Ein Befehl!

Liebe Gemeinde,

wir haben es im heutigen Predigttext mit einer besonderen Informationsdichte am Ende des Evangeliums nach Matthäus zu tun. Es sind die letzten fünf Verse des Buches, aber die haben es in sich. Nicht umsonst werden sie in vielen Bibeln unter dem Titel „Missionsbefehl“ aufgeführt.

Ich lese Ihnen den Text vor:

[TEXT]

Liebe Gemeinde, dieser Sonntag, der 6. nach Trinitatis, wird als Taufgedächtnis gefeiert. Getauft sind die allermeisten, die einen Gottesdienst besuchen. Wie getauft wird, das erleben Sie öfters im Laufe des Jahres, das brauche ich Ihnen also nicht mehr zu beschreiben.

Und was die Taufe ist, dass wissen Sie auch: Sie ist die Aufnahme in die örtliche aber auch in die weltweite christliche Gemeinde. Erst ab dem 2. Jahrhundert fing man an, auch Kinder zu taufen. Vorher taten das nur Erwachsene, die ihren Glauben und die Entscheidung für Christus damit bestätigten. Die Taufe, als Zeichen der Liebe Gottes zu uns, war und bleibt die Zusage uns die Sünden zu vergeben. Da aber diese Entscheidung nur Gott allein treffen kann – unabhängig von dem, was wir tun oder lassen- wurde mit der Zeit klar, dass das Alter des Täuflings keine Rolle spielt!

Was wichtig bleibt, ist, den kleinen Kindern mit der Zeit die Bedeutung der Taufe zu erklären. Hier liegt übrigens der Ursprung der Konfirmation! Sie dient nicht nur dazu, im Unterricht etwas über die Taufe zu erfahren, sondern Jugendliche darauf vorzubereiten, später selber Taufpaten zu werden.

Zusammengefasst bedeutet unser Taufgedächtnis, dass wir uns vergegenwärtigen, dass Gott uns durch die Taufe bedingungslos annimmt, den Heiligen Geist zusagt und die Sünden vergibt. Von unserer Seite setzt die Taufe voraus, dass wir bereit sind ein christliches Leben zu führen und dem Bösen abzusagen, was letztendlich zu einer Minderung unserer Lebensängste führen wird.

Das, was ich Ihnen gerade erzählt habe, ist seit fast zwei tausend Jahren fester Bestand der Kirchenlehre und verbindet uns mit der katholischen und orthodoxen Kirche zu einer christlichen Glaubensgemeinschaft. Im Unterschied zum Abendmahl, wird die Taufe aller christlichen Kirchen von den anderen Kirchen anerkannt.

Und jetzt, da wir unsere Kenntnisse über die Taufe aufgefrischt haben, lasst uns ein bisschen tiefer gehen und uns den sogenannten Missionsbefehl-Text am Ende des Evangeliums nach Matthäus anschauen.

Mal ganz ehrlich, wie ernst nehmen wir wirklich diesen Text? Er ist kein Aufruf, keine Bitte und keine liebevolle Ermahnung, sondern wie die Überschrift es bereits angekündigt hat, ein Befehl.

Und in diesem christlichen Einsatzbefehl, denn um nichts weniger geht es dabei, stehen folgende Eckpunkte fest: Wer, was, wie, wann, wo und besonders das Warum.

Das Wer ist dabei nicht umstritten. Der Autor des Evangeliums nach Matthäus lässt den auferstandenen Christus den elf übriggebliebenen Aposteln einen Auftrag erteilen. Judas, der Verräter, hatte Selbstmord begangen und war so aus dem Mitarbeiterkreis ausgeschieden. Aber wenn nur diese Elf Taufen vollziehen sollten, dann wäre das Christentum bald nach seinem Entstehen schon ausgestorben. Die Kirche ist die, die festlegte, dass die Apostel weitere ausgesuchte Menschen damit beauftragten, die Taufe vorzunehmen. Es entstand die nicht unbedingt von Jesus gemeinte Tradition der apostolischen Sukzession. Jedenfalls dürfen heute, bis auf die Ausnahmen einer Nottaufe, nur Priester und Pfarrer taufen. Ob Jesus, der selber von Johannes, der kein Apostel war, getauft wurde, es so gewollt hätte, wird für immer ein Geheimnis bleiben. Zumindest eine Sache steht fest, dass Christen andere Christen taufen.

