Die Ängste der Deutschen und Gottes großes Sorgen

Liebe Mitchristen,

eine Studie über die Ängste der Deutschen kam Anfang September heraus. Die wirtschaftliche Lage macht demnach den Deutschen am meisten Angst. Das hat die Studie "Die Ängste der Deutschen 2009" erwiesen.

Die Bayern haben tendenziell die größte Angst vor Naturkatastrophen, in Hessen sind die Befürchtungen vor Terroranschlägen am größten und die Sorge um steigende Arbeitslosigkeit treibt die Menschen in Nordrhein-Westfalen am meisten um. Bundesweit überwiegt derzeit aber die Angst vor einer Verschlechterung der allgemeinen Wirtschaftslage, wie die in Berlin veröffentlichte Studie "Die Ängste der Deutschen 2009" zeigt.

Zwei von drei Deutschen befürchten danach, dass sich die Wirtschaft in Deutschland weiter verschlechtert. Damit nimmt diese Angst seit 2003 erstmals die Spitzenposition unter den größten Ängsten ein. Lediglich wenige Prozentpunkte darunter landeten die Sorgen vor einer höheren Arbeitslosigkeit sowie vor steigenden Lebenshaltungskosten.

Neben wirtschaftlichen Ängsten zeigt die Studie, dass die Deutschen auch die Sorge vor Naturkatastrophen und gesundheitlichen Problemen umtreibt. Rund jeder zweite Deutsche betrachtet es danach als einen Albtraum, im Alter zum Pflegefall zu werden oder schwer zu erkranken. (Quelle: rp-online.de vom 03.09.09)

Entdecken sie sich in diesen Sorgen wieder? Jedenfalls ist es doch wohl so, dass wir uns Sorgen machen, jeder für sich und gewiss nicht sorgenfrei durch die Welt gehen. Offensichtlich war dies schon immer so, sonst hätte Jesus in der Bergpredigt nicht folgendes gesagt.

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Liebe Gemeinde, immer wenn ich diesen Text lese denke ich mir: Da macht es sich Jesus ganz schön einfach! Er hatte keine Familie zu ernähren. Er hatte keine Kinder, die eine gute Ausbildung machen sollten. Es war doch für ihn vieles einfacher. Und ob er sich so gar keine Sorgen gemacht hat? Ich denke er war ganz Mensch und wird sich auch seine Gedanken gemacht haben. Etwas frustrierend finde ich auf den ersten Blick auch den Schlusssatz: „Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.“ Ja, jeder Tag hat seine Plage- stimmt schon, aber hat er nicht auch seine eigene Freude?

Ich denke es geht Jesus um etwas ganz anderes. Es geht in der ganzen Bergpredigt, aus der dieser Abschnitt stammt, doch darum sich der Fürsorge Gottes bewusst zu sein und anzuvertrauen. Gott sorgt sich eben auch um uns Menschen. Wenn man diese Grundeigenschaft Gottes akzeptiert, dann lebt man in einem grundsätzlichen Geborgensein. All diese Beispiele mit den Vögeln unter dem Himmel usw. sie zeigen nur, dass Gott sich sorgt um seine Schöpfung, dass er es gut eingerichtet hat, so wie es ist. Wenn Gott dies gut eingerichtet hat soll man darauf vertrauen, dass dies auch weiterhin gilt. Natürlich, zu manchen Dingen braucht es uns. Es braucht uns zu sehen, wenn jemand Hilfe nötig hat. Wir können Sorgen anderer mittragen. Wir können mit dazu beitragen, dass unsere Welt nicht nur aus Müh und Plag besteht, durch unseren Lebensstil, unsere Lebensweise. Denn wir leben jetzt. Meine kürzlich verstorbene Großmutter sagte einmal zu mir folgenden fast lapidar klingenden Satz: „Als wir jung waren hatten wir kein Geld und mussten arbeiten. Verreisen konnten wir da nicht. Als wir alt waren hatten wir das Geld, aber wir wurden schwach und krank, verreisen konnten wir da nicht mehr.“ Es muss zeitgemäß sein, was wir tun, das wurde mir damals klar. Die Erfahrung meiner Großmutter ist sicherlich die vieler Menschen der Kriegsgenerationen. Die Erfahrung des Krieges hat gezeigt, dass man vorsorgen muss für schlechte Zeiten. Das hier und jetzt wurde dabei manchmal vergessen, man hat ganz stark an die Zukunft gedacht, wollte sich von Geldsorgen und anderen Nöten durch Arbeit, Fleiß und Sparen frei machen. Aber die Sorgen waren deshalb nicht weg. Sorgen können uns auffressen. Ich will noch einmal auf die Studie vom Anfang zurückkommen. Angst vor Unwettern, vor Terrorismus und vor Arbeitslosigkeit haben die Menschen bei uns. Es sind Existenzängste, die uns beherrschen. Eine Predigt eines Dorfpfarrers in Röslau wird diese Ängste nicht wegwischen können. Sie sind so tief in uns. Aber vielleicht sollten wir einfach mehr leben. Ich meine damit nicht feiern und trinken bis zum Abwinken. Das bedeutet es nicht zu leben. Ich meine damit einfach bewusster mit den Menschen um uns herum, mit Ereignissen, mit Ressourcen umgehen.

