Auferstehung – ich weiß nicht wie; aber der Herr ist wahrhaftig auferstanden

ihr fragt
wie ist die auferstehung der toten? 
ich weiß es nicht

ihr fragt wann ist die auferstehung der toten? 
ich weiß es nicht

ihr fragt gibt’s eine auferstehung der toten? 
ich weiß es nicht

ihr fragt gibt’s keine auferstehung der toten 
ich weiß es nicht

ich weiß nur wonach ihr nicht fragt:
die auferstehung derer die leben

ich weiß nur wozu ER uns ruft:
zur auferstehung heute und jetzt (Kurt Marti)

Ich würde ja gerne einmal eine Lanze für Thomas brechen, der immer als der Ungläubige gescholten wird. Alles wie, wo und warum bleibt doch letztlich unbeantwortet. Wie soll denn Auferstehung der Toten aussehen? Wie soll denn der Auferstandene aussehen? Ich weiß nur eins mit Sicherheit: das von den Toten noch keiner zurückgekommen ist.

Die Wahrheit – seit Menschen Gedenken – scheint doch einfach und eindeutig zu sein: Tot bleibt tot, an seiner Macht ist nicht zu rütteln, uns bleibt nur unsere Ohnmacht in seinem Angesicht. Es wird doch weiter munter geboren, gelebt, aber eben auch gelitten und gestorben. Der Albtraum hört nicht auf, aber wir wachen eben auch nicht auf und könnten dann sagen: es war ja alles nur ein Traum.

Ostern ist ein Fest, ein Bekenntnis, ein Glaube gegen allen Augenschein und gegen alle menschliche Vernunft. Ostern ist nicht plausibel, nicht logisch, eben auch nicht vernünftig. Die Antwort auf die Frage nach dem Wie müssen wir ehrlicherweise schuldig bleiben, weil es darauf keine andere Antwort gibt als die, dass das Gottes Geheimnis ist und bleibt.

Allein schon aus diesen Gründen ist mir Thomas eigentlich sehr nahe und sympathisch, weil er genau die Situation der – sicher auch hoffenden und glaubenden – Gemeinde vertritt. Wir hören die Botschaft wohl, aber wir sind nun mal nicht Augenzeugen, wir sind bestenfalls mit Thomas Ohrenzeugen dieser Botschaft, denn auch wir waren „nicht bei ihnen, als Jesus kam“ (Joh.20,24). Es ist doch mit Sicherheit nicht so, dass Thomas nicht glauben will. Er kann es zunächst einfach nicht. Und er steht dazu.

Diesen Mut haben unter uns, die wir uns als Christen verstehen, nur wenige, aber Zweifel haben viele. Selbst Kurt Marti flüchtet sich mit seinem Gedicht „Ihr fragt…“ ja in ein Verständnis von Auferstehung, die allein (?) vor dem Tod mitten im Leben gilt. Und die Antworten auf die Frage nach der Auferstehung und ihrer Wirklichkeit und Wirksamkeit aus dem Munde vieler vermeintlich Berufener klingen oft auch sehr schön, ganz im Sinne von : Ostern meint eben, dass die Sache Jesu weitergeht, selbst wenn er im Grab liegen bleibt. Wir stehen heute auf zum Leben. Aber Auferstehung nach dem Tod ?

Glauben wir an die Auferstehung der Toten oder mit den Worten der Väter und Mütter gar „Auferstehung des Fleisches“ und „das ewige Leben“? Für mich sind das keine rhetorischen Fragen, sondern zutiefst existentielle, weil es für mich darum geht ob ich in solchem Glauben nicht nur getrost leben, sondern dann auch dereinst getrost sterben kann. Getrost, weil das Leben am Ende die Oberhand behält, weil Gott am Ende das Leben in den Händen behält. Ja, wer wie Thomas nicht selbst dabei gewesen sein kann, der stellt seine Fragen – zu Recht; der möchte es gerne nicht nur sehen, sondern anfassen dieses Wunder des Auferstandenen. Aber es bleibt ein Geheimnis, das nur der Auferstandene selbst lüften kann, in dem er sich zeigt, in dem er sich erfahren lässt als einen, der im Leben ist; in dem er Menschen begegnet, Menschen ruft und in den Dienst nimmt.

Das tut er bis heute, wenn auch auf andere Weise. Die Ostergeschichten können und wollen das Ostergeheimnis nicht lüften, aber sie bewahren zeitlose Ostererfahrungen und bewahren uns mit dem, was sie nicht erzählen und beschreiben vor fatalen Missverständnissen. So zum Beispiel vor dem Missverständnis, Auferstehung der Toten sei so etwas wie erfolgreiche Re-Animation, Wieder-belebung eines Toten. Auch das ist und wäre ein Wunder, das heute Gott sei Dank in vielen Fällen auch möglich ist und Menschen ihr Leben ein zweites Mal schenkt. Fast jeder und jede kennt wohl mittlerweile einen Menschen, der schon einmal ins Leben zurückgeholt wurde, aber eben nur, um dann am Ende doch dem Tod unterliegen zu müssen.

