Trialogpredigt zur Weihnachtsgeschichte

E: Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen,

Liebe Gemeinde,

in diesem Jahr haben wir wieder ein großes Bild des Kindergartens hier in der Kirche hängen. In einem hellen Lichtschein schweben die Weihnachtsengel auf die Erde herab. Sie bringen die Botschaft vom Himmel, die da lautet: Frieden auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens. Die Hirten auf dem Feld haben die Arme erhoben und wundern sich. Der Stern steht über dem Stall in Bethlehem. Einer der Engel steht neben dem Stall, in dem das Jesuskind geboren wurde. Ein Hirtenmädchen steht an der Stalltür und wird gleich eintreten. Was im Stall selbst vor sich geht sieht man nicht.

Hier in der Kirche ist es halbdunkel, halb ist die Kirche erleuchtet vom Kerzenschein. Das ist eine gute Gelegenheit sich einmal in die Geschichte, die der Wandbehang zeigt hineinzuträumen.

Der Engel dort mit den roten Flügeln. Ich glaube da oben sehe ich ihn stehen.

Rebekka taucht auf auf der Empore

E: Sag mal Engel, was war das für eine Botschaft, die ihr auf den Hirten auf dem Feld gebracht habt? Was habt ihr gemeint mit „Frieden auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens? Wer sind die Menschen an denen Gott Wohlgefallen hat?

Re: Gott hat an allen Menschen Wohlgefallen, denn sie alle sind Gottes geliebte Töchter und Söhne.

E: Aber wieso wünscht Ihr dann nicht einfach Frieden auf Erden allen Menschen? Irgendeine Bedeutung muss dieses „Seines Wohlgefallens“ doch haben.

Re: Ja, sicher, die Menschen sind zwar alle Gottes geliebte Söhne und Töchter aber sie verhalten sich nicht immer so. Gott hat nicht an allem, was Menschen tun, Wohlgefallen. Es gefällt Gott überhaupt nicht, wenn Menschen rücksichtslos und gewalttätig handeln und auf der Erde Unterdrückung und Krieg herrscht. Daran hat Gott kein Wohlgefallen.

E: Also gilt eure Verheißung, dass Frieden auf Erden sein soll nur solchen Menschen, die das Gute tun?

Re: Nein, so ist es auch wieder nicht. Gott weiß, dass kein Mensch es schafft immer nur gut zu handeln. Frieden auf Erden soll werden für die Menschen, die heute unter Krieg und Ungerechtigkeit leiden. Gott schaut besonders auf die Menschen, denen es schlecht geht und die unter Gewalt und Rücksichtslosigkeit leiden. Das sind die Menschen denen Gott Frieden auf Erden verheißt. Das sind diejenigen, die den Frieden brauchen. Diejenigen die am Krieg und der Ungerechtigkeit verdienen, die wollen ja keinen Frieden auf Erden. Und für die ist die Botschaft, dass Frieden und Gerechtigkeit kommen soll, ja eher eine Drohung.

E: Bist du denn dann hier in Messel richtig, Friedensengel? Wir leben doch hier in einem reichen Land. Es sind doch eher die anderen, die unter der weltweiten Ungerechtigkeit leiden.

Re: Nein, ich glaube da täuschst du dich. Hier sind viele in der Kirche, die unter Streit und Ungerechtigkeit leiden. Und weißt du, am Ende leiden alle Menschen, wenn es keinen Frieden gibt. Das Leiden ist nur unterschiedlich. Denk nur an die Einsamkeit und die Depressionen, die in den reichen Ländern herrschen. Alle brauchen den göttlichen Frieden.

E: Lieber Engel, kannst du mir sagen, wo dieser Friede bleibt. Es ist jetzt über 2000 Jahre her, dass du auf dem Feld in Bethlehem gesungen hast, und auf der Erde herrschen immer noch Ungerechtigkeit, Gewalt und Krieg? Hat sich deine Verheißung einfach nicht erfüllt.

Re: Doch die Verheißung hat sich erfüllt. Aber Gott arbeitet etwas anders als Ihr Menschen das gewöhnt seid. Ihr kennt Herrschaft und Veränderung nur von außen nach innen.

E: Wie meinst du das von außen nach innen?

Re: Ihr habt einen Staat und der macht ein Gesetz. Und dann gibt es die Polizei, die mit Androhung von Strafen dafür sorgt, dass das Gesetz eingehalten wird. Ihr zwingt die Leute, etwas zu tun egal ob sie davon überzeugt sind oder nicht. Dass ist die Durchsetzung einer Regel von außen nach innen durch Androhung von Strafen oder Gewalt.

E: Und Gott macht das anders?

Re: Ja Gott arbeitet von innen nach außen.

E: Wie meinst du das? Von innen nach außen?

Re: Der Friede Gottes entsteht in den Herzen der Menschen. Und Gott verlässt sich darauf, dass er dort wächst und sich immer stärker dann auch im Handeln der Menschen zeigt. Und sich so über die ganze Erde verbreitet, nicht durch Zwang sondern sozusagen durch Ansteckung. Jemand sieht jemand etwas Gutes tun und möchte das auch.

E: Das geht aber nicht besonders schnell. Und so ein Prozess der Ausbreitung des Friedens ist ja immer gefährdet. Ist es nicht genauso ansteckend, wenn jemand etwas Böses tut.

Re: Ja, leider. Aber es gibt keinen anderen Weg, der ohne Zwang und Gewalt auskommt. Und Gott tut alles, um nur niemanden zu zwingen. Deshalb ist er ja in Jesus als kleines Kind auf die Erde gekommen und nicht als Herrscher an der Spitze eines Heeres von Engeln. Das hätte ich persönlich viel besser gefunden.

