Paradies auf Erden

Liebe Gemeinde,

oft beginnt es im Frühjahr oder kurz davor oder man beginnt damit irgendwann. Man geht dafür in spezielle Läden und deckt sich mitunter mit den Auslagen in diesen Geschäften reichlich ein. Danach verbringt man damit dann viel Zeit zu Hause und schaut sich die mühsam ergatterten und mitgebrachten Heftchen an. Manchmal alleine, am besten aber mit der ganzen Familie.

In diesen Hochglanzheftchen steht nicht besonders viel drin, darum kann auch niemand sagen, er lese das nur wegen der Interviews. In diesen Heftchen geht es oft nur um billige Preise und die Frage, was damit dann noch alles bezahlt ist, bzw. welche Leistungen inklusive sind.

Sie werden es sicher schon ahnen, dass ich jetzt, kurz nach dem Ende der Urlaubszeit, von Reisekatalogen spreche. Aber das hat natürlich alles einen tieferen Sinn.

Das was uns die vielen bunten und schön anzusehenden Hochglanzprospekte bieten wollen ist das Paradies auf Erden. Hotels mit allem erdenklichen Schnipp und Schnapp werden dort angeboten. Coole Drinks an der Poolbar und das ganze Essen inklusive. Morgens, mittags, abends – einmal rundum gepampert.
Toll.

Vielleicht bringen all diese Kataloge aber auch nur unsere Sehnsucht nach ein bisschen heiler Welt zum Ausdruck. Und dabei drücken die Pauschalreisenvermarkter gezielt auf den Knopf in uns mit dem blauen Meer und dem wolkenlosen Himmel. So stellt man sich ja gemeinhin das Paradies vor. Irgendeine verschlafene Südseeinsel, mitten im Meer, nur zu erreichen über ein Wasserflugzeug, dass muss das Paradies sein.

Mal sehen, was das Alte Testament, sozusagen das Urprospekt, über dieses Paradiesbild zu berichten hat. Der heutige Predigttext steht im 1. Buch Mose und dort im 2. Kapitel. Ich lese die Verse 4- 9.15

[TEXT]

In beinahe allen Bundesländern sind die großen Ferien vorbei und auch wenn die Sonne heute noch einmal alles zu geben scheint: Die Wetter-Weichen sind doch deutlich auf Herbst gestellt.

Wie gut aber, dass es Digitalkameras gibt, die es möglich machen, die Erinnerung an den perfekten Urlaub, an Sommer, Sonne, Strand nicht nur sofort aufzunehmen, sondern auch sofort anschauen zu können. Ein bisschen Urlaub mit der Hilfe von Millionen Pixeln gebannt und auf Speichersticks archiviert.

Aber vielleicht geht es Ihnen und Euch ja ähnlich wie mir: Kaum dass man die Fotos früher noch vom entwickeln abholte und die Bilder beim ersten schnellen durchsehen in den Händen hielt – da stellte sich schon so etwas wie ein Gefühl von Wehmut ein. Das Bild in den Händen, in diesem Moment wird Vergangenheit sichtbar. Alles auf dem Bild ist gewesen und damit vorbei.

Ein zurück in dieses Urlaubsparadies gibt es nicht. Zumindest nicht unmittelbar und schon gar nicht sofort. Wie sollte das auch gehen? Sie brauchen mindestens erst einen Urlaubsantrag und die Schüler brauchen erstmal Ferien. Die sind zwar absehbar, aber eben noch in der Zukunft.

Das biblische Paradies scheint auch mit einer besonderen Sehnsucht belegt zu sein, dabei ist es doch auf den ersten Blick mit den Angeboten aus den Urlaubsprospekten nicht zu vergleichen. Das Paradies von dem der zweite Schöpfungsbericht erzählt, ist noch im werden. Es ist noch nicht fertig.

Das kennt mancher Urlauber sicher auch vom Reiseziel. Statt Sandstrand schaut er sich dann Schuttberge an. Allerdings steht der Urlauber vor diesem Problem ziemlich machtlos da, denn was soll er tun? Er kann sich natürlich beschweren und hoffen, dass sich etwas an diesem Zustand ändert. Ob es das auch wirklich tut ist eine andere Frage.

Richtiger und spürbarer Einfluss sind bei solchen Geschehnissen eher selten. Das Urlaubsparadies kann einen schnell entmündigen. Oder eben nur zum Beobachter ohne Handlungsmöglichkeit machen.

Ganz anders verhält es sich mit dem biblischen Paradies. Es ist noch nicht fertig, weil etwas entscheidendes im Paradies fehlt. Nämlich wir. Es fehlt der Mensch. Im Text heißt es: Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen; (auch keinen Hopfen) denn Gott der HERR hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute.

