Veränderungen haben Chancen

Liebe Gemeinde,
das Kaufverhalten der Deutschen ist ungebrochen. So kann man es immer wieder erstaunt von Discountern oder auch Marktforschern hören. Und man sieht es ja selber: volle Parkplätze vor den Baumärkten und Supermärkten, volle Einkaufswagen, die zu den Autos gefahren werden. Trotz Krise, trotz mancher Zukunftsangst – es geht so weiter, als wäre nichts geschehen. Konsum und Partys feiern ist nach wie vor die Hauptreligion in unseren Land. Das gibt dem Leben Sinn und daran hat sich bisher nichts geändert. Man hat den Eindruck, die Krise wäre so etwas wie ein kleiner Unfall, dessen Folgen schnell vorüber gehen werden. Der Staat gaukelt uns vor, dass es so sein könnte. Die Abwrackprämie wird einfach mal so verlängert, also muss doch genug Geld da sein, Kurzarbeitergeld wurde verlängert und danach wirds schon wieder. Wie aber, wenn das, was wir erleben, eine Katastrophe ist, wie aber, wenn es so nicht wieder wird und wir beim übernächsten Weihnachtsfest den Euro dreimal rumdrehen müssen, bevor wir ihn ausgeben. Wie aber, wenn sich die ganze gewohnte Ordnung unseres Lebens auflöst.
Wie abgedreht unsere Welt ist, habe ich vor ein paar Tagen im Radio gehört. Da brachten die Nachrichten, dass Praktika-Digitalkameras aus Dresden weltweit gefragt sind. 590 000 wurden 2008 gefertigt. Trotz Krise haben die Discounter Großaufträge geordert. Und im letzten Satz der Meldung hieß es: aus Kostengründen werden diese in Asien produziert. Die Kameras riechen alle nicht mal Dresdner Luft und man fragt sich, wer in Dresden hat denn für die Kameras noch Arbeit? Das ist nicht mehr normal. Aber an den Preis kann man sich gewöhnen: 79 Euro. Nun werden Sie sich wundern, was ich mit all dem will.
Nun, ich ahne es und Fachleute belegen es, dass diese Wirtschaftskrise den gesamten Ballon unseres so schön eingerichteten Lebens zum Platzen bringt. Es könnte passieren, dass alles, was heute gilt, morgen keinen Wert mehr hat. Wir wissen das natürlich schon lange, wir reden vom Werteverlust, beklagen die Gewalt, die sich überall breit macht und wissen natürlich, dass unser Lebensstil das Leben auf der Erde bedroht. Nur verändert hat es nichts. Denn das wirtschaftliche Wohlergehen, der kurzfristige Spaß sind uns immer noch das Wichtigste. Ich sage uns, weil mir das natürlich auch so geht. Ich fahre nun mal gern Auto und esse gern mal ein Staek, obwohl ich weiß, dass die Tiere furchtbar gequält werden.
Und jetzt kommt diese Krise und deutet an, dass alles total anders werden kann. Die Menschen in Island galten als das glücklichste Volk Europas und sind jetzt auf das Niveau von 1945 zurück gefallen. Was wird aber, wenn alles anders wird? Vorstellen kann ich es mir nicht und will es ja auch nicht. Und wenn es anders wird, gibts eine neue Krise, eine Sinnkrise. Wie sieht das Leben aus? Oder anders? Was ist eigentlich Leben?
Wenn wir darauf eine Antwort finden, kommen wir durch die Krise. Eine Antwort? Da bin ich ziemlich ratlos. Denn die geht nicht nach dem Motto: man müßte mal. Wahrscheinlich müßte ich sagen: ich müßte mal. Und dafür gibt es Antworten. Nun werden Sie sagen: nun sags doch endlich, gehört sich doch auch so – die stehen in der Bibel. Vielleicht klingt das sehr einfach, aber wenn nicht das drin steht, was denn dann sonst? Wenn christlicher Glaube uns keinen Lebenssinn eröffnet, was denn dann sonst? Und wenn die Worte von Jesus uns nicht in eine Ethik des Lebens führen, mit der man überleben kann, was denn dann sonst? Und während wir einerseits spüren und es beklagen, dass wir weniger werden, dass das Interesse an Kirche geringer wird, scheint andererseits die Bedeutung dessen, was Glaube ausmachen kann, zu wachsen. Vielleicht haben wir zu lange einfach so dahin gelebt, uns in unseren Kirchen eingerichtet und eine Funktion vergessen. Jesus sagt damals: ihr werdet meine Zeugen sein. Ihr werdet für das gerade stehen, was das Leben mit mir ausmacht. Man kann ja staunen, wie sich eine kleine Gruppe von Jesus Anhängern in eine weltweite Kirche entwickelt hat. Und alle Macht der Welt hätte das wohl nicht geschafft, wenn nicht Menschen dafür eingestanden wären, dass es sich lohnt. Zeugen waren sie. Zeugen dafür, dass diese Welt Gottes Welt ist, sie waren nicht nur Umweltschützer, Zeugen waren sie dafür, dass wir Menschen als erstes füreinander da sein sollen, Zeugen dafür, dass es lebenswertes Leben gibt, auch wenn uns, wie jetzt in der Krise, die Felle davon schwimmen. Zeugen dafür, das Veränderungen Chancen haben. Ich weiß nicht, woran Frau Merkel gedacht hat, als sie gesagt hat, die Krise habe eine Chance, aber ich weiß, dass eine Krise manches wegnimmt, damit wir anderes, Neues, gewinnen. Wenn die Wirtschaft wegbricht, werden wir merken, dass man Glück nicht kaufen kann. Und dass ein fröhlicher Abend nicht darin bestehen muss, Massen von Fleisch in sich hinein zu stopfen. Vielleicht lohnt es sich für eine Gemeinde einmal, zu überlegen, was für eine Gesellschaft wollen wir sein, auch, was für eine Kirche wollen wir sein? 1989 haben wir vielleicht gedacht, wir sind im Paradies angekommen, in einer Zeitung erzählen Menschen, was sie mit ihrem Begrüßungsgeld damals gemacht haben. Heute wissen wir, das Ende dieser Gesellschaft war schon eingeläutet. Wir wissen aber auch, dass ein Ende, das sagt uns Ostern, einen neuen Anfang in sich birgt. Dafür sind wir Zeugen. Mit unserem Leben. Damals hatten die Jünger Angst: wir sollen jetzt sagen, was dran ist? Ja, ihr, sagt Jesus. Aber ihr seid nicht allein. Gott schickt den Tröster, den Beistand, seinen Geist. Der wird euch die Ideen geben, die ihr sucht, er wird euch den Mut geben, es anders zu probieren, er wird euch verstehen lehren, wie gelingendes Leben aussieht. Er wird euch trösten, weil es eben nicht sein wird, wie die Maueröffnung und ihr plötzlich im Licht des KDW standet. Es wird ein anderes Licht sein, das euch durchbringt. Aber am Ende ein besseres. Nächste Woche feiern wir wieder das Fest, wo dieser Tröster kommt. Es möge uns Mut machen, mit Jesu Ideen und seiner Kraft zu bezeugen, dass wir uns freuen dürfen auf ein ganz lebendiges Leben, auch wenn die Krise uns manches nehmen wird. Amen.

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