Aspekte unseres Glaubens

Liebe Gemeinde,

wir feiern heute das Erscheinungsfest, Epiphanias. Wir haben es im biblischen Spruch für heute gehört: "Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint jetzt." Wie konkret man sich dieses Vergehen der Finsternis vorgestellt hat, erfahren wir in unserem Predigtwort für heute aus dem Matthäusevangelium im zweiten Kapitel, die Verse eins bis zwölf:

[TEXT]

Ja, liebe Gemeinde, es ist die Geschichte von den Weisen aus dem Morgenland, die sich aufmachen, das göttliche Kind zu besuchen. Vielleicht dieses noch vorne weg: wenn Sie den Text gelesen oder gut gehört haben, ist Ihnen vielleicht aufgefallen: eine Anzahl der Weisen wird nicht gegeben, auch ihre Namen sind nicht benannt, ihre Herkunft unklar, auch wie sie aussehen, ob z.B. ein Farbiger darunter ist, ist nicht vermerkt. Und doch kennen wir all diese Ausschmückungen so gut: Caspar, Melchior und Balthasar sollen sie heißen, wegen der Dreizahl der Geschenke hat man sie zu drei Weisen erklärt oder gar zu Königen aus fernen Landen. In der römischen Kirche ist es bis heute üblich, Sternsinger auszusenden, verkleidet wie Könige, die Ihre Namenskürzel an der Tür hinterlassen. Darin liegt eine weitere Bedeutung verborgen: C + M + B kann übersetzt werden "christus mansionem benedicat" – Christus segne dieses Haus. Insofern eine schöne Geste, das Jahr neu zu beginnen. Bis heute werden die angeblichen Reliquien, die Helena, die Mutter von Konstantin I, auf einer Pilgerreise gefunden haben will – genauso wie sie übrigens Reste des Kreuzes Christi gefunden haben will – (Sie wissen, unsere Nachbarkirche St. Helena zu Großengsee ist danach benannt) – werden diese Reliquien im Kölner Dom aufbewahrt.

Aber, liebe Gemeinde, was machen wir mit all diesen Beschreibungen? Wir blicken in die Schrift und sehen erst einmal, dass diese Weisen im Text Magier genannt werden, Menschen also, die sich u.a. mit der Beobachtung der Sterne beschäftigt haben. Aufgrund einer alten Weissagung aus dem 4. Buch Mose: "Ein Stern wird aufgehen aus Jakob und ein Mann erstehen aus Israel" machen sie sich auf den Weg, um unter diesem Stern das Wunder zu sehen. So schreibt es zumindest der Kirchenvater Origines. Und sie erkennen das göttliche Kind und schenken ihm diese drei symbolischen Dinge: Gold, wie es für einen König würdig ist, Weihrauch für einen Priester und Myrre für den Arzt, der die Menschen heilen kann.

