Auf dein Wort

Unser heutiger Predigttext erzählt von Menschen, die wissen, was sie tun. Sie haben von ihren Vätern gelernt, was zu tun ist, ihre eigene Erfahrung gesammelt. Ihre Arbeit war hart und schwer, aber sie ernährte sie und ihre Familien – zumindest meistens. Heute aber nicht:

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Fischer sind da eher zufällig am Ufer und waschen ihre Netze. Bei aller Frustration, weil die Nacht erfolglos war, musste es trotzdem gemacht werden. Vielleicht lenkte es auch von der Enttäuschung ab: Eine ganze Nacht hart gearbeitet und nichts dabei herumgekommen.

Und dann – zu allem Überfluss kommt noch dieser Wanderprediger und spricht sie an: Fahrt mal mit mir ein wenig raus. Ich will den Menschen meine Botschaft nahe bringen. Sie tun es. Ich bin nicht davon überzeugt, dass sie es gerne tun. Vielleicht sind sie auch nur zu müde, zu lustlos, um zu widersprechen.

Er redet und redet. Spüren sie ihre Müdigkeit oder werden sie richtig wach, hören, dass das was dieser Prediger zu sagen hat, sie direkt angeht. Auf jeden Fall bemerkt der Prediger sie. Sie sind nicht Werkzeuge, Hilfsmittel, sondern Menschen mit Problemen. Und darin nimmt Jesus sie ernst. Er spricht sie direkt an: Hinausfahren sollen sie, ihre Netze auswerfen. Gut predigen kann er ja, aber Fische fangen. Hatte der eigentlich keine Ahnung. Die ganze Nacht haben wir uns abgemüht, keinen Fisch gefangen – und jetzt am helllichten Tag soll es klappen?

Vielleicht rührte sie seine direkte Ansprache, dass er sie mit ihren Bedürfnissen ernst nahm, vielleicht hatte sie seine Predigt bewegt – wie es auch immer war: ‚aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen’. Da war aller Glaube an Planbarkeit verloren. Nur noch das Wort war entscheidend, das Wort und das Vertrauen dahinter. Auch wenn Petrus der Einzige ist, der plötzlich redet und handelt: Gemeint ist wohl die Erfahrung aller Christinnen und Christen – die Erfahrung, wie das werden kann, wenn ich mich auf das Wort Christi einlasse. Auf jeden Fall nicht leicht. Schon unsere Geschichte warnt vor dem Aberglauben, als ginge dann alles von selbst. Harte Arbeit wartet. Erste einmal muss man der Müdigkeit trotzen und losfahren und dann auch noch schwere Lasten einholen, so schwer, dass man noch Hilfe braucht. Erst am Ende steht der Genuss. Die Jünger können ihren Fang genießen und können die Gegenwart dieses Herrn genießen, dessen volles Wesen sie wahrscheinlich nie begreifen werden.

Aber auch das dauert nicht lange. Dieser Jesus lässt sie nicht lange jubeln. Er ruft sie in seine Nachfolge. Er beruft sie zu seinen ersten Jüngern. Er beruft sie zu Menschenfischern.

Menschen fangen – ein grausam klingendes Wort, ein schrecklicher Vergleich mit üblen Folgen der Missionsgeschichte mit Feuer und Schwert. Die christliche Gemeinde hat keinen Grund mit Verachtung auf andere Religionen herabzublicken. Da gibt es genügend Versagen in der eigenen Geschichte der Intoleranz. Aber sie hat auch dieses Wort der Verheißung, das in dieser Geschichte steckt und das macht den Glauben so wertvoll. Jesus spricht Menschen nicht nur am Sonntag und nicht nur im Gottesdienst an. Er will Anteil an ihrem Alltag gaben. Er will ihnen dort begegnen, wo sie ihrer Arbeit nachgehen, dort wo sie womöglich unter ihrer Erfolglosigkeit leiden, dort wo sie vom Leben keine Überraschungen mehr erwarten. Er will ihnen dort begegnen wo sie sind, so wie sie sind. Und er will ihr Leben verändern. Er lädt sie ein in seine Gemeinschaft, damit sie Neues erfahren, damit sie ihr Leben neu ausrichten ihre Alltage – und ihre Sonntage.

Wir dürfen den Menschen in der Nachfolge Jesu begegnen. Dort wo wir Menschen im Alltag begegnen, können wir in der Nachfolge dieses Herrn, Menschen zum Glauben und zur Nachfolge einladen. Wir müssen sie nicht mehr aus ihrem Leben herauslocken. Wir dürfen sie dort besuchen wo sie sind, wo sie müde und beladen sind und ihnen erzählen von dem Gott, der die Seine besucht.

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