Bestellung beim Universum

Liebe Gemeinde zwischen Himmelfahrt und Pfingsten!

Wissen Sie, was eine „kosmische Bestellung ist“?

Eine klar formulierte Bitte, die in Gedanken in den Kosmos geschickt wird, ein eindeutiger Wunsch, dessen Erfüllung beim Universum in Auftrag gegeben wird. Für banale Dinge oder auch für weitreichende Geschehnisse. Im Grunde ist es so etwas wie eine säkularisierte Fürbitte. Es gibt Bücher darüber: „Der kosmische Bestellservice. Eine Anleitung zur Reaktivierung von Wunder“, „Bestellungen beim Universum. Ein Handbuch zur Wunscherfüllung“ oder es kann das internet dazu benutzt werden. Dort habe ich ein bisschen gestöbert und möchte sie daran teilhaben lassen. (www.bezauberer.de) Ich fand dort eine Art Gebrauchsanweisung für eine kosmische Bestellung. „Worum geht es hier?

Bekommen, was man will. Klingt gut, oder? Ungeahnte Potentiale freisetzen! Zufälle und Chancen entdecken, Veränderungen zulassen, die einem bei der Wunscherfüllung helfen wollen. Das Bestellen hat weniger mit Esoterik zu tun als mit selektiver Wahrnehmung und positiven Denken. Viele Chancen übersieht man einfach im Alltag. Wie funktioniert eine Bestellung?

Sich überlegen, was man gerne hätte, klar. 🙂 Es genügt offen für diese Idee zu sein, dass es funktionieren könnte – man muss anfangs nicht dran glauben. Man sollte sich etwas Zeit dafür nehmen

Einen Zeitpunkt für Wunscherfüllung festlegen, wann die Bestellung eintreffen soll, sonst lässt sie unter Umständen sehr sehr lange auf sich warten. Bestellen kann man immer und überall – auch hier. Die Bestell-Hotline des Universums schläft nie. Bestellt werden kann auf alle erdenklichen Arten – also einfach eine Stossbestellung Richtung Himmel "Liebes Universum, hiermit bestelle ich einen Parkplatz direkt in der Strasse vor dem Haus und zwar wenn ich jetzt um die Ecke biege." Wünsche, die nicht den freien Willen einer anderen Person respektieren, der für die Wunscherfüllung aber nötig wäre, haben meistens negative Auswirkungen. Bei allen Themen geht es darum zu tun, was auch immer man möchte, aber niemandem dabei wehzutun, zu zwingen oder zu belasten. Es zählt die Leichtigkeit bei den Bestellungen.

Wie klappt die Bestellung noch besser?

Gewisse Intensität und Konzentration auf wirklich wesentliche und wichtige Wünsche sollte doch da sein. Bei grossen oder "übertriebenen" Wünschen sollte man sich sicher sein, dass man das auch will (Lottogewinn, Erfolg, Karriere), da man auch die Folgen beachten sollte und tragen muss. Das Universum hinterfragt nicht die Bestellung – es liefert nur. Ein besseres Gefühl und Aussicht auf Erfolg bei den eigenen Wünschen hat man, wenn man andere Menschen bei ihrer Wunscherfüllung unterstützen kann, bzw. mehr Lächeln in die Welt bringt. Bestellungen die Negativformulierung, die Worte "kein" und "nicht" enthalten, funktionieren nicht wirklich. Jemanden Unglück wünschen funktioniert also nicht.

Was muss ich dafür tun?

im Parkplatz-Zweikampf dem anderen den Vorrang lassen, sich über "Warten" freuen und dabei ein Gespräch beginnen anstatt sich zu ärgern, liebe Menschen zum Essen einladen, dem Nachbarn ein Geschenk vor die Tür legen, in die Geldrückgabe eines Automaten 50 Cent legen, nette Briefe und Postkarten verschicken, jemanden Fremden auf der Strasse eine Blume schenken, einsame Menschen besuchen, Blut oder Knochenmark spenden, einfach anderen eine Freude bereiten, einmal weniger zu lügen, (denn glückliche und zufriedene Menschen achten auf ihr Umfeld und die Natur und die Natur (das Universum) ist an diesen Menschen interessiert.)“

Was sagen Sie dazu?

Viele religiöse Komponenten darin: Sogar so etwas wie ein Mini-Gelübde wird dort angeregt. Ein Deal mit dem Kosmos?!

Und dann gibt es dort viele Beispiele … Das meiste auf Beziehung und Liebe bezogen (40.000 Einträge) , aber es geht auch um Geld, Erfolg und Gesundheit (5000 Einträge).

