zehn gedacht haben — das können wir annehmen. Aber von einem wissen wir, dass er diesen Dank auch laut ausgesprochen hat.

Einer aber unter ihnen, als er sah, dass er gesund geworden war, kehrte er um und pries Gott mit lauter Stimme und fiel nieder auf sein Angesicht zu Jesu Füßen und dankte ihm, so berichtet es Lukas.

Ich muss sagen, dass ich mich schon darüber freue, dass einer der Zehn umkehrt und sich bedankt. Nach so langer Zeit, endlich wieder dabei sein. Das Aussetzen hat ein Ende. Und das alles, weil die Zehn ihre Hoffnung auf diesen einen Mann gesetzt haben. Da kann man schon mal Danke sagen.

Aber wer sagt denn, dass die anderen Zehn nicht erst mal wieder nach Hause gerannt sind, an die Küchentische, sich mit ihren Familien, Freunden und Nachbarn getroffen haben und denen ganz aufgeregt davon erzählt haben, was dieser Jesus für sie getan hat?

Vielleicht haben sie dabei davon berichtet wie Jesus einfach so, ohne Bedingung, ohne Gegenleistung sie geheilt hat.

Gewonnen, liebe Gemeinde, gewonnen haben an diesem Tag alle zehn ehemaligen Aussätzigen, denn Jesus verschafft ihnen allen eine neue Perspektive. Alle zehn können zurück kehren in ihr Leben. Der Aussatz ist verschwunden. Allein durch Glaube.

Gewonnen haben wir alle, und das lehrt uns diese Geschichte, wenn wir unsere Hoffnung und unseren Glauben auf Jesus Christus richten. Denn bei ihm braucht es kein fragwürdiges Würfelglück, wie bei diesem Spiel, um ans Ziel zu kommen. Welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verläßt er nicht.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.

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