Nein, Jesus, von den Toten auferstanden, ist nicht mehr ganz in dieser Welt und noch nicht ganz in Gottes Welt. Von ihm wird erzählt wie von einem Grenzgänger im Niemandsland, unterwegs, aber noch nicht am Ziel. Mal wird er nicht erkannt und für einen Gärtner gehalten. Beinahe eine komische Situation, wie Maria Magdalena, den Auferstandenen fragt, wo er denn den Toten hingetragen hätte. Mal kann er Stunde um Stunde mitwandern unterwegs nach Emmaus und die Schrift erklären, ohne erkannt zu werden. Dann brennt mit einem Mal das Herz oder werden die Augen beim Brechen des Brotes aufgetan, und schon entzieht sich der Auferstandene wieder von einem Augenblick zum anderen. Mauern und Türen können ihn nicht aufhalten. Raum und Zeit können ihn nicht festhalten so wie sie unser Raum und unsere Zeit zum Leben sind. Da bricht immer wieder für einen Moment etwas von Gottes Welt und Wirklichkeit herein in unsere Wirklichkeit, wie ein Lichtstrahl aus einer anderen Welt, wie ein Windhauch, von dem wir nicht genau wissen woher er kommt, den wir aber sehr genau spüren auf unserer Haut.

Jesus zeigt seine Wunden, so als wollte er sagen: schaut doch, ich bin es wirklich, kein Geist, kein Phantom, keine Illusion, sondern der Gekreuzigte, der am Kreuz gestorbene, ist der Auferstandene, der euren Weg kreuzt, in eure Mitte kommt und dort seinen Frieden und seinen Geist zurücklässt. Deswegen darf am Ende Thomas auch seine Hände in die Wundmale legen, damit er gewissermaßen stellvertretend für uns Gewissheit erlangen darf, dass da kein anderer als Jesus selbst in die Mitte getreten ist und in der Tat die Sache Jesu weitergeht, weil Jesus in Gottes Gegenwart und in unserer Mitte lebt, dem Tod entkommen ist, ihm den letzten Schrecken geraubt hat. Ein Hauch, ein Strahl aus Gottes Welt in unserer Wirklichkeit.

Ich glaube, dass dieser auch heute noch genau so zu spüren ist, wie in dem Haus, in dem Jesus in den Kreis seiner verängstigten Jünger getreten ist, damit sie froh werden. Da, wo der Friede des Auferstandenen uns berührt, sein Friedenswunsch bei uns ankommt, geschieht das. Vielleicht ja gerade hier und heute in der Nachdenklichkeit und Stille dieses Gottesdienstes, in stiller Zwiesprache in der Weite und Geborgenheit einer Kirche, bei einem Osterspaziergang, in einem Gespräch über Gott und die Welt, oder am Tisch des Herrn, wenn mir Brot und Wein und damit Christus selbst gereicht werden.

Durch Hände, die mir zum Segen aufgelegt werden, oder die sich mir zum Friedensgruß entgegenstrecken, berührt mich Christus. Sein Wort, dass mich von aller Sündhaftigkeit losspricht und mir zusagt, dass durch ihn Gott mir gut ist und es gut mit mir meint, wird mir zum Osterzeugen und verändert mein Bewusstsein und mein Sein, denn es ist ein lebendiges, ein Gotteswort. Gottes Geist in mir, das Brennen in meinem Herzen, der tiefe Glaube und das zuversichtliche Vertrauen, die mich im Leben und durch das Leben tragen, erzählen mir auf Schritt und Tritt, dass er lebt und Leben schenkt. Menschen, die mir von ihrem Glauben erzählen, laden mich ein der Wirklichkeit des Auferstandenen zu trauen, auch wenn ich nicht weiß wie.

Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt. Ich weiß, dass er vom Tod erstanden ist, dass Gott wunderbar gehandelt hat, ins Leben und ins Licht gerufen hat und rufen wird. Kurt Marti hat recht: das beginnt nicht erst irgendwann nach dem Tod am Ende der Zeiten an einem irgendwie gearteten jüngsten Tag. Nein, das fängt heute an, da wo Menschen wie Thomas mit aller Konsequenz bekennen: mein Herr und mein Gott. Ein solches Bekenntnis muss schließlich Konsequenzen für das Leben und für den Tod haben. Aber es hört auch noch lange nicht auf, wenn ich dem Tod begegne, denn dann werde ich verwandelt und ins Licht und in die Gegenwart Gottes gerufen. Den Weg hat Jesus mit Kreuz und Auferstehung gewiesen und Gott hat das Tor weit aufgestoßen.

So dürfen wir heute schon aufstehen und leben aus der Gewissheit: der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja. Und der Friede des Auferstandenen sei mit euch und bewahren eure Herzen und Sinne.

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