Jesus sorgt fürs ganz normale Leben

Liebe Gemeinde,
das ist wieder so eine Geschichte, wo man vor der Entscheidung steht: glaubst du es oder glaubst du es nicht. Und mancher wird schnell sagen: natürlich glaube ich das, schließlich steht es in der Bibel und wenn es Jesus macht, dann geht das schon. Und zu sagen: das glaub ich nicht, das bedeutet schon Mut. Schließlich sind wir in der Kirche um zu glauben und wer nicht glaubt, naja, der wird vielleicht sogar schief angeschaut. Also glauben wir alle – oder? Aber was glauben wir eigentlich? Und was sagt die Geschichte für mich heute? Ich schaue sie mir an: Da fährt Jesus über den See Tiberias, um zur Ruhe zu kommen. Er hatte Menschen gesund gemacht und das war eine Sensation. Der ist es und der kann es. Ob die Leute auch über den See gefahren sind, steht nicht da, aber wenn, dann war richtig was los auf dem Wasser. Den wollen wir uns anschauen. Wir würden es wohl genauso machen. Und dann sieht Jesus die vielen Menschen, auf 5000 werden sie geschätzt. Also wie bei einem großen Open-Air Konzert. Ich wundere mich schon, dass Jesus zuerst ans Essen denkt. Immerhin hätten die ja selber was mitbringen können. Picknick bei Jesus sozusagen. Die Jünger zucken mit den Schultern, Geld haben wir kaum. Und da steht ein Junge mit ein paar Broten. Da wundere ich mich wieder. Wo 5000 Leute zusammen kommen, finden sich doch sehr schnell ein paar Imbißbuden – das ist doch ein Geschäft, das sich keiner entgehen lässt. Aber dann würde das Wunder nicht funktionieren. Und dann stelle ich mir die Jünger vor. Es ist ja eine Geschichte aus dem Leben. Also darf ich sie mir mal vorstellen. Die Jünger gehen mit dem Korb, greifen rein und geben Brot aus. Sie greifen wieder rein und wie von Zauberhand liegt wieder neues Brot drin. Und so weiter und so fort. 5000 Fladen wandern einfach in die Körbe. Niemand bäckt sie, niemand bringt sie. Dazu noch leckerer Fisch, noch einer und noch einer. Also mir wäre zumindest unheimlich. Was mache ich nur mit dieser Geschichte? Ich habe den Eindruck, wir lesen meist die Geschichten der Bibel so, als wären sie aus einer fremden Welt, in der alles möglich ist. Aber es ist die ganz normale unsere Welt. Zwar die von vor 2000 Jahren, aber die Menschen waren nicht anders. Den See Tiberias gibt es heute noch und vielleicht ist der Stein, auf dem Jesus gesessen hat, immer noch da.
Was mache ich mit dieser Geschichte?
Ich schaue sie mir noch einmal an. Jesus hatte Menschen gesund gemacht, kurz vorher noch einen Gelähmten am Teich Bethesda. Und natürlich ist so etwas eine Sensation. Aber Jesus will keine Sensation sein. Er will die Kraft und die Liebe von Gott deutlich machen. Er will kein Wunderheiler sein, sondern mit seinen Wundern auf Gott hinweisen. Und er haut ab. Über den See, will zu sich kommen. Und als er aufblickt, sieht er die Massen. Es steht nicht so richtig da, was die Leute wollen. Am Schluss heißt es, sie wollten ihn zum König machen. Und jetzt wird uns Folgendes erzählt: Jesus stellt sich nicht hin und fängt an zu predigen. Das wundert mich. So viele Menschen, die alle nur etwas von ihm gehört haben und der Masse nachlaufen. Das wäre doch eine missionarische Chance. Mir hat mal ein Kirchenvorsteher gesagt: du hast das zwar gut gemacht, wie du die Leute, gerade auch die Fremden angesprochen hast, aber du hast sie nicht in die Kirche reingeholt. Und ich denke an manchen missionarischen Eifer, an Menschen, die meinen, die Leute sofort bekehren zu müssen. Hauptsache, du glaubst erst mal an Jesus, alles andere kommt später. Das gabs schon immer und ich denke, Johannes stellt uns hier einen Jesus vor, der die Menschen nicht gleich vereinnahmen will. Mensch, die Leute haben Hunger und wir haben nichts. Jesus denkt, wie man heute so schön sagt, zuerst an das leibliche Wohl. Er macht es eigentlich wie die vielen Veranstalter von Heimat-und Dorffesten, wo auf den Plakaten immer steht: fürs leibliche Wohl ist bestens gesorgt. Die Bibel sagt hier: Jesus tut für die ganz normalen menschlichen Bedürfnisse etwas. Er holt die Leute von ihren hohen Erwartungen runter, ich bin nicht der Wundertäter, den ihr wollt, aber ich möchte, dass es uns gemeinsam gut geht. Stellen Sie sich vor, Sie kommen in die Kirche und als erstes sagt der Pfarrer: jetzt wollen wir erst mal frühstücken. Und weil natürlich keiner was mitgebracht hat, schickt er den Kirchendienst schnell los, ein paar Semmeln machen. Vielleicht finden Sie das komisch, aber es wäre bestimmt ein schöner Gottesdienst, im Kreis sitzen, es duftet nach Kaffee und wir reden miteinander, wie wir mit Gott leben können. Und dabei leben wir schon mit Gott. Weil wir nämlich zusammen sind. Menschen, die sonst kaum miteinander essen, die tun das auf einmal. Und sie werden satt und es tut so gut.
Und die Leute merken: der hat nicht gezaubert. Und was da wirklich war, interessiert mich auch nicht so sehr. Aber ehe man 5000 Leuten das Essen ausgeteilt hat, das dauert und vermutlich war die Zeit rum, als endlich alle was hatten. Und sie hatten was erlebt, eine riesige Gemeinschaft, sie mussten warten, sicher sogar lange warten. Was haben die gemacht? Gesessen, geschwatzt, sich kennen gelernt, sicher auch darüber geredet, warum sie eigentlich hier sind. Und schließlich was gegessen. Die wenigsten haben von Jesus was gesehen und gehört. Bei 5000 Leuten ohne Mikro und Großbildwand. Aber sie haben etwas erlebt, Jesus hatte etwas in die Wege geleitet, was wie ein Wunder war. 5000 Leute sitzen friedlich beisammen. Friedlich – auch das ist selten.
Und sie merken, das ist der, den die Welt braucht, der die Welt verändert. Der unser Leben verändert. Mir fallen dazu unsere Weihnachtsgottesdienste ein. Menschen erleben für eine Stunde etwas ganz anderes. Könnte es nicht immer so sein? Durch Jesus ist es für eine Zeit zwischen uns anders.
Ob es immer so sein kann? Die Leute wollten ihn festhalten, zum König machen. Der wird dafür sorgen, dass es so bleibt. Aber er flieht. Auch das ist aufgeschrieben. Vielleicht soll es heißen: Geht auf Jesus zu, geht ihm nach und dann lasst das ganz normale, alltägliche Leben verändern. Ihr werdet Wunder erleben- untereinander und miteinander. Amen.

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