Verliebt in Christus

Liebe Gemeinde!

Was wäre es Ihnen wert, wenn Sie heute Jesus sehen könnten?
Bitte nehmen Sie sich etwas Zeit um zu überlegen: Was wäre es Ihnen wert, Jesus zu sehen, hier und heute!

Ich bin mir ehrlich gesagt, recht unsicher, was es mir wert wäre. Ich versuche ja bereits so zu leben, wie ich glaube, dass er es sich von mir wünscht. Ich versuche es. Und dieser Versuch ist ein Balanceakt zwischen dem, was er will und dem, was ich will. Es wäre also die Frage: Fiele es mir leichter nach seinem Wille zu leben, wenn ich ihn tatsächlich leiblich sehen könnte? Würde ich mehr seinem Willen entsprechen, wenn er persönlich vor mir stände? Wäre seine persönliche Ausstrahlung entscheidend für mein Verhalten? Und wenn: Würde ich wollen, dass er mich verändert?

Sie kennen das ja, wenn man verliebt ist: Plötzlich verändert ein Mensch das eigene Handeln und Fühlen sehr stark. Meist wird das intensivst erlebt und stellt alles andere in den Schatten. Möchte ich, dass mir so etwas durch Christus passiert?

Wer einmal verliebt war, weiß, wie schön das sein kann. Wer einmal unglücklich verliebt war, weiß, wie schmerzhaft das sein kann. Und beide wissen, dass man sich spätestens wenn man verliebt ist, nicht mehr aussuchen kann, ob man verliebt sein will. Das Leben und Empfinden ist plötzlich mit einem anderen Menschen verschmolzen. Sein Weg bestimmt auch den eigenen.

Nun wissen wir schon einiges über den Weg, den Christus geht. Er führt wirklich nach ganz unten in tiefste menschliche Abgründe: Verrat, im Stich gelassen werden, Verleumdung, Hass, Bloßstellung und völlige Einsamkeit. Und der Weg des Christus führt ganz hinauf: zur Auferweckung zu einem neuen Leben in Einheit mit Gott.

Sein Weg eröffnet die ganze unfassbare Weite menschlichen Erlebens. Würden wir wollen, dass unser Leben mit seinem verschmilzt, dass sein Weg auch unseren Weg bestimmt? Würden wir wollen, dass wir das ganze Leben, dass ganze unfassbare Leben spüren in allem Glück und allem Schmerz ganz und gar lebendig sind? Würden wir das wollen?

[TEXT]

War es das, was die beiden Griechen wollten? Wollten Sie Jesus sehen, damit die Begegnung mit ihm ihr Leben verändert wie das Verliebtsein einen Menschen verändert? Wollten Sie Jesus sehen, damit ihr Leben mit seinem verschmelze und sein Weg ihren Weg bestimmen möge?

Unsere Geschichte erzählt weder, ob Jesus sich ihnen gezeigt hat, noch wie es sonst mit ihnen weiterging. Vielleicht waren sie auch nur zwei gewesen, die allerhand über diesen Jesus gehört hatten und sich nun dachten: „Alter, der ist hier. Den schauen wir uns mal an. Wir versuchen mal, backstage zu kommen. Fragen kostet ja nichts.“ Ich vermute, sie wollten mal gucken gehen. Sie haben keine Frage, kein Problem. Und das kommt Philippus zurecht nicht nur griechisch, sondern so spanisch vor, dass er es erst mit Petrus bespricht. Auch dem kommt´s deutlich spanisch vor. Und gemeinsam gehen sie zu Jesus und erzählen vom Wunsch der beiden Griechen.

Wenn meine Vermutung stimmt, dann ist unser Predigttext ein Gleichnis unserer Zeit. Vielleicht täuscht es, aber ich habe den Eindruck, dass zur Zeit besonders oft „nur mal geguckt“ wird. Man guckt sich an. Man redet übereinander. Man hört und fragt nur mal. Aber das Leben mit dem Nachbarn zu teilen, das ist doch zu nah. Da reicht doch ein Beschwerdebrief, ein Anruf im Rathaus oder der Polizei, falls der Nachbar sich mal nicht so unauffällig verhält, dass man ihn getrost ignorieren kann.