E: Danke Engel, ich sehe gerade da unten ist auch eine Hirtin aufgewacht.

Sag mal Hirtin. Wie hast du denn die Botschaft der Engel in dieser Nacht verstanden.

Ra: Ich habe geglaubt ich träume. Soviel Licht und überall Engel. Das war schon so ein Gefühl als würde gleich die Welt untergehen. Ich hatte ganz schön Angst.

E: Aber die Engel haben ja gleich gesagt: Fürchtet euch nicht!

Ra: Da braucht man erst mal eine Zeit um aufzuhören sich zu fürchten. Denn das ist schon sehr erschreckend.

E: Und als die Erscheinung vorbei war?

Ra: Ja, da bin ich erst zum Nachdenken gekommen. Frieden auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens haben die Engel gesagt. Und ich habe mich gefragt, ob ich zu diesen Menschen seines Wohlgefallens gehöre. Und dann habe ich mir überlegt, dass das eigentlich nicht sein kann. Denn wir Hirten haben manchmal nicht genug zu essen. Und wenn wir gerade an einem allein stehenden Gehöft vorbei kommen, dann klauen wir auch schon mal was aus der Speisekammer. Wir sind jetzt nicht diejenigen, die sich groß Gedanken machen, darüber dass wir auch alle Gebote einhalten.

E: Du denkst also, dass du nicht zu den Menschen gehörst an denen Gott Wohlgefallen hat.

Ra: Na ja so sicher bin ich mir da auch nicht. Schließlich sind die Engel zu uns aufs Feld gekommen. Und wir waren die ersten beim Kind. Das muss ja wohl etwas zu bedeuten haben. Schriftgelehrte und Leute, die besonders fromm sind oder in Königspalästen leben, habe ich da nicht gesehen. Vielleicht gehöre ich doch zu den Menschen, an denen Gott Wohlgefallen hat. Einfach weil ich ein hartes Leben habe und versuche so gut wie möglich damit zu Recht zu kommen.

E: Und was hast du dir gedacht als du das Jesuskind im Stall gesehen hast?

Ra: Auch da war ich ganz schön erschrocken. Dieses kleine hilflose Kind in Windeln gewickelt in der Futterkrippe zu sehen. Da habe ich gedacht: Das arme. Wie soll dieses kleine Kind armer Leute der großen Aufgabe gewachsen sein, Frieden auf Erden zu bringen.

E: Also hast du den Stall enttäuscht verlassen und gedacht: Das wird alles sowieso nichts.

Ra: So war es auch wieder nicht. Ich habe mir das Kind nämlich genau angesehen. Und das war so schön. In meinem Herzen war ein tiefer Frieden. Und ich dachte, wenn dieses Kind sogar in mein hartes Herz erreichen kann, dann hat es vielleicht doch eine Chance. Und wenn schon allein sein Anblick mich mit Frieden erfüllt, dann kann es vielleicht doch den Frieden in die Welt bringen und auch dort verbreiten. Ich hoffe es jedenfalls sehr.

E: Und dann bist du nach Hause gegangen und alles war so wie vorher.

Ra: Nein, ich habe immer wieder – jeden Tag meines Lebens – an diese besondere Nacht gedacht. Und immer wenn ich von diesen Erinnerungen erfüllt war, sind die Menschen und die Tiere gerne zu mir gekommen und haben sich in dem Frieden, der in diesem Moment war, ausgeruht. Der Frieden dieser Nacht hat mich nie mehr ganz verlassen.

E: Kannst du diesen Frieden etwas näher beschreiben?

Ra: Ja, dieser innere Frieden fühlt sich an wie eine überwältigende Freude. In solchen Momenten, wo ich diesen Frieden spüre, kann mich nichts aus der Ruhe bringen. Ich sehe jeden Menschen und jedes Tier liebevoll an. Und ich kann einfach nur freundliche Dinge denken. Und auch wenn jemand anders mich unfreundlich behandelt, ärgere ich mich nicht sondern habe ich Mitgefühl mit dieser Person, weil es ihr so schlecht geht, dass sie das nötig hat.

E: Das klingt aber sehr gelassen und ungewöhnlich über den Dingen stehend.

Ra: Na, ja, so geht es mir auch keineswegs immer. Manchmal ärgere ich mich schon auch und bin sauer und wütend.

E: Das ist vielleicht auch ganz gut so. Danke, liebe Hirtin.

Frieden auf Erden, den Menschen von Gottes Wohlgefallen. Frieden auf Erden uns allen, denn uns allen ist Gott wohl gesonnen. Und zwar besonders dann, wenn uns ein Kummer plagt oder wir ein schwieriges Leben zu bewältigen haben.

Re: Und denken Sie daran. Der Friede Gottes wirkt von innen nach außen. Er beginnt im eigenen Herzen und von dort aus breitet er sich aus zu den Menschen, die uns nahe stehen. Und so zieht er immer größere Kreise bis die ganze Welt von diesem Frieden durchdrungen sein wird.

Ra: In einer solchen Nacht im Kerzenschein und mit Engeln die vom Himmel herunterkommen ist es leicht, den Frieden zu spüren. Aber er muss im stressigen Alltag nicht verloren gehen. Wenn wir unser Herz dem Friedensbringer öffnen, kann der Frieden in uns und in unserer Umgebung wachsen und sich ausbreiten.

E: Ich wünsche Ihnen für diesen Weihnachtsabend Frieden und dass Sie das Wohlgefallen, das Gott an Ihnen hat, in sich spüren. Das sichere Wissen, ich bin Gottes geliebte Tochter, ich bin Gottes geliebter Sohn möge sie das ganze nächste Jahr begleiten.

Und der Friede Gottes welcher höher ist als all unsere Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne ich Christus Jesus zum ewigen seligen Leben.

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