Verantwortung

Ein Gleichnis steht heute im Mittelpunkt – zugegebenermaßen eins, das unmoralisch klingt. Das ist manchmal so in Gleichnissen. Jesus erzählt Geschichten, um den Menschen die Liebe Gottes oder das reich Gottes darzustellen. Wen wir diese Geschichten bis ins Detail ernst nehmen, dann sind sie als Aussage Jesu nicht ernst zu nehmen. Man muss schon genau hinhören, was Jesus da erzählen will.

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Gleichnisse zielen auf einen Punkt und handeln dabei manchmal mit Anstößigkeiten – wie hier. Es geht in diesem Gleichnis nicht darum, dass gute ChristInnen mit Geld gut umgehen können müssen.

Und es geht auch nicht darum, dass es in Ordnung ist, dass Furcht einflößende Herren ängstliche Diener misshandeln.

Aber die Jünger Jesu kannten solch Situationen vom Hörensagen. Die Summen zwar extrem überzogen – aber in der Sache vertraut.

Der Chef geht auf Reisen. Vorher verteilt er Anweisungen. Den Mitarbeitenden, denen er am meisten vertraut, gibt er sein Vermögen. Abgerechnet wird bei der Rückkehr.

Es ist kein Zufall, dass die Währungseinheit Talente eine doppelte Bedeutung hat. Das war schon damals so, und darum benutzt Jesus diese Einheit. Damit es ganz klar ist: Es geht eigentlich nicht um Geld, sondern um das, was den Menschen anvertraut ist: Talente, Begabungen.

Vielleicht haben die Menschen das zum ersten Mal gehört: Dass sie etwas sind und etwas haben. Sie sind nicht Abschaum und Habenichtse, sondern Menschen, denen Gott vertraut, denen er Begabungen, Talente anvertraut. Und sie dürfen selbstbewusst damit leben. Mit einer richtigen Gottesvorstellung. Nicht der des dritten Knechts.

Der 3. Knecht hat ein Bild von seinem Herrn, das ihm Furcht einflößt. Diesem Bild wird grundsätzlich nicht widersprochen. Ja es kann sein, dass Herren so sind. Dieses Bild hat leider seine traurige Berechtigung. Es wird aber ausgehebelt. ‚Selbst wenn es richtig wäre…’ , selbst, wenn er schon wusste, wie die Sache läuft, warum hat er sich nicht wenigstens an dem orientiert, was seiner Erfahrung entspricht und das Geld irgendwie vermehrt? – selbst wenn Menschen nur den strengen, herrischen, ungerechten Gott kennen, warum handeln sie dann nicht wenigstens aus Furcht richtig? Es geht nicht darum, dass Gott so streng ist. Dem hat Jesus oft genug widersprochen. Es geht um die Inkonsequenz derer, die vom strengen Gott reden, aber nicht mit ihm rechnen. Und es geht um Ermutigung an ChristInnen: Wenn ihr von dem gütigen Gott redet, dann lebt doch auch aus Glauben an ihn heraus in der Liebe.

Es geht um die Verheißung für die Menschen, die mit dem gütigen Gott rechnen und leben, dass ihr Einsatz sich doppelt und dreifach lohnt, Früchte trägt.

Ich glaube darum geht es ganz wesentlich: Dass Jesus denen, die ihm zuhören sagen will: Es ist völlig egal, was du kannst. Sei dankbar für das, was ist und lebe es aus. Gute Gaben verrotten, wenn sie nicht angewendet werden, wenn sie versteckt werden, wenn sie vergraben werden.

Der dritte Knecht macht den Herrn, der erntet, wo er nicht gesät hat, verantwortlich. Sein hartes und misstrauisches Wesen haben ihm Angst gemacht, sagt er. Er steht für die vielen Menschen, die immer Schuld bei Anderen suchen, für das, was sie unterlassen haben. Für Menschen, die sich selbst zu Opfern hochstilisieren und darum für nichts verantwortlich sind. Jesus dagegen will in dieser Geschichte erzählen von dem Gott, der uns frei macht, frei zum Guten. Wer das Risiko auf sich nimmt, dabei etwas falsch zu machen, etwas zu verzocken, der wird auch noch belohnt. BuchhalterInnen, die nur darauf bedacht sind alles zusammenzuhalten, braucht die Liebe aber nicht.

Wir sind zur Freude berufen: Freude über das Vertrauen, das uns zugeteilt wird. Freude, dass wir mitwirken dürfen am Reiche Gottes, dass wir Berufene sind.

Es entspricht dem Geld, dass es Geld machen will. Um wie viel mehr könnte es nicht der Liebe entsprechen, dass sie Liebe vermehren will? Um wie viel mehr könnte es nicht zum Wesen der Freude gehören, dass sie Freude verbreiten will? So wie wir unsere Verantwortung vor dem Besitz wahrnehmen, können wir auch unserer Verantwortung für das Evangelium wahrnehmen.
Vielleicht gehört dieser dritte Knecht in unserer Kirche zu denen, die nichts tun, aber alles besser wissen, die viele Kommentare absondern, aber nie anpacken. Nehmen wir ihre Klagen ernst und versuchen ihnen zu helfen, dass Liebe und Freude wächst

Es geht nicht um einen hartherzigen Gott, es geht um verantwortungslose Gemeinde, um ChristInnen, die sich und ihre Gaben ängstlich verstecken.

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