Himmlisch legitimiert

Johannes der Täufer gilt Vielen als er Vorläufer Jesu. Das war er auch. Aber er war noch viel mehr:

Manchmal reduzieren wir Menschen ja auf eine Funktion. Das wird ihnen selten gerecht- auch Johannes nicht. Johannes war zuallererst ein Mensch, der Verantwortung übernommen hat in einer verantwortungslosen Welt. Er sah das geistliche Elend der Menschen. Er sah ihre Ziellosigkeit. Darum zog er sich zuerst aus dieser Welt zurück in die Wüste, ernährte sich von wildem Honig und Heuschrecken. Er wurde zum Aussteiger, der abseits aller menschlichen Siedlungen sehr alternativ lebte. Aber er blieb dort nicht hocken. Er kehrte zurück an den Jordan, um den Menschen zu helfen. Er verkündete ihnen Gottes Willen und er zeigte ihnen einen Weg, eine dicken Strich zu ziehen und ein neues Leben zu beginnen. Dazu brauchte man keine Sekte und kein Kloster, sondern nur die Taufe. Die Taufe war ein Signal. Der Täufer predigte die Umkehr mitten im Leben. Er beschimpfte die Menschen in einer Art, von der uns alle Kommunikationswissenschaftler nur abraten würde. Er beschimpft sie: ‚Otterngezücht, Heuchler, Lügner’ nennt er sie. Und sie hören ihm zu, nehmen die Kritik an und lassen sich taufen. Diese Taufe hatte eine heilende Wirkung, weil sie den Abschluss eines Erkenntnisprozesses darstellte.

Das ist bei Taufen unserer Tage meist anders. Ich bin getauft – aber als Kind. Ich weiß wenig über meine Taufe, aber ich weiß: Gott hat mich angenommen als sein Kind, er eröffnet mit neue Chancen durch seinen Heiligen Geist. Das steht auch im Hintergrund der Geschichte von der Taufe Jesu:

[TEXT]

Zu diesem Johannes kommt Jesus an den Jordan – und Johannes fühlt sich nicht geehrt, er fühlt sich auch nicht provoziert, er fühlt sich machtlos. Er weiß, wer der ist, der ihn da besucht – und er weiß auch um seine Rolle. Er hat sich nicht beeindrucken lassen, von seinem großen Erfolg, von den Menschen, die sich von ihm taufen ließen. Er ist nicht größer als der Sohn dessen, den er verkündet. Er ist Lautsprecher dieses Gottes, sein Werkzeug, aber da kommt einer, der ist mehr.

Wie Blei legt sich seine eigene Begrenztheit auf ihn: ‚Du müsstest mich taufen, nicht ich Dich’. Auch dieser eifrige Johannes spürt seine Grenzen, seine Begrenztheit in der Begegnung mit Jesus. Auch dieser fromme Asket spürt, dass er den Anforderungen Gottes aus eigener Kraft nicht gewachsen ist.

Aber gleichzeitig erfährt er welch großartige Bedeutung er in Gottes Heilsplan hat. Jesus ist nicht der ‚Sohn vom Boss’, der ihn nun beiseite schiebt, sondern Jesus bestätigt ausdrücklich die Wichtigkeit des Bußpredigers und Täufers Johannes.

Dann aber geschieht das, was für uns heute noch wesentlich ist: Jesus wird getauft und steigt aus dem Jordan und der Himmel tut sich auf. Der Geist Gottes schwebt wie eine Taube hinab und Gott selber kommentiert die Taufe: mein geliebter Sohn meines Wohlgefallens.

Wir Menschen brauchen die Anschauung und darum macht Gott sich anschaubar und hörbar in seinem Sohn, in den Engeln von Bethlehem, in der Taube und in seinem Wort. Wir brauchen solche Figuren, die uns helfen zu begreifen.

Das Gewicht unserer Geschichte liegt auf dem Geschehen nach der Taufe, dem Bekenntnis des Vaters zu seinem Sohn. In einer Umwelt, die öfter Söhne Gottes proklamiert (manchmal nur, weil sie gerade Kaiser waren), proklamiert hier der Himmel, Gott selber seinen Sohn. Dieser Sohn ist himmlisch legitimiert. Der Prophet Johannes erkennt schon vorher, dass ihm dieser Jesus zu groß ist, dass er der Stärkere ist, weil er der Gesandte Gottes ist, auf den die ganze Schöpfung wartet.

In Jesus besucht Gottes Sohn selber die Welt und zwar nicht mit Macht und Stärke, sondern als der, der gekommen ist Gottes Willen zu tun. Im Matthäusevangelium begegnet uns hier zum ersten Mal Jesus als Handelnde und redende Person und seine ersten Worte sind: Lass es jetzt geschehen! Er ist gekommen, dass der Wille Gottes in dieser Welt zur Geltung kommt.

Er setzt hier keine eigenen Akzente, er lässt Gottes Willen geschehen, er ist gekommen, Gottes Willen zu tun, und zu verkünden. Wahrscheinlich muss er deswegen auch gekreuzigt werden, weil die Menschen das nicht ertragen konnten, dass keine Person im Mittelpunkt steht, sondern der Wille Gottes.

Zu diesem Sohn bekennt sich Gott in der Taufe, zu diesem Sohn, der so auftritt – und verleiht damit der Taufe ihre tief greifende Bedeutung. Weil Jesus sich taufen ließt, darum tauft die christliche Kirche bist heute und über jeder Taufe steht die Zusage Gottes: ‚Das ist mein geliebter Sohn / meine geliebte Tochter’. Diese Zusage steht in der Taufe von Kindern, bevor das Kind etwas sagen kann. Und auch ich als erwachsener Mensch, was kann ich schon groß Anderes dazu sagen, als es dankbar zur Kenntnis nehmen, dass Gott sich zu mir bekannt hat und mein Leben unter seinem Segen steht. Das kann mir Mut machen, seinen Willen zu tun, seine Liebe zu leben, Unrecht zu ertragen und trotzdem Menschen freundlich zu begegnen.

‚Ich bin getauft’ Martin Luther soll diesen Satz mit dem Finger in den Staub seines Tisches geschrieben haben, um sich seinen eigenen Wert immer wieder vor Augen zu führen. Darauf beruft sich auch die Tradition von Tauferinnerungen im Gottesdienst. Tauferinnerung stellt genau das in den Mittelpunkt: Gott hat sein Ja über den Menschen gesprochen – und der Mensch kann dieses Ja nur zulassen, sich gefallen lassen. Und versuchen, sein Leben danach neu auszurichten.

Ein Ziel: Gottes Spuren finden sich in unserem Leben. Sich öfter der Frage aussetzen: Wo wird deutlich, dass ich getauft bin, dass ich Gottes geliebtes Kind bin? Wo erlebe ich seinen Segen? Und wo erleben meine Mitmenschen, dass ich gesegnet bin?

drucken