Danken, Umkehr und Busse – In einem?!

Wie hängt das zusammen, was wir heute begehen: Dank-, Buss- und Bettag? In einem Atemzug: Danken, Busse tun und Beten? Auf den ersten Blick passen diese Stichworte sowenig zusammen wie die beiden Teile der Lesung: „Gott wischt unsere Sünde weg“ und „ du, du hast nicht verziehen“.
Beginnen wir beim Dank!
Wirkiche Veränderung beginnt mit dem Wirken Gottes. Wenn wir jetzt, wie in den letzten Tagen, morgens aufwachen und alles ist in Nebel gehüllt, wir sehen die Hügel nur schemenhaft, die Berge überhaupt nicht, dann muss die Sonne sich wirklich anstrengen, um uns wieder klare Sicht zu verschaffen. Dann ist die Sonne ein gutes Bild für Gott, der unsere Sünden wegwischt, wie einen Nebel. Und wenn die Sonne dann scheint, die kräftigen Farben der Bäume, die saftig grünen Wiesen, der Himmel in strahlendem Blau, dann ist mir zumindest einfach nach Danken zumute. Da habe ich nichts dazu getan, das ist einfach passiert. Da kann ich mich freuen, und dann will ich danken. Gott danken, dafür, dass er den Nebel vertrieben hat, dass er die Sonne scheinen lässt, und ich die Welt bestaunen darf.

Chor: So spricht der Herr (einstimmig)
Bleibt es beim Dank? Einfach so? Kommt da nicht noch etwas?
Kehre dich zu mir! Denk daran, Jakob, Israel, vergiss mich nicht! Kehr zurück zu mir, denn ich habe dich erlöst.
Damit sind wir beim zweiten Stichwort, bei der Busse. Ein altes Wort! Im Alltag ist eine Busse eine Strafe, die ich bezahlen muss. Wer zu schnell fährt, wird gebüsst. Wer falsch parkiert (fast hätte ich gesagt: „parkt“) wird gebüsst. Und wer seinen Kehricht einfach irgendwo in eine fremde Mülltonne packt, wird auch gebüsst!
Mancher wägt vielleicht ab: Lohnt sich das Risiko, gebüsst zu werden? Nehme ich die Busse in Kauf, um schneller an mein Ziel zu kommen oder einfach mal so schnell zu fahren, wie das Auto kann? Dann verfehlt die Busse ihren Zweck: Mein Verhalten zu verändern.
Aber so funktioniert unser Verhalten nun einmal: Manchmal ist eine kleine Strafe eine gute Hilfe, mein Verhalten zu ändern. Wenn ich in der Klasse immer wieder einen Namen verwechsele, dann helfe ich mir: Ich zahle für jede Verwechselung 50 Rappen in die Klassenkasse, und schon werden die Fehler weniger.
In der Bibel ist die Busse ein Begriff für die Umkehr des Menschen. Einsehen: Mein Weg ist verkehrt. Mein Leben führt in die Irre. Ich lebe auf Kosten anderer Menschen, in der Nähe, in der Ferne, in der Zukunft. Ich werde schuldig an mir und anderen, weil ich nicht so lebe, wie mein Leben eigentlich gedacht ist.
Wenn ich Zukunft haben will, muss ich mein Leben verändern. Wenn ich Frieden haben will, muss ich mein Denken und Handeln verändern. Wenn ich mit meinem Leben an ein gutes Ziel kommen will, muss ich nach neuen Wegen suchen.
„So spricht der Herr, ich tilge deine Sünden!“ Dieser Satz hat eine Vorgeschichte: Das Volk Israel hört diese Worte im Exil in Babylon. Die Weltmacht Babylon hat die Oberschicht Israels aus Jerusalem nach Babylon verschleppt, das Volk hat bitter bezahlt für seine Fehler. Die Verschleppten haben eingesehen: Es war falsch, nur auf die eigene wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit zu vertrauen. Es war falsch, unseren Reichtum zu geniessen und zu zeigen, der auf Kosten der einfachen Leute ging. Und all’ das fing damit an, dass wir Gott vergessen haben. Dass wir vergessen haben, dankbar zu sein und auf Gottes Worte zu hören.
So wollen wir nicht weitermachen. Wir wollen neu anfangen!

Chor: „So spricht der Herr…“(Kanon)

So wären wir beim dritten Stichwort, dem Beten. Und wieder ist da das Bild vom Nebel, von der Wolke: „In eine Wolke hast du dich gehüllt, so dass kein Gebet hindurchdrang.“
Auch diese Erfahrung gibt es: Ich stecke in dichtem Nebel, sehe keine Zukunft mehr für mich. Weiss nicht mehr weiter – und rufe zu Gott: „Rette mich!“ Aber dann: Keine Antwort. Der Nebel bleibt. Keine Sonne dringt durch. Das Volk Israel im babylonischen Exil: Wieviele Menschen mögen verzweifelt sein an ihrem Schicksal: Warum gerade ich? Hört das Leiden denn überhaupt nicht auf? Und dann: Wie kann Gott das zulassen? – Die berühmte Theodizee-Frage, auf die es keine richtige Antwort gibt, nur jahrtausendelanges Nachdenken.
Mancher hat es so gelernt: Du musst nur beten, dann hilft Gott dir und alles wird gut (oder zumindest besser)!
Aber so einfach ist es nicht! Und wer das Beten so einfach nimmt, gerät in tiefe Zweifel, wenn „Gott nicht richtig reagiert“. Beten ändert die Welt nicht! Zunächst nicht!
Noch einmal: Diese Erfahrung gibt es ja: Ich stecke in dichtem Nebel, sehe keine Zukunft mehr für mich. Weiss nicht mehr weiter. Die Krankheit nimmt mir die Lebensfreude, die Beweglichkeit. Die Trauer lähmt mich. Vertrauen wurde enttäuscht und wandelt sich in Feindschaft. Beziehungen zerbrachen und wandeln sich in Schweigen, in böses Schweigen.
Was hilft? Worte finden. Worte der Klage. Worte des Zorns. Worte für die Situation. Worte für mein Leben.
Menschen finden. Die Leiden teilen, die Leben teilen, die Klage teilen und Worte suchen.
Das ist Beten: Worte finden, wo Sprachlosigkeit herrscht. Klagen, wo es nicht weiter geht. Worte des Zorns, wo es nicht auszuhalten ist. Worte für die Situation, die nur Gott verstehen kann. Worte für mein Leben, das Gott besser versteht, als ich selbst.
Und auch: Schuld eingestehen. Weil das befreit. Und weil Gott mich von meiner Schuld befreien will. Weil Gott mich nicht in meiner Schuld festhalten will. „Wir, wir haben uns vergangen und waren widerspenstig.“
Da fällt Gott ein Stein vom Herzen, endlich kann Gott vergeben, gnädig sein, neues schaffen: „Siehe, ich tilge eure Schuld, die ihr bekennt, zu der ihr steht. Ich vertreibe den Nebel, in dem ihr euch verfangen habt. Ihr kehrt um zu mir und das Leben beginnt neu!“

Chor: Kehre dich zu mir (mehrstimmig, mit Einschub)

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