Zu spät

Große Teile der Evangelien sind Geschichten, die erzählt werden, damit uns geholfen wird unseren Platz zu finden im Leben und im Glauben. Da wird erzählt: Jesus lag mit Menschen zu Tisch und predigte Ihnen das Wort Gottes. Und immer wieder versuchen Menschen ihn zu provozieren und ihn anzugreifen. Einer, der das mitbekommt, sagt nur im Vorübergehen: ‚Selig ist, der das Brot isst im Reich Gottes!’

Menschen, die Jesus sehen, bei denen geschieht etwas. Es bricht aus ihnen heraus. Sie müssen Stellung beziehen und darin wird spürbar, dass dieser Mensch Jesus etwas mit dem Reich Gottes zu tun hat, dass mit ihm zusammen zu sein, einen näher heranbringt an den Willen Gottes. Das Reich Gottes wächst unter den Menschen, die Jesus begegnen, die ihm wirklich begegnen wollen; denn diese Begegnung zwingt in die Entscheidung: Was fang ich an mit diesem Jesus?: Blockier ich oder lass ich mich einladen zuzuhören.

Und Jesus antwortet sofort, indem er ein Gleichnis erzählt für diesen Menschen, der wohl überzeugt ist, dass er auf jeden Fall dazugehört:

[TEXT]

Zu diesem Gleichnis muss erklärt werden, dass Feste in der Antike anders vorbereitet und durchgeführt wurden. Klar war: Die Fete steigt. Der Termin war nicht deutlich. Der war erst klar, wenn die BotInnen kamen und verkündeten: nun ist es so weit. Und genau in diesem Moment regnet es Entschuldigungen, plausible Entschuldigungen – jede für sich. In der Summe klingt es vielleicht so, als habe schon vorweg jeder gedacht: Wenn die Einladung kommt, muss ich eine Entschuldigung parat haben. Vielleicht war es auch nur eine zufällige Sammlung plausibler Gründe.

Da war vieles wichtiger – und das war keine Ausrede. Es gab Verpflichtungen, die mussten sein – der gekaufte Acker musste abgeschritten, das neue Paar Ochsen besehen werden. Erst so wurde der Rechtsakt des Kaufes wirksam.

Absagen hört keiner gerne – und doch muss ich öfter absagen, aus Prinzip, aus wichtigen dienstlichen und privaten Verpflichtungen, aus anderen Erwägungen heraus – und ich bin sicher, meistens werden meine Absagen verstanden, aber sie tun weh – mir und noch mehr denen, denen ich da einen Korb gebe, weil mir etwas anderes wichtiger ist – und wie schnell klingt da für sensible ‘Empfängerohren’ die Botschaft durch – wichtiger als du!!!!

Das Fest droht zu kippen, aber weil dort wo kein Fest gelingt, der Alltag auch nicht gelingen kann, darf das Fest nicht ausfallen und findet statt mit denen, die Zeit haben oder sich Zeit nehmen.

Es muss hier deutlich geschieden werden zwischen Erzählebene und Botschaft. Die Erzählung könnte verlocken zu sagen: Es gibt also erste, die müssen ausfallen, damit die nächsten zum Zuge kommen. Als gäbe es bei Gott ein ‘Zu voll’. Hier wird nur den ‘Geladenen’ deutlich gemacht, dass es auch ohne sie geht, dass auch die ihre Berufung verpassen können.

Jesus erzählt die Geschichte den Menschen, die meine, dass sie im Mittelpunkt stehen. Im Mittelpunkt des Glaubens im Mittelpunkt der Gemeinde. Er erzählt eine Geschichte für Menschen mit Selbstbewusstsein: Selig sind … und ich gehöre auf jeden Fall dazu.

Ihnen will er Mut machen, ihr Leben immer neu auf den Prüfstand zu stellen. Immer neu zu bedenken, ob sie mit ihrem Leben den Einladungen Gottes noch nahe sind oder nicht längst auf dem Absprung zu einem anderen Leben, einem Leben, das Gott nur noch als Garnierung des Lebens ansieht, aber eigentlich ganz andere Mittelpunkte hat.

Die Königsherrschaft Gottes wird mit der Teilnahme an einem Festmahl verglichen. Und wer die Zeichen nicht erkennt, dass diese Teilnahme so wesentlich ist, dass alles Andere zurück stehen muss, der hat Wesentliches verpasst.

Merkmal der Kirche Christi ist, dass sie der Welt davon erzählt, dass es ein zu spät gibt, dass Menschen verpassen können, was wichtig ist, um wirklich menschlich zu leben. Der Skandal will auch noch bei uns gehört werden, auch der Skandal, dass wo wir uns verweigern Jesus die ruft, die uns lästig sind. Ich darf damit rechnen: Es kann sein, dass Gott mich einlädt und es kann sein, dass ich versage, absage. Irgendwann lädt Gott mich nicht mehr ein. Irgendwann wird Gott meine Ausreden akzeptieren ernst nehmen, mich ernst nehmen. Das Fest wird gefeiert – auch ohne mich.

drucken