Das trachten nach dem Reich Gottes, so heißt es im Bibeltext, könnte so ein bewussterer Umgang sein. Ich weiß, das klingt erst einmal eher nach Weltflucht. Reich Gottes, da denken wir immer noch an so einen Raum irgendwo im Himmel nach unserem Tod. Das Reich Gottes aber hat in Jesus Christus schon zu seinen Lebzeiten begonnen. Und Jesus will, dass wir die Welt verändern als Christen, dass wir bei unserem Leben uns bewusst machen: Gott sorgt sich um uns. Deine Sorgen sind aufgehoben und hineingenommen in das große Sorgen Gottes. Lebe zielgerichtet, lebe die Vision vom Reich Gottes, das anders sein muss als die irdischen Reiche, das andere Vorzeichen hat. Lebe es!

Liebe Mitchristen, Leeb es! Das ist leicht dahin gesagt, denn ich weiß nicht um ihre persönlichen Sorgen im Detail. Oft verbinden sich ja persönliche und berufliche und gesellschaftliche Sorgen miteinander. Sorgen um Krankheit stehen meiner Erfahrung nach ganz oben, auch viele Menschen mit finanziellen Sorgen haben wir. Und ich weiß, dass der eine oder andere wirklich umgetrieben wird, nicht mehr richtig schlafen kann, kaum mehr Ruhe findet. Auswege zu suchen und sie dann zu finden sind schwer.

„Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft“, so heißt es im Predigttext. Ich möchte uns allen Mut machen. Gott weiß was wir brauchen. Auch wenn wir enttäuscht sind, auch wenn wir krank sind, auch wenn wir in Sackgassen hineingelaufen sind und plötzlich vor der Mauer stehen und nicht wissen wie wir umdrehen können. Es gilt, dass sich Gott um uns sorgt und kümmert und uns nicht allein lässt. In der Idee des Reiches Gottes wird es das geben, dass er sich sorgt um uns. Wie sich das dann immer im Einzelnen zeigt- dafür gibt es keine Regel. Es ist auch keine Vertröstung wenn ich das so sage, und dabei merke, dass vordergründig andere Dinge wichtig sind als das Reich Gottes, und ich sage das alles auch nicht weil mir nichts Besseres einfällt. Es wird mir von Menschen erzählt dass es so ist. Und ich selbst kann manche Lebenserfahrung beisteuern wo ich mich bei Gott geborgen und gut aufgehoben gefühlt habe. Und bitte vergessen wir bei all den Sorgen und Fragen, bei den Nöten, bei den Schwierigkeiten, vergessen wir nicht zu leben. Nichts darf so groß sein, dass es unser Leben blockiert und unseren Lebensmut beseitigt. Denn das will Gott doch erreichen, dadurch, dass er sich um uns sorgt, dass wir Leben haben und dieses in Fülle. Ich lebe und ihr sollt auch leben, sagt Jesus im Johannesevangelium. Das gilt uns, lasst uns leben, fröhlich leben, lasst uns unsere Sorgen vor Gott bringen im Gebet und bei ihm loswerden. Lasst uns leben, denn Gott gab uns dazu den Atem, hat uns geschaffen als lebendige Menschen.

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