Viele Bestellungen sind banal, manche Wünsche rührend naiv. „Liebes Universum, hiermit wünsche ich, dass Andy mich morgen mittag anruft und mir seine Gefühle offenbart und sagt, was er für mich empfindet!!!

Ich bin bereit für die Erfüllung zu geben: an diesem Freitag die Wasservögel im kleinen See zu füttern, bis diesen Sonntag jedem Bettler, der über meinen Weg läuft, etwas klein Geld zu geben“

Andere Wünsche sind ergreifend und schwerwiegend.

„Liebes Universum, bisher habe ich mich nur bezüglich Parkplatz-bestellungen an Dich gewand, nun möchte ich einen sehr wichtigen Wunsch an Dich richten. Meine Mutter liegt wegen Darmverschluss im Krankenhaus und es soll morgen (15.04.08) eine Darmspiegelung mit anschließender Biopsie vorgenommen werden. Ich bestelle mir…, dass die Gewebeprobe ergibt, dass das Tumorgewebe gutartig ist!!!“

Warum ich Ihnen das alles vortrage? Weil ich unseren heutigen Predigttext in so einem krassen Gegensatz dazu empfinde. „Der Geist hilft unserer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen (wie sich’s gebührt), sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen.“

Ich bin froh, als Christin mehr zu haben als einen kosmischen Bestellservice, bin froh, dass ich nicht selber immer wissen muss, was für mich gut ist und mich nicht selber aus dem Sumpf ziehen muss. Ich bin dankbar, als gläubiger Mensch, für Situationen, in denn ich selber keine Worte mehr finde, auf den Heiligen Geist vertrauen zu dürfen, der dann für mich eintritt, wenn alle Worte versagen … Wenn das Leben nicht mehr leicht ist, sondern bleischwer und belastet, wenn das, was einem Menschen widerfährt ihn zu Boden drückt und die Sprache verschlägt … wenn eine Mutter nicht mehr weiß, was sie ihrem Kind am Abend zu essen geben soll und der Vater seinen ganzen Lohn für zwei Säcke Reis ausgeben muss … wenn eine Frau – wie jetzt in Österreich – 24 Jahre vom eigenen Vater gefangen gehalten und vergewaltigt wird … wenn Eltern ihr totes Kind in den Armen halten … Dann ist es nichts mehr mit Leichtigkeit und klar formulierten Bitten und eigenem Anteil zur Erfüllung der Wünsche … dann ist dort Verzweiflung, Ohnmacht, Finsternis, Hoffnungslosigkeit … dann versagen alle Worte. „Dann nimmt der Geist sich unserer Schwachheit an (..) und tritt selbst für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können. Und Gott, der die Herzen erforscht, weiß was die Absicht des Geistes ist.“

Wenn mir alles aus den Händen gleitet im Leben, wenn ich verzweifelt und am Ende bin, tritt der Geist Gottes für mich ein. Daran erinnert uns der Apostel Paulus mit diesen Sätzen zwischen Himmelfahrt und Pfingsten – in dieser Zeit zwischen schon-verloren und noch nicht-getröstet, zwischen allein/verwaist-zurückbleiben und in -Gemeinschaft-Kraft-erfahren. In der Zeit dazwischen- ohne festen Boden unter den Füßen- wenn wir mit leeren Händen und geschlossenen Augen dastehen, „Dann nimmt der Geist sich unserer Schwachheit an (..) und tritt selbst für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können.“ Und der Geist, der mit einem Seufzen unsere Bedrückung, unser Unglück, unsere Verzweiflung nach außen bringt, unverständlich für Menschenohren – trägt sie nicht in ein unendliches Universum oder in die Natur an sich, sondern kennt einen Adressaten … Gott, den Vater Jesu Christi und Jesus Christus selber, der weiß, wie hart, schmerzhaft und grausam das Leben auf Erden sein kann. Und der Apostel Paulus weiß; „dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen …“ In unserer Schwachheit, an den Tiefpunkten unseres Lebens können die meisten von uns das nicht einmal glauben. Und davon überzeugt sind wohl nur wenige.

Dennoch …

Wenn alle kosmischen Bestellungen ins Leere laufen, alle Verpflichtungen zu einem freundlicheren Umgang, Versprechungen von guten Taten nichts fruchten, wenn wir trotz aller Aufmerksamkeit, das Gute in unserem Leben zu entdecken und zu ergreifen, nicht aus der Krise herauskommen, wenn alles um uns her in Scherben liegt und der morgige Tag wie eine unerfüllbare Aufgabe droht, „Dann nimmt der Geist sich unserer Schwachheit an (..) und tritt selbst für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können.“

Amen und Danke

drucken