Zappelphillip

Liebe Gemeinde,

ich stehe im Supermarkt an der Kasse, ein paar volle Einkaufswagen vor mir, die zweite Kasse ist wieder mal geschlossen. Und ich habe keine Zeit. Eine Frau hinter mir schiebt mir ihren Wagen ins Kreuz. Nicht mal Rentner haben Zeit. Und vor mir hat eine Mutter Streß, weil ihr Kind die Kassenzone von den Süßigkeiten leer räumen will. Und jetzt holt der Mann da vorn sein Geld raus, der will doch nicht etwa das Kleingeld hinzählen, die Ruhe möchte ich haben. Endlich bin ich dran. Natürlich hab ich die falsche Pin eingegeben, bei dem Streß kein Wunder, endlich raus. Oh nein, der hat aber nah ran geparkt, und wie komm ich ins Auto? So schlank war ich früher mal.

Ich wünsch mir einfach mal Ruhe. Warum jage ich eigentlich so durchs Leben. Gestern bekam ich ein teures Foto vom Landratsamt, weil ich auf dem Weg zum Gottesdienst am Ostersonntag zu schnell war. Nötig war es nicht. Und das geht ja nicht nur mir so. Termine jagen uns, Feste und Feiern. Die Finanzkrise macht uns zu schaffen, jeden Tag neue Nachrichten. Ich hab den Wunsch, es ginge vorüber, schnell, dass man wieder ein normales Leben führen kann. Überhaupt, ein normales Leben führen, die Natur genießen, mit den Enkeln spielen und vor allem Ruhe, einfach Ruhe finden, so ganz tief drin. Aber geht das überhaupt? Kann ich das noch? Und da fallen mir Sätze ein, die von Jesus aufgeschrieben sind.

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Da bleibe ich hängen. Jesus kannte also auch schon unruhige Menschen. Das ist nicht nur mein Problem, das gabs damals auch schon. Und Jesus weiß einen Weg. Er weiß, dass wir keine Zappelphillips sind, sondern dass unsere Unruhe eine tiefe Ursache hat. Dass unser Leben oft so belastet ist, dass wir keinen Frieden mehr finden. Dass wir uns übereinander ärgern, voreinander Angst haben und so viel mit uns herum schleppen, dass wir einfach bald nicht mehr können. Und dann stehen wir an der Kasse oder an der roten Ampel und denken, das kann doch nicht wahr sein. Auch das noch. Wieso denn auch das noch – was ist denn da noch alles da? Und darum geht es. Manchmal wird das Leben zur Last und dann sind es Kleinigkeiten, die uns fertig zu machen drohen. Oder auch große Dinge. Denn in den nächsten Jahren wird es viele Umstellungen und persönliche Krisen geben. Sind wir darauf vorbereitet? Haben wir die letzten 20 Jahre nur im Goldenen Westen gelebt, ohne daran zu denken, dass es so gar nicht weiter gehen kann.

Jesus hat Menschen mit Lasten einfach eingeladen. Kommt her zu mir. Ihr beladenen. Ihr mit Eurer Hektik und eurer Angst, Ihr mit Eurer Wut und mit Eurer Hilflosigkeit. Ich will euch erquicken. Das hieße: ich will euch erfrischen. Und das wiederum könnte heißen: ich will eurem Leben neue Kraft, neuen Antrieb, neuen Sinn geben. Wäre die Frage, wie das geht. Und Jesus sagt: stellt euch unter meine Leitung. Richtet euer Leben nach mir ein. Und das ist das Entscheidende und Anstrengende. Denn wir haben ja alle unsere Regeln und Vorstellungen. So wird es gemacht, sagen wir. Und so musst du es machen, sagen wir unseren Kindern.

Und wir geben damit weiter, was uns schon weiter gegeben worden ist und wo wir meinen, so muss es sein.

Und Jesus sagt: es gibt nur ein einziges: so muss es sein. Und das sind meine Spielregeln.

Und da kann natürlich jeder sagen: und warum gerade der. Da kann ja jeder kommen. Und Jesus sagt selber: weil ich sehr gut weiß, wie Gott das mit euch will. Ich habe einen direkten Draht zu Gott, den Ihr nicht habt. Und ich kann euch das weitergeben, sozusagen im O-Ton, was Gott Euch sagen möchte.

Und hier liegt unsere Entscheidung. Nehmen wir das ab, dass Jesus das so sagen kann, dass Jesus diesen Draht zu Gott hat, oder halten wir den Jesus für einen ganz guten Menschen, aber das wars dann auch. Das wars dann wirklich und wir müssen uns weiterhin mühen und durchs Leben schleppen. Ist er aber der Draht zu Gott, lohnt es sich, seinen Ideen nachzugehen. Und das sind Ideen, die uns unser Leben ganz anders einrichten lassen. Jesus wird uns wahrscheinlich nicht sagen, wie wir die Finanzkrise beenden können. Aber er kann uns sagen, wie wir in dieser und anderen Krisen menschlich bleiben können. Es gibt ja Politiker, die davon reden, dass es Unruhen geben könnte. Und Unruhen können heilsam sein, weil das Volk sich wehrt, sie können aber auch in einer Katastrophe enden, wenn die Menschlichkeit auf der Strecke bleibt. Wir können lernen, mit weniger zu leben oder wir können wie die Tiere übereinander her fallen. Kommt her zu mir mit all den Lasten, sagt Jesus, damit es euch in den Lasten erträglich geht. Und ich denke, es könnte in diesen schwierigen Zeiten, die wir jetzt haben und die vielleicht noch schwieriger werden, eine Chance sein, in diesen undurchsichtigen Situationen einen zu haben, der sozusagen für unser Leben den Durchblick behält. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich habe manchmal den Eindruck, man ist als der kleine Mann so etwas wie ein Spielball, wir stehen wie an der Kasse an, werden von hinten geschubst und andere nehmen uns den Platz weg und das macht Druck, das macht Hast und Unruhe. Und da zu wissen, einer weiß, wo wir hin gehören, einer weiß, wie unsere Seelen getrost bleiben. Was ich euch zeige, ist gut für euch, sagt Jesus. Und das hat Auswirkungen auf unser Leben. Tag für Tag.

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