Der Tod ist gebannt!

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn,

wir haben das Predigtwort für die heutige Osternacht bereits in den Lesungen gehört. Wir finden es beim Evangelisten Matthäus im 28. Kapitel, die Verse eins bis zehn:

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Wenn wir die Evangelien lesen, um diese Szene vor Augen zu bekommen, so werden wir ganz unterschiedliche Darstellungen finden. Das ist nicht weiter verwunderlich, weil doch keiner der Evangelisten mit vor Ort war und gesehen hat, was die Frauen am Grab gesehen hatten. So schreibt jeder, getrieben durch den Geist Gottes die Kernaussage hin, um die es heute geht: „Jesus ist von den Toten auferstanden!“ Und jeder schreibt es so, wie es seinem Evangelium und seiner Zielrichtung entspricht. Unser Matthäus macht ein großes Getöse um die Auffindung des leeren Grabes: Ein Erdbeben geschah, ein Engel kam mit einem weißen Gewand und seine Gestalt war wie der Blitz, so dass die Wachen vor Schreck wie tot waren. Matthäus kann es nicht anders fassen: diese Auferstehung von den Toten ist so unerhört, so ungeheuer, dass es dabei nicht anders zugehen kann als mit Erdbeben und Blitzgestalten. Die Feinde – die römischen Soldaten – müssen dabei vor Schreck verstummen. Wir heute, die wir an Gottes Sohn glauben und auf ihn für unser Leben vertrauen, müssen nicht richten zwischen den verschiedenen Darstellungen. Wer nachher noch in den Hauptgottesdienst gehen wird, wird dort die Sichtweise des Markus kennen lernen. Im Gegenteil: wir dürfen uns die je einzelnen Sichtweisen zu eigenen machen und sie betrachten als verschiedene Facetten der einen Wirklichkeit. Wir werden sehen, welche davon uns als Einzelnem mehr entspricht. Matthäus fasst es zu Recht als ein unglaubliches Geschehen auf. Solcherlei ist noch nie zuvor geschehen: dass Gott selbst am Kreuz sterben kann und dass er wieder aufersteht, um uns klar zu machen: der Tod ist besiegt! Darum geht es an Ostern – darum geht es im Christenleben. Und wer es als Bestätigung gerne sieht, der darf das Erdbeben nehmen und die Blitzgestalt, strahlend weiß wie der frische Schnee, um hinter diese Botschaft ein dickes Ausrufezeichen zu setzen: „Alles, was mit jenem Tod zusammenhängt, hat keine Macht mehr in meinem Leben!“ Wer einmal Comics gelesen hat oder noch liest, der kennt diese Superhelden, die wie ein Blitz durch die Nacht fahren, um dem Guten zum Sieg zu verhelfen – es gab sogar mal eine deutsche Adaption von Asterix und Obelix: dort hieß der kleine Germane: Fritze Blitz. So drücken die Comicfiguren das aus, um was es heute geht. Hinter dieser Tat Gottes steht ein unglaubliche Macht und Autorität, am ehesten zu vergleichen eben mit der Kraft von Erdbeben, dem Donner und dem Blitz. Und vielleicht ist dies als Hilfestellung für unser Leben gar nicht so schlecht. Wenn mich wieder einmal die Sorgen drücken – wenn mich wieder einmal das Nachdenken belastet, wie es denn nun weiter gehen soll. Wenn die Angst mich wieder packt, wie es mit der Gesundheit bestellt ist oder mit der Möglichkeit, wie ich überhaupt noch auskommen soll mit dem Wenigen, was mir geblieben ist. Dann sollte man laut ausrufen dürfen: „Donnerzack! Nicht mit mir! Ich bin ein geliebtes Kind Gottes!“ Sie kennen vielleicht die Legende, wie der Reformator Luther das Tintenfass nach dem Teufel geschleudert hat. Ich meine, in der Wartburg wird immer noch der Fleck an der Wand bei den Führungen gezeigt. Im Grunde ist es die gleiche Haltung: auf den Tisch hauen und dem Bösen, dem Versucher widersprechen! „Nicht mit mir, Satan! – Ich weiß, dass mein Erlöser lebt!“ Wer später noch die Markusfassung hören wird, bekommt einen anderen Weg gezeigt, so wie ihn Markus gesehen haben mag. Aber beide Wege sind legitim – beide Darstellungen sind erlaubt, weil es doch um das Gleiche geht. Dieser Gott am Kreuz hat mir persönlich alles abgenommen, was mich an einem Weg zu ihm hindern könnte. Und jetzt bin ich frei! Wenn Menschen heute von Engeln reden, so habe ich nichts dagegen einzuwenden, solange diese Engelwesen nicht Gottes Funktion übernehmen. Sie sind nicht anzubeten, sie sind keine Schutzgeister, die ich gnädig stimmen müsste oder ähnliches. Nicht diesen ganzen Unsinn, der in der Esoterik so teuer verkauft wird. Nein, im Engel, wie hier bei Matthäus, kann ich mich Gottes Kraft vergewissern. Eine Blitzgestalt ist das! Es wäre einen Versuch wert, den Auftrag auszugeben, einmal diese Blitzgestalt zu malen, um zu sehen, wie die Menschen sich so etwas vorstellen. Klar, rein, schön, weiß wie Schnee: diese Gestalt verweist mich auf Gottes Allmacht! So weiß können auch nach der besten Wäsche unsere Altartücher niemals werden, so rein, so sauber, um dieses auszudrücken: hier ist kein Tod mehr! Warum wird dies so deutlich erzählt? Wir wissen es alle: weil wir täglich mit dem Tod noch leben müssen. Vieles stirbt um uns herum: Beziehungen etwa, Möglichkeiten und Chancen – die „kleinen Tode“ im täglichen Leben. Aber auch die großen sehen wir und sind selbst nicht davon verschont: Krankheit und das Sterben selber. All diese sichtbaren Offensichtlichkeiten scheinen doch so sehr gegen Ostern zu sprechen, dass die Welt um uns herum uns oft genug auslacht und den Kopf schüttelt über diese Hoffnung, die in uns wohnt. Da setzt Ostern ein Zeichen, ein Ausrufezeichen: „Der Tod ist gebannt, seine Macht ist gebrochen! Keine Gewalt im Himmel und auf Erden kann dich scheiden von der Liebe Gottes!“

Und das, liebe Brüder und Schwestern, darf man sich selbst immer wieder sagen, z.B. in den dunklen Stunden unseres Lebens. Und wir dürfen es dem Anderen sagen, unserem Nächsten. So haben wir teil an der gegenseitigen Tröstung, die uns anempfohlen ist. Darum sind wir eine Gemeinschaft der Christen – weil uns Christus selbst in dieser Hoffnung, in diesem Trost tragen kann. Nicht aus eigener Kraft. „Fürchtet euch nicht!“, sagt der Engel und sagt später der Auferstandene selbst zu den Frauen und damit nach Matthäus auch zu uns. Denn im Osterlicht ist keine Dunkelheit mehr. Auf dieser Basis dürfen wir immer wieder neu anfangen. Auf dieser Grundlage können wir hier unser Leben aufbauen – mit einer Hoffnung und einem Ziel, welches über alles hinaus reicht, was uns nach unten ziehen könnte.

„Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!“

Und der Friede Gottes, der heller scheint als alles, was wir kennen, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

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