Ehre sei Gott in der Höhe

Liebe Gemeinde am ersten Weihnachtsfeiertag!

Der Heilige Abend liegt schon hinter uns. Ich hoffe, dass er schön war und dass er zu den guten Erinnerungen unseres Lebens zählt. Heute und morgen geht das Weihnachtsfest weiter und ich wünsche uns, dass über allen Familienfeiern ein freundlicher und frohmachender Glanz liegt.

Unser Predigttext heute ist der zweite Teil der Weihnachtsgeschichte. Und was uns dabei besonders beschäftigt: die Engel kehren in den Himmel zurück. Das große Lichtereignis ist vorbei. Die Engel sind weg. Was nun?

Ich lese Lukas 2,15-20 in einer Übersetzung von Jörg Zink:

[TEXT]

Die Engel sind weg. Jetzt fängt der normale Alltag wieder an. So scheint es jedenfalls. Nachdem die Hirten minutenlang etwas fassungslos geschwiegen haben, sagt ein Hirte: „Lasst uns doch nach Bethlehem gehen. Es ist ja nicht weit.“ Auch die anderen sind neugierig. Der erste Schreck über das viele Licht hat sich gelegt. So richtig kapieren werden sie das Ganze erst später. Aber jetzt wollen sie wissen, ob das wirklich stimmt, ob da wirklich ein frisch geborenes Baby ungewöhnlicherweise in einem Stall liegt. Ob wirklich jemand so arm dran ist, noch ärmer als die Hirten.

Sie beeilen sich. Sie legen die Strecke fast im Laufschritt zurück. Und dann ist es wahr. Sie sehen das Kind. Und sie fangen an, alles zu erzählen: Wie da plötzlich so viel Licht war. Wie der Engel zu ihnen geredet hat. Wie er sagte: Habt keine Angst. Ich verkündige euch große Freude. Wie dann ein ganzes Engelsheer Gottes Lob gesungen hat.

„Sie fangen an zu erzählen“, heißt es da in der Bibel. Das ist das erste Mal, dass sie es erzählen. Sie werden es noch oft erzählen. Und beim Erzählen werden sie es allmählich verstehen. Beim Erzählen wird es weiterwirken. In der Erinnerung wird die Furcht wieder da sein. Und wie diese Furcht in große Freude verwandelt wurde. Fast genauso schnell wie der Engel es angekündigt hatte.

Was ist die Wirkung der Engelworte, die sich in den Worten der Hirten spiegeln? Alle wunderten sich. Alle sind verblüfft. Alle müssen ein zweites Mal hinhören und hinschauen und mit richtiger Aufmerksamkeit und Beteiligung des Herzens hinhören und hinschauen. Weil hier Unerwartetes geschieht und beim Erzählen immer weiter geschieht. Ein Wunder durchbricht den Alltag. Und das Wunder führt dazu, dass sich Menschen wundern. Dass sie dann ihre Welt anders sehen.

Liebe Gemeinde, nach allem was ich weiß und höre und sehe, geschehen unter uns mehr wundersame Dinge, als wir gemeinhin annehmen. Wenn wir da genau hinhören und hinsehen würden, könnten wir uns viel mehr wundern. Ich nehme wahr, dass Gott unter uns freundlich und heilend und unterstützend handelt, mehr als wir uns manchmal vorstellen. Und ich wünsche uns, dass wir uns mehr trauen, davon zu erzählen. Dass wir genauer hinhören. Und dass wir uns mehr wundern über all die wundersamen, heilsamen Dinge voller Glanz.

Was ich nur bei mir selbst sehe und leider immer wieder an mir selbst beobachte: Wenn es mir gut geht, wenn ich das freundliche Handeln Gottes sehe, dann denke ich: Wie lange noch? Was kommt danach? Kann es nicht nur noch schlechter werden? Ich bin voller Misstrauen, dass Gott nicht nur freundlich ist, sondern auch drohend. Ich befürchte dass Gott nicht mein Glück will. Und das Misstrauen kommt aus der Angst vor der Zukunft. Was ist, wenn die Engel weg sind und wir hier alleine unseren Alltag bewältigen müssen. Was hilft dann das Reden über himmlischen Lichtglanz und Frieden auf Erden?

