Es geht weiter!

Der Wochenspruch dieser Woche erinnert mich an meine Taufe: Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Das hat man früher noch viel wesentlicher zitiert als den Auftrag Jesu, zu taufen.

Aber zu der Besinnung auf biblische Aufträge gehörte auch das Hinhören: Was wollte Jesus eigentlich nach seinem Tod. Was überlieferte die Gemeinde als seinen Auftrag?

Und dann sind wir schnell bei dem Text, der ‚Matthäi am Letzten’ heißt. Nicht nur, weil er den Abschluss des Matthäusevangeliums bildet, sondern weil für die Konzeption des Matthäus schon besonders wesentlich ist, womit Jesus seine irdische Existenz beendet:

[TEXT]

Eine Ostergeschichte zuallererst. Dass der Herr auferstanden ist, ist alleine noch nicht wesentlich für das Evangelium. Für die JüngerInnen Jesu war es natürlich wesentlich. Aber für uns? Doch wahrscheinlich nur dann, wenn es Folgen hat. Ich las in der vergangenen Woche, der Geist von Michael Jackson wäre in Neverland zu Gange. Schöne Nachricht – macht mich neugierig, bewegt mich aber nicht wirklich. So ähnlich wäre das Matthäus-Evangelium, wenn es mit der Auferstehung enden würde. Und genau darum tut es das nicht, sondern es geht weiter. Und darauf weist diese Geschichte hin.

Wer sich einmal auf diesen Jesus eingelassen hat, so will sie erzählen, der kommt davon nicht los, weil er es mit dem zu tun hatte, der im Auftrag des Schöpfers alle Macht und alle Liebe hat. Wer ihm einmal begegnet ist – ihm und seiner Liebe, der kann nicht anders, als diese Liebe immer wieder weiterzugeben und von ihr zu erzählen.

Darum lädt Jesus seine Jüngerinnnen vor seiner Himmelfahrt ein, ihm zu vertrauen, sich auf ihn zu verlassen, mit ihm neue Wege zu gehen.

Er sendet sie zu den Menschen, zu allen Menschen. Nicht weil sie so besondere Redner wären, ‚Maschinengewehre Gottes’, Strategen neuer Missionsfeldzüge. Sondern einfach, weil sie Menschen sind, die dem lebendigen Sohn Gottes begegnet sind. Die Qualität reicht.

Der Auferstandene hat keine Scheu, diese 11 Menschen in einem verlorenen Winkel der Welt (Galiläa) auszusenden, um die Welt zu retten. Das wirkt unvernünftig, aber das ist Gottes Sendung in die Welt. Er sucht nicht die Besten, sondern er sucht Menschen für Menschen. Darum bestellt der Auferstandene seine JüngerInnen auf diesen Berg.

Von diesem Berg hat man eine besondere Fernsicht – man sieht die Zukunft des Reiches Gottes. Berge sind oft Orte der Offenbarung Gottes. Hier wird offenbart, und die Offenbarung bleibt nicht folgenlos. Sie bringt Menschen auf einen Weg, den sie sich nie haben träumen lassen. Sie bringt bis heute Menschen auf einen Weg, den sie sich nicht selbst gewählt haben.

Aber sie haben die Einladung gehört, die Einladung, die weltumfassende Herrschaft Christi anzuerkennen und ihr Leben daraus neu zu sortieren. Und allein dieses Hören reicht. Es wird ja gar nicht berichtet, wie alle diesem Auftrag entsprochen haben. Von Petrus wird berichtet – klar. Andere treten dahinter zurück. Ihr Engagement wird nicht so deutlich – und ich glaube das ist auch beabsichtigt. Jesus Auftrag soll mich nicht überfordern, soll mich nicht in die Zwickmühle treiben. Sondern will mich in meinem Alltag begleiten.

Ich muss kein Petrus sein, auch kein Paulus oder Martin Luther. Ich darf ich sein, ein kleines Licht, dass Jesus in die Welt sendet. Ich darf meinen Glauben leben und den Menschen, die mit mir zu tun haben, davon erzählen. Den Menschen im Beruf, in der Nachbarschaft, im Verein, im Urlaub. Wenn ich mit ihnen rede und Leben teile, kann schon etwas wachsen an Glauben.

Wichtig ist, dass Jesus die Menschen in alle Welt sendet. Zum christlichen Auftrag gehört die Mission, gehört Menschen zu erzählen, sie zu taufen und sie lehren. In der Reihenfolge. Ich wurde mal attackiert, ob ich den Taufbefehl nicht falsch zitiere, weil die Taufe vor der Lehre kommt. Aber nichts Anderes hat Jesus selber gesagt. Und ich glaube, er hat damit gemeint, dass unser Lebensstil eine Form der Lehre, ein gutes Beispiel sein kann, und dass die Taufe nicht der Endpunkt einer Glaubensgeschichte ist, sondern nur eine Zwischenstation. Das Lernen dauert ein Leben lang und bedeutet die Lehren zu akzeptieren, die das Leben und die Schwestern und Brüder für mich bereit halten.

Lehren ist genauso eine lebenslange Sache. Nicht im Sinne geistlicher Oberlehrer, sondern im Sinne von Schwestern und Brüdern, die miteinander auf dem Weg sind zu lernen und zu lehren, was Christ Wort in ihrem Alltag bedeuten können. Von Schwestern und Brüdern, die gemeinsam fragen, was die Taufe in ihrem Leben bedeutet.

Gemeinde lebt dort, wo Menschen miteinander auf dem weg sind, sich gegenseitig mitnehmen und aufeinander warten. Darum gehört in christliche Gemeinde nicht nur Gottesdienst und Sakrament. Darum gehören dorthin auch Gemeinschaftsveranstaltungen, Jugendfreizeiten, Kindergarten und Kirchenchor. Nicht nur, weil hier irgendwelche Kräfte vielleicht rekrutiert werden könnten, sondern weil hier Gemeinde gelebt werden kann, weil hier Felder sind, in denen Schwestern und Brüder lerne können, was die Taufe für sie bedeuten kann.

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