Sind die Griechen unseres Predigttextes typische Menschen unserer Zeit? Hätten sie Jesus wirklich begegnen wollen? Oder hätte es ihnen sogar gereicht, wenn sie ihn mal im Fernsehen gesehen hätten bei „Mein neues Leben XXL“ oder bei „Germany´s next Top Model“, „Supernanny“, DSDS oder „Schluss mit Hotel Mama“ – oder beim „Promidinner“? Vor der öffentlichen Vorführung noch mal eben backstage?

Ein paar Tage später hängt er dann im Kreuz. Da kann jeder mal gucken. Da kann er sich nicht mehr entziehen.

Aber welche Welten liegen dazwischen, ob man auf Golgatha steht und nur mal guckt, wie der da hängt. Oder ob mein Leben mit ihm verschmolzen ist und sein Weg meinen Weg mitbestimmt; Wenn die Begegnung mit ihm mein Leben verändert hat, mein und sein Leben und Erleben verbunden hat wie bei Verliebten. Wenn dort am Kreuz nicht irgendjemand hängt, sondern mein Leben!

Nichts ist weiter entfernt voneinander als zwei Menschen, von denen der einen nur mal guckt und der andere bei der Zerstörung des Menschen zusehen muss, der ihm zum eigenen Leben geworden ist.

Zwei Griechen wollen Jesus sehen. Und er lässt ihnen ausrichten: 26 Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.

Wer nur guckt, hat nichts gesehen. Er sieht einen Menschen wie jeden anderen, austauschbar, sein Leiden und sein Tod sind nichts anderes als einer von den täglichen Toten im Abendprogramm. Seine Passion ist nichts als eine Art Entertainment. Und seine Auferstehung nichts als das schnulzige Ende vor dem Abspann gegen 21.45, damit man gut schlafen kann oder noch mal schnell woanders rein gucken kann.

Wer Christus sehen will, der muss seinen Weg mit ihm gehen. Er muss sich in ihn verlieben lassen, das eigene Leben mit ihm verschmelzen lassen. „Wo ich bin, da sollst auch du sein.“

Wollen wir das? Den Weg Jesu mit ihm gehen? Wir wissen, sein Weg führt wirklich nach ganz unten in tiefste menschliche Abgründe. Und er führt ganz hinauf: zur Auferweckung zu einem neuen Leben in Einheit mit Gott. Sein Weg eröffnet die ganze unfassbare Weite menschlichen Erlebens. Würden wir wollen, dass unser Leben mit seinem verschmilzt, dass sein Weg auch unseren Weg bestimmt? Würden wir wollen, dass wir das ganze Leben, dass ganze unfassbare Leben spüren in allem Glück und allem Schmerz ganz und gar lebendig sind? Würden wir das wollen?

Wollen wir unser Leben mit jemandem verbinden, der das Leben und Empfinden, Glück und Schmerzen aller Welt zu seinen eigenen macht? Wollen wir ihm begegnen, uns in ihn verlieben lassen und mit ihm alles Leben dieser Welt heiraten, alles Glück und allen Schmerz?

Welche Welten liegen dazwischen, ob man auf Golgatha steht und nur mal guckt, wie der da hängt. Oder ob mein Leben mit ihm verliebt, verschmolzen ist und sein Weg meinen Weg mitbestimmt; Wenn die Begegnung mit ihm mein Leben verändert hat, mein und sein Leben und Erleben verbunden hat wie bei Verliebten. Wenn dort am Kreuz nicht irgendjemand hängt, sondern mein Leben!

Ich sehe dann nicht mehr nur einen Menschen wie jeden anderen, austauschbar. Sondern sein Leiden und sein Tod sind das Leiden und Sterben der ganzen Welt. Alles Leid dieser Welt hängt dann dort und ich mit ihm. Unauflöslich verliebt ist der Tod dort am Kreuz mein Tod. Und seine Auferstehung meine Auferweckung zu einem neuen Leben in Einheit mit Gott und allem Leben von Ewigkeit zu Ewigkeit.

drucken