Wenn wir den Text für uns heute an diesem Tag bedenken, dann möchte ich gerne hiervon ausgehen. Die Geschenke, so wie eben gedeutet, sind ein Anreiz, auch unseren Glauben daraufhin zu überprüfen. An Weihnachten beginnt die Geschichte der Erlösung der Menschen, die Befreiung von der Sünde und die Ausrichtung auf Gott hin in der Person des Menschen Jesus von Nazareth, der doch zugleich Gott selbst ist. Christus, der Gesalbte. An Weihnachten sehen wir im Vordergrund die menschlichen Aspekte: die Nacht, die wir uns kalt vorstellen, der Stall, den wir uns ärmlich denken, die Umstände der Geburt, die wir als unwürdig empfinden. Ja Gott kommt zu den Menschen in ihre Armut hinein. Er wird ganz Mensch. Er wird zu dem, was die Menschen ausmacht, in ihrer Verzweiflung und in ihrer Not. Und doch ist der Sohn von Maria mehr als diese menschliche Seite: er ist zugleich Gott selbst, so wie wir es im Glaubensbekenntnis bekennen. Er wird König, Priester und Arzt für die Menschen sein. Er wird sie erretten, sie führen und sie heilen. Die Magier aus dem Morgenland erinnern uns daran, dass es diese göttliche Seite gibt. In der orthodoxen Kirche wird Weihnachten erst am 06.01. gefeiert – nicht zu Unrecht, wie man sehen kann. Die Betonung der göttlichen Seite überwiegt dort. Unser Glaube sollte in beiden Richtungen Halt haben. Darauf zu vertrauen, dass Gott wirklich in meine tiefste Not hinabsteigen kann. Dass er mir nahe ist, wenn ich kurz davor bin, alle Hoffnungen fahren zu lassen. Wenn meine Finsternis überhand nehmen mag. Gott kann so nahe sein, weil er sich den Menschen gleich gemacht hat und den Weg der Erniedrigung gegangen ist bis zum Kreuz hin. Dort hat er gesehen, was das tiefste Verlassensein der menschlichen Existenz bedeutet: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" – ruft Jesus am Kreuz aus. Und dennoch ist die ganze Zeit hindurch dieser andere Aspekt mit dabei: Er ist König für diese Welt, der Herrscher, dem die Winde und der Sturm gehorchen müssen. Wenn wir ihm folgen, dann werden wir zu Königskindern, ausgezeichnet und geehrt. Auf sein Reich, das in dieser Welt beginnt, dort wo die Liebe sich durchsetzt und aufscheinen lässt, was Recht und Gerechtigkeit bedeuten können – auf dieses Reich, jetzt und kommend warten wir. Wir wollen mit ihm dort sein als sein Volk. Und dabei ist weiterhin: Er ist Priester für uns, der Hohepriester, wie er im Hebräerbrief genannt ist, der die alten Opfer ablöst und sich selbst als letztes Opfer für uns dargibt und damit der Mittler des Neuen Bundes zwischen Gott und Menschen wird. Wenn wir das Kreuz anblicken, dann sollten wir darin dieses auch sehen können. Christus ist für mich gestorben, nicht nur damals vor 2000 Jahren irgendwo in einem fremden Land und einer fremden Zeit. Christus ist für mich als Einzelnen je und je gestorben und hat mit gereinigt durch sein teures Blut. Ein solcher Priester ist dieser Christus, dass es danach keinen Priesterberuf mehr geben kann, nur noch Lehrer der Gemeinde, Zeichengeber auf diesen Christus hin. Und dabei ist weiterhin: Er ist der Arzt, der die wahre Heilung bringt. Zeichenhaft sind zu seinen Lebzeiten Taube hörend, Blinde sehend, Tote lebendig geworden. Zeichenhaft, weil sie das neue Reich Gottes beschreiben, wie es dort zugehen wird, nämlich ohne Leid und Schmerzen, ohne Tod und ohne Not. Wir haben wir heute Anteil an diesem ärztlichen Wirken, denn in unserer Krankheit, in unserem Leiden, die jeder von uns tragen muss in diesem Leben sind wir nicht allein gelassen, sondern wissen um diesen Christus und sein Versprechen an uns. Das heißt nicht, dass unser Leiden immer gewendet wird, aber wir wissen, dass es nicht das letzte Wort behalten kann, weil Christus selbst dies Leiden besiegt hat.

Das Fest der Erscheinung der Göttlichkeit Jesu – Epiphanias – weist auf diese Aspekte unseres Glaubens hin, auf dass wir sie nicht vergessen.

Beide Gruppen sind damals zur Krippe gekommen, die Hirten und die Magier. Beide haben ein Licht gesehen, wenngleich sie es anders gedeutet haben. Für die Hirten war es das klare und warme Licht, das in ihrer Not aufgeschienen ist und sie haben die Engel singen hören. Für die Magier kam es aus ihrer Beschäftigung mit den Sternen und dem Deuten der Alten Schriften. Sie wussten dieses Licht bereits zugeordnet nach ihren Studien. Beide aber haben sich auf den Weg gemacht zur Krippe. Beide haben sich führen lassen von diesem Licht des hellen Sterns. Auch wir sind in unserem Leben immer wieder darauf angewiesen, den Weg zur Krippe hin zu finden, dem Licht des Sternes zu folgen, welches auch über unserem Leben aufscheint. Hinauszugehen aus dem, was uns gefangen halten will – und sei es noch so mächtig, wie es einst der König Herodes war, der die Magiern zu eigenen Zwecken einspannen will. Hinauszugehen und sich der Krippe zuzuwenden, die Armut zu sehen und die Größe, den Menschen und Gott selbst, damit unser Leben hell werde und wir zu dem werden, als was wir gedacht sind: Gottes Kinder.

Und der Friede Gottes, der es hell werden lässt in unserem Leben, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

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