Schauen wir noch einmal genau auf unseren Bibeltext. Wir werden dort in eine Bewegung hinein genommen, bei der Furcht in Freude verwandelt wird. Die Hirten erschrecken über die Engel. Der Engel sagt zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkündige euch große Freude, die über das ganze Volk kommen wird.

Und am Ende sind die Hirten am loben, danken und preisen. Drei verschiedene Wörter hat der Bibeltext für Gott loben: die Hirten verherrlichten, rühmten und priesen Gott.

Mit dem Kommen der Engel ist eine ganz neue Zeit eingeleitet worden. Die Worte der Engel wirken weiter. Maria behält sie in ihrem Gedächtnis, sinnt darüber nach und bewegt sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kommen aus dem Loben und Weitererzählen nicht mehr raus. Sie loben Gott für das, was sie gehört und gesehen haben und was so genau den Worten des Engels entspricht.

Die Engel sind in den Himmel zurückgekehrt. Es gibt keinen Lichtglanz und keine ungewöhnlichen Ereignisse mehr. Die Worte aber wirken weiter. Der Alltag hat sich nachhaltig verändert. Der Alltag der Hirten und der Alltag von Maria. Und vor allem: Das göttliche Kind Jesus wird groß. Der Retter und Helfer ist da. Noch klein. Aber die Zukunft ist schon zu sehen. Und es ist zu sehen, dass es Gottes gute Zukunft für uns ist. Wir leben jetzt schon in dieser Zukunft, indem wir uns wundern, weitererzählen, loben und in unserem Herzen bewegen, was uns versprochen wurde. Und indem wir unsere Furcht in Freude verwandeln lassen.

Liebe Gemeinde, ich bewege in letzter Zeit die Liedzeile in meinem Herzen: Sein Wohltat tut er mehren. Ich versuche, in dieses Vertrauen hineinzuwachsen, in diese Haltung hineinzugehen. In diese grundlegende Lebenshaltung hineinzuwachsen. Gott meint es gut mit mir. Er will das Gute in meinem Leben vergrößern und vermehren.

Wie kann ich das sagen, wo doch die Zukunft dieses und jenes Schlimmes bringen kann. In meiner Angst kann ich es mir gut ausmalen. Was passiert mit mir, wenn die Engel in den Himmel zurückkehren und die gute Zeit vorbei ist? Was passiert, wenn sich in meinem Leben schwierige Dinge häufen, wie es in jedem Leben vorkommt?

Ich glaube, es ist gut, noch einmal genau hinzuhören, was dieses Engelheer gesungen hat: Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden bei den Menschen des Wohlgefallens Gottes. Gott wird gepriesen, wenn wir Frieden halten. Und indem wir Gott preisen, öffnen wir unsere Herzen und Beziehungen für den göttlichen Frieden. Und damit sind alle Menschen angesprochen. Denn an allen Menschen hat Gott Wohlgefallen. Allen Menschen sagt er es zu, so wie er es Jesus zugesagt hat: Du bist meine geliebte Tochter, du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen, du gefällst mir. Ich will dich. Ich erwähle dich. Ich begleite dich auf dem Weg ins Glück. Dieser Weg ins Glück kann Schwieriges enthalten, so wie er für Jesus das Kreuz enthalten hat. Aber nichts kann dich aus meiner Hand reißen. Nichts kann dich trennen von meiner Liebe. Ich werde meine Wohltat mehren. Du kannst dein Misstrauen und deine Angst lassen. Meine Geschichte mit dir wird weitergehen, auch wenn die Engel in den Himmel zurückkehren.

Behalten wir diese Worte in unserem Gedächtnis. Sinnen wir darüber nach und bewegen sie in unserem Herzen. Es ist gut, dass wir dass immer wieder im Gottesdienst singen: Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried den Menschen ein Wohlgefallen. Möge mit diesen Worten der Lichtglanz von Weihnachten uns durch das ganze Jahr begleiten.

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