Partnerschaft

Liebe Gemeinde,

„diese blöden Regeln“, mault Christoph. Er will am Abend mit seinen Freunden Party machen, aber seine Mutter erlaubt das nicht so ohne Weiteres. „Du darfst auf die Party“, sagt sie, „wenn du dein Zimmer aufgeräumt hast und die Hausaufgaben erledigt sind!“

Was hat Party schon mit Hausaufgaben, die sowieso überflüssig sind, und mit dem Zimmer zu tun? Schließlich muss ja seine Mutter nicht in seinem Zimmer wohnen. Und Christoph findet die Unordnung dort okay: Er fühlt sich wohl.

Aber am meisten ärgert ihn dies: Er muss um Punkt 10 Uhr wieder zu Hause sein. Dabei dürfen alle anderen, Marc und Robin, Suse und Michael, seine ganzen Freunde, bis eins auf der Party bleiben. Christoph wäre schon mit 12 oder wenigstens 11 Uhr zufrieden.

Überhaupt gestaltet sich das Zusammenleben mit seinen Eltern von Tag zu Tag schwieriger, findet Christoph: Hier Regeln, dort Regeln, ständig muss er irgendwas beachten. Er hat überhaupt keine Freiheit. Am liebsten würde er sofort von Zuhause ausziehen, um endlich seine Ruhe zu haben.

Ich erinnere mich selbst noch gut an diese Zeit, als ich ständig mit meinen Eltern Streß hatte. Da habe ich mir manches Mal die Anarchie herbeiwünscht: Die völlige Freiheit von Regeln und Gesetzen. Jeder lebt so, wie er oder sie es für richtig hält. Wer etwas lernen will, geht in die Schule. Wer das für Humbug hält, weil man binomische Formeln in Mathe oder die richtige Rechtschreibung in Deutsch oder die Bodenschätze von Albanien in Erdkunde für das Leben ohnehin nicht braucht, lässt halt das Lernen. Wer will, kann auswandern nach Spanien oder Bora-Bora, und niemand schreibt mir noch vor, was ich zu tun oder zu lassen habe! Ein Traum!

Doch dieser Traum hat einen Haken. Nur einen, aber der ist entscheidend: Denn wo es keine Pflichten und Regeln und Gesetze gibt, da gibt es auch keine Rechte. Es mag zwar schön sein, nach Bora-Bora auszuwandern, aber wer bezahlt mir das? Wer zahlt für Essen, Kleidung, MP-3-Player und was ich sonst noch so alles brauche?

Im rechtsfreien Raum es fehlen nicht nur die Rechte, sondern auch jede Sicherheit. Jeder kann sich alles aneignen, denn schließlich gibt es keine Regel, die besagt, dass etwas nur einem Menschen gehört. Es ist egal, ob ich jemanden umbringe, denn keine Regel besagt, dass das verboten wäre.

In der Frühzeit der Menschen muss so ein rechtsfreier Raum geherrscht haben. Wir wissen das aus der Geschichte des ersten Mords, als Kain seinen Bruder Abel aus Neid umgebracht hat. Doch die ersten Menschen lernten schnell, und deshalb stellten sie erste Regeln auf. Diese Regeln waren aus menschlicher Weisheit geboren.

Doch das Volk wurde größer, und umso mehr brauchte es verbindliche Regeln, um Sicherheit zu schaffen. Der größten Unsicherheit, der Sklaverei war das Volk Israel ja gerade entronnen. Aber fehlende Unsicherheit bedeutet eben nicht gleich optimale Sicherheit.

So ruft Gott Mose, den er zum Anführer erwählt hat, zu sich. Er will ihm Regeln geben, die universal, also allumfassend gültig sind. Wir kennen diese Regeln, weil sie sich bis heute erhalten haben: Die zehn Gebote.

Bevor das geschieht, unterwirft sich Mose mit seinem Volk Gott. Denn er hat Gott kennengelernt als eine Macht, auf die sich zu verlassen lohnt. Indem er seine und seines Volkes Unterwerfung Gott anbietet, bittet er um Regeln des Zusammenlebens. Indem Gott ihm diese Regeln diktiert, schließen sie einen Bund: „Ich will mit dir einen Bund schließen!“ sagt Gott zu Mose.

Dieser Bund hat für mich den Sinn einer Partnerschaft. Gott nimmt uns Menschen ernst. Er will diese Partnerschaft mit uns, will mit uns leben. So steht am Anfang der Regeln für das Zusammenleben, am Anfang der 10 Gebote die Selbstverpflichtung Gottes: „Ich will Wunder tun deinem ganzen Volk!“

Wenn ich die Geschichte Israels betrachte, dann entdecke ich immer wieder die Wunder Gottes darin:

– Wie Gott diesem unsteten, armen Volk zu einem, reichen Land verhilft.
– Wie Gott einen kleinen Hirtenjungen zum großen König macht und ihm gegen alle seine Feinde hilft.
– Wie Gott immer wieder, auch in Bedrängnis, einzelnen in Notlagen hilft: Daniel, der vom König der Babylonier in eine Löwengrube geworfen und von Gott errettet wird, oder Esther, die einen Mordanschlag überlebt.

Aber die Wunder hörten nicht irgendwann einfach auf: Jesus tat in Gottes Namen Wunder, so dass viele Menschen sich zu Gott bekannten. Wir haben vorhin davon gehört, wie er einen Gelähmten geheilt hat. Noch bis heute dauern die Wunder an. Wunder, die wir manchmal mit Zufall oder Glück bezeichnen. Wenn wir vor einem Unglück bewahrt werden. Wenn Wünsche, die wir Gott vorlegen, gegen jede Regel in Erfüllung gehen.

Dieser Bund, den Gott und Mose damals miteinander geschlossen haben, gilt bis heute, denn auch heute dauern Gottes Wunder an. Wir, die wir uns zu Jesus Christus zugehörig nennen und Mose einer unserer Stammväter, wir sind heute Gottes Partner. Damit leben wir in einem geregelten Raum. Denn die zehn Gebote umfassen eigentlich alles, was wichtig ist. Ich verstehe sie als Grundregeln, die eigentlich schon alle wichtigen Dinge regeln. Wenn ich diese Gebote ernst nehme und zu befolgen versuche, dann lebe ich eben nicht in Anarchie, sondern in der Liebe und dem Bund Gottes. Denn das hängt eng zusammen: Gottes Gebote auf der einen Seite und Gottes Bund, der sich in seinem Heilswillen für uns äußert: Nicht dass wir uns das Heil erkaufen oder verdienen können, wie Christoph sich die Party durch Aufräumen und Erledigen der Hausaufgaben verdienen kann. Sondern dass wir uns aus Dankbarkeit für Gottes Heilswillen darum bemühen, seine Gebote so getreu wie möglich zu befolgen. Dann leben wir eben auch nicht in Anarchie, egal, was unsere menschlichen Gesetze und Regeln besagen mögen. Dann gelten auch keine blöden oder überflüssigen Regeln für uns, wie es Christoph meint, sondern Regeln, die uns in unserer Partnerschaft mit Gott und den Mitmenschen helfen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

drucken