Auftakt

Liebe Gemeinde,

evangelische und katholische Christen bedenken heute die Taufe Jesu. Damit ist ein gewaltiger Schritt gemacht. Gerade war noch Weihnacht, die Geburt des Erlösers. Und nun schon die Taufe. Es ist ein kühner Sprung von etwa 30 Jahren. Allein das Lukasevangelium erwähnt eine wunderhafte Begegnung des 12-Jährigen mit der Elite des Volkes bei einer Pilgerreise nach Jerusalem. Dann ist wieder Stille.

Und nun beginnt die eigentliche Geschichte.

Jesus – einer unter vielen, die sich damals von Johannes im Jordan taufen ließen. Es war wohl so etwas wie eine Erweckungsbewegung, aber voller drohendem Ernst. „Kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe!“ „Es bleibt keine Zeit.“ „Wer nicht umkehrt, ist verloren. Im feurigem Umbruch aller Zeit wird er nicht bestehen.“ Und so kamen sie. Sie bekannten sie ihre Verfehlungen, ihre Untreue, ihre Scheinheiligkeiten. So waren sie bereit für das Kommen, für den Anbruch der ganz neuen Zeit.

Jesus ist einer von ihnen, der sich davon ansprechen lässt. Auch seine späteren engsten Vertrauten, seine Jünger, kommen aus dieser Bewegung. Mindestens das Johannes-Evangelium berichtet es so. Und es scheint schon etwas dran zu sein. Es hat eine tiefe innere Logik.

Doch die Geschichte von der Taufe Jesu, so wie wir sie in der Evangeliumslesung gehört haben, ist schon umglänzt von der Hoheit des Christus. Matthäus schrieb es auf, gut ein halbes Jahrhundert nach dem Geschehen. Darum ist hier die Taufe von Jesus mehr als ein Augenzeugenbericht, zumal Matthäus nicht zu den Augenzeugen gehört. Die Geschichte ist tiefgründig, programmatisch. Sie trägt in sich die Hoheit dessen, was aus diesem Einen werden wird und damit schon ist: Der Erhöhte und Kommende, der Gekreuzigte und für die Einzelnen Leidende, der dem alle Macht gegeben ist, im Himmel und auf Erden.

Es ist der Auftakt. Gottes Plan geschieht in der Bereitschaft und im Gehorsam des einmaligen Sohnes.

Darum ist natürlich der Täufer Johannes nicht einer, der Jesus inspiriert, sondern einer, der sich ihm unterordnet. Es ist ein Vorgang, der eben in den großen Plan gehört und der den Willen Gottes erfüllt.

Deshalb wird die Taufe hier nicht als Berufung geschildert, sondern sie ist Proklamation vor der Welt: „Dies ist mein lieber Sohn.“ Gottes Stimme ist es, nicht irgendeine, sie deutet auf ihn:

Er ist es allein der und kein anderer. So gefällt es Gott wohl, so hat er es bestimmt. – Das, genau das bedeutet die Stimme.

Schon in der Weihnachtsgeschichte klingt natürlich gerade bei Matthäus die Weltbedeutung an.

Aber nun wird aus dem Kind eine Erwachsener.

Hier ist kein Baby mehr. Hier ist einer, der „Sohn“ genannt wird, Er sitzt zur Rechten der Macht.

Und hier ist seine irdische Geschichte. Sie ist voller tiefer Bedeutung. Für Matthäus wird hier besonders die Lehre laut. Sie erhält nun für die Jünger und Jüngerinnen „in aller Welt“ Bedeutung erhält.

Solche Zeit ist jetzt. Und wenn er einst kommt, sind seine Leute auf der richtigen Spur.

Wir stehen am Anfang eines neuen Jahres. Wir haben Weihnachten hinter uns gebracht. Wir fragen nach Orientierung und Rat. Mit Ihm, dem Herrn, wollen wir nun unsere Wege gehen, durch dieses Jahr, durch unser Leben. Und wir bauen auf das Wort: „Ich bin bei euch alle Tage.“

Damit wir uns nicht ins Uferlose verlieren, bietet das Evangelium einen Anhalt. Der Weg, der nun beginnt ist ein Weg des Freuens, der Gemeinschaft unter Gottes Verheißung, das Fest der Himmel kann ganz nahe sein, das Gesundwerden in seinem Willen, die Kraft zu tragen, wenn Schweres schier erdrücken will. Er ist dabei. Er lehrt den Weg.

Und Er wird seinen Weg gehen, immer wieder in diesem Erleben des Kirchenjahres, bis ans Kreuz, bis zur Passion. Das große Ärgernis wird zur Mitte, das Leidenszeichen zum Heilssymbol. Hier ist Frieden. Hier ist Erkenntnis. Hier ist Umkehr und Neuanfang. Nicht zufällig verbindet der Apostel Paulus die christliche Taufe so eng mit dem Tod am Kreuz:

„Wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft“. Das Sühnezeichen wird Symbol des Heils.

Die christliche Taufe ist unter uns schöne Tradition. Sie wird ganz selbstverständlich begehrt. Sie ist Aufnahme in die Gemeinschaft der christlichen Hoffnung.

Aber es soll natürlich nicht bloß ein schönes Familienfest bleiben. Eltern und Paten stehen in der Verantwortung für sich selbst und für ihr Patenkind etwas von der Tiefe zu vermitteln, die darin verborgen liegt.

Die ganze Christusgeschichte glänzt in der Taufgeschichte bereits auf. Dazu möchten wir heute mindestens kommen. Es geht nicht allein darum, eine Etappe im Leben Jesu abzuarbeiten. Hier steht schon alles in der Mitte. Der, der getauft wird von Johannes ist der der die Mitte ist. Ihm ist alle Macht gegeben. Durch ihn finden Menschenkinder den Himmel offen.

Es ist eine ganz spezielle Geschichte, die nun richtig beginnt. Es ist die Christus-Geschichte, deren Glanz alles Erzählen bestrahlt. Es geschieht darum so viel Wunderbares. Es ist darum schon die Gemeinschaft des Himmels erlebbar. Es beginnt aber auch der Weg für Ihn, der zum Kreuz führt. Darin ist die Mitte deutlich. Darum kreist alles nun. Dort wird Schuld deutlich und Versöhnung. Dort ist der Ansatz für unwahrscheinliche Hoffnung. Sie ist gegründet in ihm.

Wir bleiben unterwegs durch die Zeit, so lange uns der Herr Zeit schenkt. Wir werden aus der Welt nicht herausgelöst. Wir bleiben unter Freude und Schmerz. Wir werden vom Leben beglückt und vom Tod bedroht. Wir sind in Liebe und Verzweiflung. Unsere Fragen finden noch nicht die letzten Antworten. Die Welt bleibt unser, in aller Pracht in aller Belastung.

Er spricht uns an. Sein Wort und Hinweis deutet auf ihn, auf Jesus aus Nazareth. Seine Botschaft wollen wir hören und in die Zeit übertragen. Seine Lebenshingabe wird zum tiefen Symbol für Schuld und für Versöhnung.

Das gilt es immer wieder zu buchstabieren.

Noch stehen wir am Anfang des Wegen. Wir werden Jesus begleiten. In den Gottesdiensten werden wir wieder neu seinen Weg nachzeichnen und nachempfinden.

Heute ist durch die Taufe der Startpunkt markiert.

Machen wir uns also miteinander auf dem Weg – vor allem aber mit Ihm.

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