Würden wir den Weg schmücken?

Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! So beten wir – so singen wir – und was tun wir wirklich? Wir machen Türchen auf, ab Montag am Adventskalender, wir hängen Mistelzweige über die Türen, wir befestigen Lichter und machen alles Mögliche um es schön und gemütlich zu haben. Dafür verfallen wir sogar in tierische Hektik.

Aber was bereiten wir da eigentlich? Dass der König der Ehre einziehe. Wollen wir eigentlich, dass jemand einzieht bei uns? Oder wollen wir nicht lieber für uns bleiben, einfach so leben, wie es uns gut tut, wie wir wollen? Das Beten ist ja ein recht billiges Geschäft. Da lässt sich viel daher plappern. Aber das ernst meinen, das kostet: Anstrengung, Willen, Bereitschaft. Davon erzählt auch eine Geschichte, die zum Advent, wie zur Passionszeit gehört:

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Man muss sich die Geschichte vorstellen, die da geschehen ist: Ein erwachsener Mann lässt sich feiern und reitet auf einem Esel. Eigentlich lässt der Erzähler ja offen, worauf er reitet: auf dem Esel oder dem Eselsfohlen.

So oder so: Das Ganze hat etwas von einer Parodie. Normalerweise reitet ein König in seine Hauptstadt ein. Er ist prächtig gekleidet. Das Pferd hat einen Sattel und allerlei Verzierungen. Bedienstete und Anhänger legen Tücher und Palmwedel auf die staubige Straße, damit sein edles Ross keine dreckigen Hufe bekommt.

Hier reitet ein Armer auf einem Esel, die Füße werden genauso nahe am Boden gewesen sein wie die Hufe des Esels. Fischer werfen ihre Kleider hin und jubeln. Andere stehen eher distanziert und abwartend daneben.

Der Herr kommt: Wer empfängt ihn?

Wenn wir Advent feiern, dann geht es nicht einfach nur um Historie. Ob da vor 2000 Jahren in Jerusalem ein Scherzbold eingeritten ist oder der Sohn Gottes, das ist eine unwesentliche Frage. Zumindest dann, wenn ich die Geschichte nur vor 2000 Jahren spielen lasse.

Advent ist nicht nur Geschichte dessen der Gekommen ist, sondern auch Prophetie dessen, der Kommen wird. Und da wird die Geschichte für uns wesentlich. Wenn auf diesen Adventsmarkt nicht nur der Nikolaus käme und nicht nur der Glühwein bejubelt würde, wenn da wirklich der König der Ehre versuchen würde einzuziehen. Und dabei auch noch allen unseren gängigen Vorstellungen von König und Ehre widersprechen würde. Arm und auf einem Esel, von ein paar Fans gefeiert – was würden wir mit ihm machen.

Würden wir den Weg schmücken und den Herrn loben. Würden wir verstohlen zuschauen und warten, was da passiert. Würden wir am Eck stehen und überlegen wie wir diesen seltsamen Menschen aus dem Verkehr ziehen könnten. Würden wir das Ganze als Störung wahrnehmen oder als Chance.

Ich merke, wenn ich die Geschichte auf diese Weise ernst nehme, aus der Vergangenheit zu uns hole, dann tut sie weh, weil ich keine einfache und befriedigende Antwort finde.

Denn sie will mich in Bewegung bringen. Ich muss das erst einmal lernen, das Gott anders ist als viele meiner Vorstellungen mir suggerieren wollen. Er will einziehen und ich muss mich verhalten, mich bewegen. Ich warte im Advent nicht auf ein süßes Baby im romantischen Stall und nicht auf einen König in Pomp und Glamour, sondern auf den Sohn Gottes, der kommen will, sein Volk zu besuchen. Darum stellt sich die Frage: Wie empfangen ganz deutlich. Was mache ich – und ich höre in der Geschichte: Wer diesem Herrn nachfolgen will, muss mit ihm in die Stadt. Wer diesen Herrn empfangen will, braucht einen langen Atem. Der muss bereit sein, Tür und Tore zu öffnen. Der muss sogar bereit sein, sich selbst zu öffnen. Und der muss bereit sein, diese Sanftmut zu ertragen, die auf einem Esel reitet und bereit ist, sich der Lächerlichkeit preiszugeben. Wer zu diesem Jesus gehören will, muss vielleicht auch bereit sein, sich selber zum Esel zu machen.

Sanftmut ist ein Wort, das sich aus ‚sanft’ und ‚Mut’ zusammensetzt. Es braucht wohl viel Mut, sich lächerlich zu machen, um Menschen Hilfe zu bringen.

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