Es kann anders werden

Liebe Gemeinde,

wie die vorhin die Hirten gespielt haben, die da losgezogen sind, da habe ich mich gefragt, ob ich damals aufgestanden wäre. So als Hirte. Nichts zu hoffen, nichts zu erwarten. Und auf einmal eine Himmelserscheinung, furchtbar helles Licht, irgendein Geräusch, dass man Angst bekommt und sich verstecken möchte. Ich würde an alles mögliche denken, an den Weltuntergang vielleicht, an eine Explosion, an die Klimakatastrophe. Aber doch nicht an einen Engel. Angst hätte ich, richtige Angst. Vielleicht wäre ich einfach abgehauen. Und dann diese Stimme: Fürchtet euch nicht. Ich habe eine Freude für euch. Für euch und alle Menschen. Würde ich das glauben? Glaube ich das heute? Ich höre das doch jeden Tag. Mir versprechen ja viele Leute große Freude. Fahrgenuss mit dem besten Auto. Das schönste Gesicht mit der besten Kosmetik. Ne tolle Figur mit dem besten Schlankheitsmittel. Und es wird nicht lange dauern, da ist Bundestagswahl und da versprechen uns die Parteien, dass sie alles in den Griff kriegen werden, wenn wir sie nur wählen. Aber wir sind ja selber schuld. Wir glauben das ja alles. Wir lesen die Werbung und legen genau das in den Korb, was wir gelesen haben. Wir hoffen, dass die Regierung unsere Probleme löst – und alles bleibt, wie es ist. Die Hirten haben garantiert auch gehofft, der Kaiser in Rom würde sich auch mal um sie kümmern. Aber der hatte mit seiner Volkszählung zu tun, um zu wissen, wie viel Steuern er eintreiben kann.

Und dann wird es hell bei den Hirten. Nur große Freude, weil einer geboren ist, der das Leben heil macht. Schön, würde ich sagen, und wie will er das machen. Lasst mal hören, ob der was bringen wird. Ich gehe erst mal schlafen und dann schaun wir mal. Ein Kind soll es sein, in Windeln, ganz normal und primitiv, in einem Stall. Und aus seinem Bett fressen die Tiere. Würde ich da aufstehen? Hingehen?

Aber wenns dann doch Engel wären? Wenn die gute Nachricht nicht aus dem Katalog käme, sondern von Gott? Wenn manns nur wüsste, wenn das Glauben nur nicht so schwer wäre. Aber die Hirten gehen. Wir wissen nicht, ob alle gegangen sind. Vielleicht haben manche auch gesagt: lass doch den Quatsch. Die haben sich später geärgert.

Die Hirten haben eins verstanden. Was lebenswichtig ist, macht kein Mensch für uns. Kein Staat, keine Regierung, kein Sonderangebot. Dass sich Menschen totschlagen oder andere breit fahren, das liegt an uns Menschen. Dass Kinder misshandelt werden, das machen Menschen. Dass Familien auseinander brechen und Leute miteinander nicht mehr reden, das machen Menschen. Selbst die Finanzkrise haben Menschen in ihrer Gier gemacht. Und das alles und noch viel mehr, ist doch eigentlich das, was uns aus der Bahn wirft. Was unser Leben gefährdet. Was uns krank macht und bedrückt. Ihr könnt sicher selber genug davon erzählen, was manchmal wie ein Stein auf dem Herzen liegt.

Aber ich bringe euch die große Freude, sagt der Engel.

Es kann anders werden. Nicht von oben, sondern von unten. Von ganz unten. Neben euch. Gott hat euch was zum Anfassen hingelegt. In das billigste Bett, das es damals gab. Nur hingehen müsst ihr schon.

Und als sie das alles sahen, da kam Freude auf. Ganz tief im Herzen. Dort, wo die Seele ist, die manchmal so drückt. Es wäre ja ein Jammer, wenn ich da nicht mitgegangen wäre. Wie kann einem so was passieren – die Freude verpassen. Eine Änderung im Leben verpassen. Besser klarkommen verpassen. Miteinander auskommen verpassen. Niemals. Nein, ich hoffe, ich wäre gegangen. Ich hoffe, ich hätte das helle Licht als Engel erkannt. Aber es ist ja gar nicht so wichtig, was ich als Hirte damals gemacht hätte. Denn die Geschichte gibt’s ja heute noch. Gerade heute, weil Weihnachten ist. Gerade heute, weil sich die ganze Welt aufmacht. Gerade heute, wo ihr alle gekommen seid. Und die schöne Stimmung in dieser schöne Kirche genießt. Und die Botschaft von damals hört: Freut euch und habt keine Angst! Und dieser Botschaft glaubt. Wir brauchen nichts weiter zu tun, als uns an die Krippe zu stellen und uns auf den Jesus einzulassen. Das klingt sehr einfach, aber viele Menschen machen nicht einmal das. Und darum bleibt das Leben, wie es ist. Aber heute seid ihr da. Und das zählt. Wie bei den Hirten. Die waren da. Und die Hirten kehrten um und dankten Gott und sangen frohe Lieder. Da war was passiert. Der Kaiser blieb und die Welt war weiter, wie sie ist. Aber ihr Leben, und das war die Hauptsache, hatte sich verändert. Ich bin mir ganz sicher: wer diesen Schritt macht, in dessen wird Leben vieles anders. Heute sind wir ganz nahe dran und es wäre schade, wenn es an uns vorüberginge. Denn euch ist heute der geboren, der euer Leben heil macht. Christ der Retter ist da. Probiert es aus.

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