Zuversicht, Ausdauer, Glaube

Es gehört schon einiger Mut dazu, unbeschwert durchs Leben zu gehen. Hungersnöte, Kriege und Katastrophen beherrschen die Schlagzeilen. In der kommen Woche wird man wieder an den 11.9.2001 erinnert. Und ich erinnere mich noch gut daran, wie Bilder gleichzeitig faszinierten und abgestoßen haben.

So unfassbar war das, was damals geschehen ist. Obwohl der bloße Verstand auch sagte: Täglich kommen Menschen um durch Hunger oder Überschwemmungen (Indien), durch Gewalt oder Mussachtung ihrer Lebensrechte. Das sind wohl mehr als die Opfer damals.

Und trotzdem spüren wir, das Aufrechnen nichts bringt. Wir spüren unsere Ohnmacht angesichts der vielen Dinge, die dem Leben an die Substanz gehen.

Manchmal kommt so eine Situation, da möchte ich nur noch weglaufen oder Augen und Ohren verschließen. Und in diese Situation hinein kommt zu mir ein Text aus einem Brief, den ein unbekannter Verfasser um das Jahr 100 an einige Gemeinden schreibt:

[TEXT]

Schon wieder eine Ermahnung. Oder doch eher eine Ermutigung. ‚Werft nicht weg’, schreibt da Einer und das klingt wie es auf englischen Konservendosen steht ‚don’t litter’. Das meint dasselbe: Nicht wegwerfen, sondern ordentlich entsorgen. Und ich spüre die Zurechtweisung. Obwohl ich doch eigentlich die Ermutigung hören könnte. Die Ermutigung hinter der Mahnung auf der Blechbüchse: Du kannst etwas tun gegen die Vermüllung unserer Natur und unserer Gesellschaft.

Die Ermutigung im Hebräerbrief: Dir ist Großartiges anvertraut, wirf es nicht weg. Und dann versucht der Verfasser seinen Schwestern und Brüdern mitzuteilen, was sie alles haben. Er öffnet ihren Blick für das, was wir meistens als Kleinigkeit empfinden, was aber kolossal wichtig ist, dass menschliches Leben gelingen kann.

Er will mir Mut machen nicht nur den Müll, sondern auch meine Sorgen ordentlich zu ‚entsorgen’.

Vertrauen – ist ein Zielwort, das er gebraucht. Vertrauen wird oft missbraucht, in der Werbung, von den Zukunftsforschern oder wem auch immer. Vertrauen ist aber in Wirklichkeit ein kostbares Gut, wenn Kinder mir vertrauen oder erwachsene Menschen. Vertrauen ist missbrauchbar und doch das Schönste, was Mensch en einander schenken können. Im Brief steht das Vertrauen Gottes in uns im Mittelpunkt. Dieses Vertrauen mit dem Gott uns begegnet uns zutraut, dass wir seine Liebe mit den Menschen teilen können.

Genauso wie die Zuversicht, dass wir nun selber Zugang zu Gott zu haben und mit ihm reden dürfen und von ihm Antwort erhalten werden. Diese Zuversicht will gepflegt werden und nicht leichtfertig weggeworfen werden.

Beides gehört zusammen. Gottes Liebe will keine Einbahnstraße bleiben, sondern ein miteinander von Gott und Mensch und von Menschen untereinander.

Dieses Miteinander feiern wir nicht am Tisch des Herrn, weil wir wissen, das wir uns noch nicht am Ziel befinden, aber wir sind am Tisch des Herrn auf dem Weg zu einem solchen Miteinander. Dieser Weg macht uns gegenseitig so unendlich wertvoll, weil wir spüren, was wir Gott wert sind.

Dieses wertvolle Gut dürfen wir nicht wegwerfen – so meint diese Ermutigung: Die Gemeinschaft am Tisch des Herrn nicht leichtfertig aufs Spiel setzen – nicht die Flinte ins Korn werfen.

Es geht um die Gemeinde, die sich gegenseitigen Mut machen kann, auf Gott zu vertrauen, die sich Gegenseitig Lust machen muss zu lieben, die miteinander stark bleiben muss in den Gegenströmungen, die zusammen gegen den Strom der Zeit rudern muss.

Drei Tugenden brauche ich, um im Alltag und seiner Tretmühle zu bestehen:
· Zuversicht, dass ich sagen darf, was in mir ist, dass ich auch mein Innerstes vor Gott bringen kann.
· Ausdauer (hypomone) Die Griechen schätzten diese Tugend des Standhaftbleibens und es wäre eine wiederzugewinnende Kraft gegen den Wankelmut, gegen jedes dem Trend hinterherlaufen.
· Glaube (pistis) meint Vertrauen auf Gott Hoffen auf Gott und Treue

Dass diese drei mich begleiten auf dem Weg zum Altar des Herrn, bleibt zu wünschen.

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