Das Was ist schon klarer: „Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“ Interessanterweise finden wir im Taufbefehl das unbedingte „und“. Diese „und“ wird klar und deutlich als Befehl verstanden. Taufe und die Erklärung aller Punkte die Jesus seinen Jünger-Kreis gelehrt hat, gehören unmittelbar zusammen. Bedingen sie sich auch gegenseitig? Wenn ich mir einen getauften Säugling vorstelle, der im späteren Leben nie etwas von Christus erfährt, dann bin ich geneigt diese Frage mit „ja“ zu beantworten. Gott will unsere Entscheidung haben und da gehört die Kenntnis von Jesu Lehre dazu!

Kommen wir zum Wie. Johannes der Täufer hat es uns vorgemacht. Mit Wasser. Durch Jesus wird es deutlicher: durch den Geist. Aber zum Wie gehört noch etwas dazu: „Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker.“ Der Akt des Hingehens widerspricht manchen lahmgewordenen Kirchenfunktionären, die einfach warten, dass die Eltern sich irgendwann entscheiden, ihre Kinder zu taufen. „Geht hin“ bedeutet klipp und klar: Mission. „Geht hin“ und überzeugt sie, „denn es gibt keinen anderen Weg zum Vater außer durch mich“, um weiter die Schrift zu zitieren. Im Hinblick auf Atheisten und Agnostiker sehe ich keine Probleme, was diesen Befehl anbelangt, aber wie ist es mit Moslems und Juden? Ich denke, dass ein im Sinne Jesu ernstgenommener Befehl keine Ausnahmen kennt.

Wann soll dieser Befehl ausgeführt werden? Auch hier gibt es eine klare Antwort, wenn man die Bibel als Grundlage nimmt: Nach der Erteilung des Taufbefehls, vermutlich im Jahre 30/32 bis an der Welt Ende. Im Klartext, es wird getauft solange es Christen gibt, die diesen Befehl ausführen können.

Wo eine Taufe vorgenommen werden sollte wird auch deutlich aus der Aussage Christi: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker.“ Überall auf Erden soll getauft werden. Kein Volk, unabhängig wo es lebt darf ausgelassen werde. Es obliegt nicht der Entscheidung der Täufer, wo sie hingehen wollen. Der Befehl ist ausdrücklich für die ganze Welt gemeint, denn Gottes Machtbereich hat keine Grenzen.

Der letzte Eckpunkt des Taufbefehls ist das Warum. Die Antwort darauf ist, dass wir glauben, dass der auferstandene Christus unser Herr ist. Wir glauben, dass er der Messias ist, und dass er uns im Leben, im Sterben und auch am Ende aller Tage beistehen wird. „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage.“ Das sind die Worte, auf denen unser Glaube beruht, und dazu gehört, dass wir uns zu Christus bekennen. Durch die Einhaltung seiner Lehre, so wie sie von der Kirche gepredigt wird. Dazu gehört unmissverständlich auch die Taufe.

Liebe Gemeinde, ich hoffe, dass diese klaren Aussagen über den Text des Evangeliums nach Matthäus Ihnen das Gedenken an die eigenen Taufe erleichtert haben, und vielleicht so machen Gedanken über die Ernsthaftigkeit dieses Aktes bewusster gemacht hat. So möge Gott uns allen die Kraft und Ausdauer schenken um das, was wir für wichtig in Glaubenssachen erkannt haben, im Alltag auszuleben und weiter zu geben, nicht nur wie Jesus es von uns erwartet, sondern wie er es uns ausdrücklich befohlen hat.

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