Lasst euer Licht brennen!

Anmerkung: Vor der Predigt werden die am Eingang verteilten Stumpenkerzen (in bunten Illuminationslichthüllen) entzündet. Die Beleuchtung in der Kirche wird ausgeschaltet.

Liebe Gemeinde,

wieder geht ein Jahr zu Ende. Die Bewertung dessen was geschehen ist können wir selbst übernehmen für unseren kleinen Bereich in dem wir Verantwortung tragen und die Geschichtsschreibung wird dieses Jahr sicher auch beurteilen, irgendwann einmal. Es kann sein, dass es dabei nicht so gut wegkommt das Jahr 2008. Es wird das Jahr der Finanzkrise sein, das Jahr der schlechten Prognosen und das Jahr der schlechten Nachrichten, zumindest seit September. Und weil dies so ist habe ich Ihnen heute Kerzen austeilen lassen, die jetzt in der Kirche leuchten und die vor allem bunt leuchten. Sie sind transparent und leuchten weiß, grün, rot und blau und auch gelb. Wichtig ist mir, dass etwas leuchtet, denn ich will nicht mitmachen bei denen, die uns für 2009 ein schlechtes Jahr voraussagen. Ich will, dass wir als Christen dagegen aufstehen. Wir glauben schon seit zwei Jahrtausenden gegen den Strom und wir geben damit Hoffnung, seit dieser Zeit. Ich möchte gerne, dass wir unseren Predigttext im Lichte unserer Kerzen bedenken und mutig nach 2009 schauen.

[TEXT]

Liebe Mitchristen, ich will gar nicht so sehr abheben auf die Endzeitstimmung und auf die Wiederkunft Christi. Mir ist heute etwas anderes wichtig:

Lasst eure Lichter brennen!

Gerade jetzt sehen wir es in unserer Kirche. Unsere Kerzen brennen und wir spüren, dass sie wärmen und dass sie leuchten. Sie leuchten so bunt wie wir als Menschen sind. Ein buntes Völkchen sind wir und waren wir in diesem Jahr. Wir – also N.N. Evangelische in Röslau. N.N. Kinder kamen neu dazu in diesem Jahr, sie wurden getauft. Wir hoffen und wünschen uns, dass ihre Eltern und Paten sie im christlichen Glauben erziehen. N.N. Jugendliche wurden konfirmiert. Wir hoffen und wünschen uns, dass sie weitere Schritte in ihrem Glauben unternehmen. N.N. Brautpaare haben geheiratet. Wir hoffen und wünschen, dass sie glücklich miteinander werden und die Begleitung Gottes spüren. N.N. Menschen sind in unsere Gemeinde eingetreten. Wir hoffen und wünschen, dass sie Menschen finden, die ihnen weiterhelfen in die Gemeinde hineinzuwachsen. N.N. Menschen haben unserer Gemeinde auch den Rücken gekehrt. Wir sind traurig darüber. Wir hoffen und wünschen dennoch, dass Gott sie nicht in Ruhe lässt und sie begleitet. Ja, ein buntes Häufchen sind wir. Jeder, ganz egal wie alt oder jung er ist wie eine unserer angezündeten Kerzen. Er leuchtet und er soll weiter leuchten.

Ich möchte, dass wir alle, die wir heute eine solche Kerze haben, sie mit hinübernehmen ins neue Jahr. Damit das Jahr, trotz aller schlechten Prognosen, anders wird. Lassen wir die Lichter brennen als Christen, und geben wir von unserem brennenden Licht ab, wenn anderswo scheinbar die Lichter ausgehen. So wie Lukas seinen Leuten aufträgt wachsam zu sein, so wollen wir es auch sein. Wachsam sein für die Menschen, die vielleicht auf einmal ohne Arbeit dastehen, für die, bei denen es finanziell eng wird. Da muss unser Licht leuchten im nächsten Jahr. Da sind wir als Christen gefragt. Die Frage ist dann für uns nicht, sollen wir helfen? Die Frage ist nur wie können wir helfen? Wir werden noch enger zusammenwachsen können. Und das gilt auch für die unter uns heute Abend, die möglicherweise betroffen sind. Haben sie Mut, stehen sie dazu. Wir können uns gegenseitig helfen. Für uns Christen bieten solche Zeiten Chancen. Wir können dann nämlich ernst machen mit dem wovon wir gerne sprechen. Wir können Diakonie leben. Wir können helfen, lassen sie es uns also wirklich tun.

Das ist das Eine, was ich gerne sagen wollte: Wenn viele warnen vor einer Krise oder einer Katastrophe, dann lassen sie uns nicht mit einstimmen, sondern unser Licht soll leuchten, weil wir das Können und es unsere Aufgabe als Christen ist.

