Wie entscheidest du dich?

Okuli: Meine Augen sehen auf den Herrn – oder sie sehen nichts. Und ich sehe, wie oft ich mir den Blick verstellen lasse von tollen Erwartungen genauso wie von niederschmetternden Erlebnissen. Die Wirtschaftskrise unserer Tage mag nur ein Beispiel sein, wie leicht Menschen sich verführen lassen, ihr Geld und ihre Hoffnung auf eine Luftblase zu setzen.

Aber was ist die Alternative? Kann der Wille Gottes wirklich meinem Leben Richtung geben – und wenn ja welche? Was sehe ich da außer einem dicken Nebel?

Manchmal bin ich auch hin- und her gerissen: will ich wirklich noch hinschauen, was Gottes Wille in meinem Leben bedeuten kann. Habe ich mit mir selbst nicht genug zu tun? Die frühe Christenheit erzählt, wie Jesus mit Menschen umgegangen ist. Er war da sehr radikal:

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3 verschiedene Episoden werden hier erzählt:
1. da ist einer bereit und willens, Jesus nachzufolgen – ganz spontan ohne Rücksicht – Schulterblick aber ist Pflicht.
2. Jesus geht auf einen zu, aber der will erst einmal regeln – Wähle das Leben, Lass die Toten ihre Toten begraben.
3. Loslassen ist eine christliche Tugend.

Ich muss ehrlich mit mir selber sein und gestehen, dass mir diese drei Episoden Angst machen, weil ich mich in ihnen wieder finde. Ich kenne Situationen, wo ich ganz enthusiastisch war – begeistert für Jesus und seine Botschaft, wo ich Erdung brauchte, Menschen, die mir meine Grenzen aufzeigten.

Ich erinnere mich auch an Situationen, da kannte ich meinen Weg und bin ihn doch nicht gegangen, weil ich anderes wichtiger, spannender fand. In dieser Situation höre ich die Worte Jesu an mich und höre:

Nachfolge suche ich mir nicht selber aus. Ich kann aber auf Jesu Aufruf warten und mich selber prüfen, wie wichtig mir Jesu Wort ist.

Nachfolge ist ein alter Begriff, mit dem Menschen die praktische Seite ihres Glaubens beschreiben. Nachfolge heißt, Christus als Herrn im Leben und im Tod zu akzeptieren und als sein Jünger / seine Jüngerin zu leben. Diese Entscheidung zur Nachfolge muss immer wieder neu fallen. Sie findet im Alltag statt.

Im Alltag muss ich mich entscheiden, in meinem Alltag ruft Jesus mir zu: ‚Folge mir nach’

Deutlich ist mir geworden als ich diese Nachfolgeworte gelesen habe, dass das keine Entscheidung allein aus eigener Kraft sein kann. Ich brauche Kraft. Kraft, die ich nicht aus mir selber gewinnen kann, aber an der ich arbeiten kann.

Jesu Ablehnungen entlarven die Fragenden, enthalten aber nicht die Vorwürfe, die wir gerne unterstellen, eher eine Warnung: Drängt euch nicht in eine Rolle, die nicht passt. Eher geht es um eine Lebensbeschreibung. Die Wirklichkeit der Jesusnachfolge, die es nicht umsonst gibt. Die auch eine gewisse Familienfeindlichkeit repräsentiert.

Im Hintergrund steht wohl ein Lebensideal der ersten Wanderchristen. ‚Wanderradikalismus’ ist das Stichwort aus der Theologie, das so nicht mehr in unsere Wirklichkeit passt. Unsere Kirche ist sesshaft geworden, hat dicke Mauern, in denen man sich wohl fühlen kann. Aber den Glauben draußen im Alltag leben, das ist dann etwas Anderes. Da ruft mich Jesus und die Umstände leisten Widerstand. Und manchmal bin ich unsicher, ob ich es nicht eher bin, der sich dem Willen Gottes in seinem Leben verweigert.

Jesus hat eben keine Ortsgemeinden gegründet, sondern Menschen in seine Nachfolge berufen – oder nicht berufen. Er hat sie ganz konkret angesprochen und aufgefordert.

Gerade die Sache mit dem Begraben des Vaters ist nicht unproblematisch, wenn wir die psychologische Bedeutung der Beerdigung sehen. Aber gerade hierzu ist auch zu sehen, dass Jesus eben nicht Psychologe ist, sondern deutlich sagt: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. Dieses Bild macht deutlich: Wer pflügt, muss konzentriert nach vorne schauen, sonst wird die Spur krumm (Wie jemand, der beim Autofahren immer den Leuten nachsieht).

Offen bleibt, wie sich die Nachfolgewilligen, die Berufenen entscheiden. Die Frage wird an mich weitergegeben: Wie entscheidest du Dich?

Christsein nur im Fernsehsessel geht nicht, aber die Nachfolge zum Gesetz zu machen geht auch nicht. – frei werden von Bindungen ist notwendig, damit man frei wird zu neuen Bindungen.

Wie viele Ehen sind eigentlich schon deswegen gescheitert, weil es einer der beiden nicht schaffte sich freizumachen von Bindungen, auch von den Elternbindungen.

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