Mit Gott reden

<I>[Die Predigt bezieht die Verse 22-26a mit ein.]</I>

Liebe Gemeinde,

es macht wenig Sinn mit der Auslegung dieser Textstelle am Anfang zu beginnen, denn vermutlich schmunzeln sie etwas verwirrt über die letzten Zeilen die ich gerade vorgelesen habe! Und das mit Recht!

Denn, wie hört sich dieser Text an in den Zeiten der Emanzipation der Frau, des Feminismus und der antiautoritären Erziehung? Kaum jemand – und besonders kaum einer aus der jüngeren Generation könnte sich den Aufruf des Autors des Epheserbriefes zu Eigen machen: „Wir wollen uns einander unterordnen: Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter, denn der Mann ist das Haupt der Frau.“ Unterordnung ist ja sowie so unmodern, oder uncool wie die heutige Jugend zu sagen pflegt. Und was das bedeutet, das kann ihnen jeder Lehrer oder Erzieher bestätigen.

Aber auch die Älteren unter uns dürfen nicht immer gute Erfahrungen mit der Unterordnung gemacht haben- zumindest geschichtlich betrachtet. Also was soll dieser Aufruf überhaupt?

Erstens geht es überhaupt nicht um irgendeine soziale, politische oder gesellschaftliche Unterordnung. Wenn Frauen aufgerufen werden sich dem Mann unterzuordnen, dann im Sinne von zuhören im religiösen Sinn! Deswegen wird auch deutlich beschrieben was unter dem Begriff „der Mann ist das Haupt der Frau“ unmissverständlich erklärt: „wie Christus das Haupt der Kirche“ ist. Hat je Christus Anweisungen seiner Kirche erteilt oder vielmehr sich von Fall zu Fall auf den Einzelnen eingelassen? Hat er die Kirche beherrscht? Nennen wir ihn „Herr“ weil er über uns diktatorisch regiert?

Keinesfalls. Freiwillig und aus tiefster Überzeugung folgen wir Christus weil wir erkannt haben, dass er sich für uns hingegeben hat. Wir folgen Christus weil es nichts gab was er nicht getan hat um unsere Seele vom ewigen Tod zu retten. Welchem Mann der so handelt, würde eine Frau nicht folgen? Und wenn diese Folgen an sich als Unterordnung aufgefasst wird, dann, glaube ich, würde sogar Alice Schwarzer kein Problem mit diesem Aufruf haben!

Daher auch die endgültige Klarstellung: „Wie die Kirche sich Christus unterordnet, so sollen sich die Frauen in allem den Männern unterordnen.“ In allem was mit dem richtigen Glauben zu tun hat. Nicht mehr und nicht weniger. Alles andere was man aus dieser Aussage im Laufe der Jahrhunderte abgeleitet hat ist bloßer Unsinn und hat nur mit sozialen, gesellschaftlichen und vor allem wirtschaftlichen Entwicklungen zu tun und nicht mit Gottes Wort.

Und da wäre noch etwas zu erwähnen. „Die Männer sollen ihre Frauen so lieben wie Christus die Kirche geliebt hat.“ Da ist keine Spur von Beherrschen, Beeinflussen, Ausnutzen oder Zurechtweisen. Das Stichwort lautet hier: „heiligen.“ Ein klarer Beweis, dass der Autor keinesfalls das profane, alltägliche Leben und die physische, körperliche Beziehung zwischen Mann und Frau meint. Es geht darum, genau wie beim Aufruf an die Frauen, sich unterzuordnen, um klare Glaubenanweisungen- um Richtlinien für das religiöse Leben der Gemeinde.

Für uns heute spielt die Geschlechtertrennung der Antike keine Rolle mehr. In Glaubenssachen werden wir alle aufgerufen, uns gegenseitig unterzuordnen – da spielt das Mann-oder Frau-Sein, dank der Aufklärung – keine Rolle mehr.

So weit, so gut … aber welcher ist der richtige Maßstab für diese Unterordnung, auch nachdem wir richtig verstanden haben was der Begriff bedeutet?

Darauf gibt der Text auch eine klare Antwort. Sie ist mit einer eigenen Leistung verbunden. Und die lautet: lasst euch auf das Wort Gottes ein! Begreift was der Wille Gottes ist. Was Gott von jedem von uns erwartet.

Dem Alkohol nicht zu verfallen, steht nur am Anfang der Liste mit praktischen Verhaltensregeln. Und wir wissen alle wie Alkohol – oder auch Drogen – wirken. Sie engen unsere Wahrnehmung ein und lassen uns kaum mehr zwischen Wahrheit und Schein unterscheiden.

Wer würde schon volltrunken oder gekifft mit Gott vernünftig reden können? Und wie sonst sollen wir seinen Willen erkennen wenn wir nicht mit Gott sprechen?

Mit Gott reden, sich auf sein Wort einlassen kann man auf vielfältige Weise tun. Und das erfahren wir auch aus dem Text: „Lasst in eurer Mitte Psalmen ertönen, Hymnen und geistliche Lieder, singt und musiziert dem Herrn aus vollem Herzen und dankt unserem Gott und Vater allezeit“ – und vor allem: Hört auf sein Wort, lest oder lasst euch von und aus der Bibel erzählen.

Jetzt werden bestimmt viele denken: Muss das wirklich so intensiv sein mit diesem Reden mit Gott und mit der ganzen Beschäftigung mit der Bibel? Die Antwort lautet schlicht und einfach: ja, es muss.

Nur das, was wir täglich einüben, was wir wirklich für wichtig halten, wird uns zur zweiten Natur und wir übernehmen es in unserem Verhalten und Denken bis es selbstverständlich ist.

Alles andere ist entweder zweitrangig oder nur Spielerei. Das Verhältnis zu Gott entscheidet aber über Leben und Tod. Über ein gutes Leben auf dieser Welt und über die Vermeidung des Ewigen Todes in der kommenden Welt. Was könnte also wichtiger sein als das?

Um es noch deutlicher zu sagen: Ja, wir müssen gerade jetzt so intensiv wie möglich mit Gott reden, weil, so wie der Epheserbriefe es betont – wir in „bösen Tagen“ leben, in denen wir uns durch unseren Glauben und unser Verhalten „freikaufen“ müssen.

Die „bösen Tagen“ sind nichts anderes als eine Beschreibung für die andauernde Anfechtung und Versuchung, der ein Mensch ausgesetzt wird, solange er lebt. Deswegen ist diese Mahnung heute genauso aktuell wie damals in Ephesus vor fast zweitausend Jahren.

Wir müssen auf die „bösen Tagen“ achten, – kurz und knapp, auf den Alltag, weil kein Mensch ohne Sünde ist. Keiner von uns, gleich wie ehrenhaft, gutmütig und liebevoll er sein mag. Wer darauf achtet, der macht es Christus leichter, ihn vor dem Richterstuhl Gottes zu verteidigen. Wer darauf achtet, sich weise verhält und dadurch sich die Zeit der „bösen Tagen“ freikauft, der handelt nach dem Willen Gottes.

Und wer nach dem Willen Gottes lebt, sich auf Gottes Wort einlässt und mit Gott redet, der lebt mit Gott und Gott ist durch seinen Geist in ihm und mit ihm.

In guten, und besonders spürbar auch in schlechten Zeiten. Im Leben und im Sterben. In dieser Zeit und in der ewigen Zeit.

Daher „seid nicht unverständig, sondern begreift, was der Wille des Herrn ist.“

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