Das Zweite gehört dazu. Wir dürfen auch mit unserem Glauben helfen. Woher nehmen wir eigentlich unsere Kraft, unsere Glaubenskraft? Ich weiß nicht wie es ihnen damit geht? Ich lerne viel aus der Erfahrung und aus Erlebnissen. Ich denke im Winter gerne an Sommerzeiten zurück, an Grillfeste oder an den Urlaub. Das zeigt mir, dass es wieder Sommer wird. Es gibt also Hoffnung. In Glaubensdingen ist es genauso. Denken sie einmal nach! Wann haben sie etwas erlebt, das sie mit Gott in Verbindung gebracht haben? Vielleicht waren sie krank und sind dankbar für Genesung. Vielleicht hatten sie einen besonders schönen Anlass, eine Geburt in der Familie und sind dankbar für ein gesundes Kind, weil sie genau wissen, selbstverständlich ist das nicht! Wir haben alle Erfahrungen gemacht, für die wir dankbar sind, Gott dankbar sind. Wäre es nicht so wir würden nicht hier sitzen heute Abend. Teilen wir diese Erfahrungen. Teilen wir sie indem wir wieder stärker zu einer christlichen Lebenspraxis zurückkehren. Das wäre doch ein gutes Programm für 2009. Licht sein in zweierlei Hinsicht. Einmal spüren, wo es jemanden schlecht geht und als Gemeinschaft, als Kirchengemeinde helfen. Und zum anderen an Dinge wie das Tischgebet, die kurze Morgenandacht, den Gottesdienstbesuch, ein geistliches Lied erinnern und es einfach tun. Erst vor Kurzem sagte eine Dame bei einem Geburtstagsbesuch: Man geht ganz anders in den Sonntag, wenn man im Gottesdienst war! Ja, so ist es. Der Tag wird anders durch einen geistlichen Impuls.

Es gibt sicher noch mehr Situationen an denen wir unser Licht leuchten lassen können im Jahr 2009. Sie wissen selbst wo es am wichtigsten ist und sie leuchten können. Bitte tun wir es auch. Lukas fordert dazu auf. Lasst eure Lenden umgürtet sein. Anders ausgedrückt: Seid bitte immer zum Aufbruch bereit! Freilich werden wir nicht immer auf dem Sprung sein, aber das Tun gehört schon dazu. Denken, Entscheiden, Handeln – das wäre doch ein guter Dreischritt!

Liebe Mitchristen, unsere Lichter heute Abend sind ein wunderbares Symbol. Als Student habe ich die Lichterketten erlebt, damals gegen Ausländerfeindlichkeit, sie werden sich sicher noch daran erinnern. Licht ist immer ein Symbol für Hoffnung. Licht ist auch ein stummer Protest gegen nicht akzeptables. Licht macht jedenfalls nicht einsam. Licht macht hell und führt zusammen. Im Schein einer Kerze versammelt man sich gerne und man stellt gerne noch welche dazu.

Mir fällt noch ein anderes Bibelwort zum Thema Licht ein: Niemand zündet ein Licht an und setzt es in einen Winkel, auch nicht unter einen Scheffel, sondern auf den Leuchter, damit, wer hineingeht, das Licht sehe.

Auch das hat Lukas aufgeschrieben im 11. Kapitel seines Evangeliums. Ja, lassen wir es die anderen sehen, unser Licht. Weihnachten hat uns doch daran erinnert, dass das Licht Christus in die Welt gekommen ist. Mit ihm sind doch schon so viele schwere Zeiten überstanden worden. Muss uns da bange werden? Können wir nicht einfach darauf vertrauen, dass Gott mit uns auch 2009 seinen Weg gehen wird? Und wird dieser Weg ein schlechter Weg sein?

Nein, es muss uns nicht bange werden.

Nehmen wir das Bild aus diesem Gottesdienst mit. Das Bild der bunten Lichter, die jeder einzelne für sich darstellt. Und das Bild des bunten Lichtes, das wir alle miteinander darstellen. Wir sind eine Gemeinschaft verschiedenster Menschen, die ihr Licht leuchten lassen sollen, so wie es bisher schon war und bleiben wird. Eine Gemeinschaft, die jetzt miteinander Abendmahl feiert und sich so des Beistandes dessen versichert, der von sich gesagt hat: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. (Joh 8,12). Kann man so nicht getrost leuchten? Ich denke schon! Mit Gottes Geleit wird es ein Jahr 2009 werden, in dem wir leuchten können, dürfen, ja eigentlich sogar müssen.

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