Erst nachdem Gott den Menschen gemacht hat, beginnt er schließlich damit, die Welt zu bebauen und zu bepflanzen.

Ein Blick zurück auf das Ferienparadies. Wenn hier etwas schief geht, ist der Handlungsspielraum begrenzt. Der Weg zur Rezeption kann dann schon mal den Weg zum Strand ersetzen. Aber ist das Erfüllung? Urlaub sieht anders aus.

Das Paradies in der Bibel beginnt zwar nicht erst mit der Erschaffung des Menschen. Aber es braucht den Menschen – es braucht uns, um zu werden. Gott schafft sich einen Partner. Aber die Menschen sind nicht bloß Handlanger in einem von oben nach unten fallenden Gefälle. Die Menschen sind in Gottes Paradies mindestens der Juniorpartner.

Und so ein Paradies macht auch eine ganze Menge Mühe. Wer von Ihnen einen Garten zu Hause hat, der weiß sicher, wie viel Arbeit und vor allen Dingen Liebe darin steckt. Wer ein Fest feiern will, der braucht Menschen, die ihm helfen alle Sachen zu organisieren. Der Gartenarbeiter und der Festvorbereiter sind angewiesen auf Hilfe. Sie alle brauchen tatkräftige Unterstützung, damit die Dinge werden können.

Und so will auch Gott die ganze Arbeit auch nicht ganz alleine machen und er greift auf den Menschen zurück und vertraut uns eine Menge an. Nachdem Gott seinen Garten angelegt hat und nochmal nach geschaut hat ob alles am richtigen Platz steht, ab diesem Moment setzt er den Menschen ein in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.

Das Urlaubsparadies und das himmlische Paradies haben sicher eines gemeinsam, beides sind Sinnbilder für etwas, das nur schwer zu beschreiben ist. Im Urlaub wünscht man sich die perfekte Zeit, mit Animationsprogramm und am besten ist das Hotel, in dem man direkt vom Bett aus in den Pool oder ins Meer springen kann. So etwas kann man paradiesische Zustände nennen. Auch ein dreitägiges Fest mag diesen Ansprüchen genügen.

Im himmlischen Prospekt ist leider nicht die Rede von einem Animationsprogramm oder von Zimmern mit Meerblick. Im biblischen Bericht geht es in erster Linie um Arbeit. Wenn auch um Mitarbeit, aber die dann doch für eine gute Sache. Im biblischen Text ist auch die Rede von Mitverantwortung. Von der gemeinsamen Aufgabe zur Bewahrung dessen, was dort das Paradies ist und weiter werden soll.

Ein Urlaub in ein Urlaubsparadies ist immer eine feine Sache. Im besten Fall kommt man gut erholt nach Hause zurück und geht wieder voller Elan an die Aufgaben, die der Alltag für uns bereit hält. Auch ein Fest ist eine gute Sache, wenn man richtig feiert und nach dem großen Fest, vielleicht dann auch mit Kopfschmerzen, wieder an die Arbeit geht. Feiern das muss auch mal sein.

Aber warum braucht der Mensch von Zeit zu Zeit diese Auszeiten? Warum müssen wir in ein Flugzeug steigen, um ein vermeintliches Paradies erleben zu können?

Im Predigttext heißt es doch, dass der Mensch mit bauen soll am Paradies. Er ist mitverantwortlich und sozusagen Juniorpartner im Paradies-Management. Das Paradies liegt also auch in und an uns. Wir sind Mitarbeiter Gottes. Befähigt und begabt mit zu arbeiten.

Liebe Gemeinde, warum sind wir so einfach zu überzeugen, dass auf irgendeiner dieser Seiten wirklich für 14 Tage Halbpension das Paradies zu finden ist? Warum sind wir in dieser Hinsicht so leicht zu überzeugen? Warum glauben wir aber nicht so leicht und so schnell an unsere Rolle in Gottes Schöpfung?

Ich will nicht ins Paradies, wenn der Weg dorthin so schwierig ist, singt Campino von den Toten Hosen. Der Weg dorthin ist aber gar nicht schwierig. Glauben Sie mir, der Weg zum Flughafen ist noch dazu weiter und dauert länger als es braucht dieses Wort Gottes zu hören: Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.

Ein Garten ist ein Aushängeschild. Ein gut gemachter und liebevoll gepflegter Garten lädt zum verweilen ein. Ein verschmutzter Park ist nur Wert, dass man ihn schnell durchquert um an das eigentliche Ziel zu kommen. Welche Art von Garten wir den Menschen und der Welt anbieten liegt nicht zuletzt an uns. Als Juniorpartner Gottes im großen Gartenbaugeschäft.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.

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