Das Leben fördern

Liebe Gemeinde,

oft gehört haben wir den Bericht von der Erschaffung der Welt. Und immer wieder wird darum gestritten ob das nun so war wie es in der Bibel steht oder eher so wie es uns die Wissenschaft lehrt. Eigentlich ist diese Diskussion sinnlos, wenn wir diese Worte hören und uns fragen was wirklich wichtig ist.

[TEXT]

Liebe Mitchristen, vieles ist wirklich wichtig an diesem Bibeltext. Mir ist heute aber eine Sache, vielleicht sagen sie eine Nebensache, ganz besonders wichtig. Es ist die schlichte Feststellung dass ein Strom von dem Garten ausgehen, der ihn bewässert, und sich dann in vier Arme aufteilt. Diese vier Arme stehen doch wohl für die vier Himmelsrichtungen. Überall auf der Welt soll etwas zu spüren sein, in allen Richtungen, in allen Regionen, in allen Gegenden soll etwas zu spüren sein von diesem Strom. Gottes Bewässerungssystem ergreift die ganze Welt. Die Ehrfurcht vor Gottes Schöpfung ergreift die ganze Welt. So könnte man es eigentlich lassen. Paradiesische Zustände, genug für alle, Wasser für alle und Menschen, die sich um das alles kümmern.

So wünschte ich mir das. Unsere Welt sieht anders aus.

Der Nebel, der aufsteigt vor der Erde und das Land feuchtet, dieser Nebel, so denke ich mir, ist doch sehr oft Smog. Damit wir wissen ob wir bei diesem Nebel noch Auto fahren dürfen haben wir eine Feinstaubverordnung und gelbe, grüne oder rote Plaketten an den Windschutzscheiben unserer Autos. In manchen Großstädten gehen die Menschen nur noch mit Atemmasken vor die Haustüre. Das war doch sicher nicht der Nebel, vom dem die Schöpfungserzählung spricht.

Von der Erde hat uns Gott gemacht und aus Erde. Erst bei einer Beerdigung denken wir wider daran, dass wir Erde sind. Im Angesicht des Todes merken wir, dass wir eigentlich als Menschen, wie viel wir auch geleistet haben mögen, im Leben nicht allzu viel darstellen. Aber ein Wunder stellen wir dar, wir Menschen. Wir sind Erde, die atmet und die lebt. Ach, wünschte ich mir, dass dabei alle das gleiche Lebensglück hätten. Aber so ist es nicht und man muss nicht weit gehen um es zu entdecken. Erst vor kurzem im Urlaub habe ich es erlebt. Ein Kind, drei Jahre alt. Es saß im Buggy, hat sich kaum bewegt. In der Stube ein großer laufstallähnlicher Bau für das Kind mit vielen Spielsachen. „Sie kann sich nicht sehr bewegen und sprechen kann sie auch nicht, ein Impfschaden“ sagt uns die Großmutter, die sich aufopfernd um ihr Enkelkind kümmert. Traurig ist es das mit anzusehen.

Sie könnten die Erlebnisse und Erfahrungen mit dem Leben und unserer Umwelt endlos fortsetzen, da bin ich mir sicher. Jeder von uns erlebt doch am eigenen Leib, oder in nächster Nähe, die Einschränkungen der Schöpfung. Fast frustrierend, fast erschlagend ist das.

Erschlagend wäre es, wenn da nicht dieses schöne Bild des Wassers wäre, das in alle Richtungen fließt, das alles grün macht und das eigentlich nur eines will: das Leben befördern. Und wenn es am Ende heißt, dass wir Menschen den Auftrag haben das alles zu bebauen und zu bewahren dann heißt das doch: Wir sollen das Werk Gottes weiterführen. Wir werden nichts fundamental Neues schaffen, aber wir sollen dieses Werk das Leben fördern und weiterführen.

Das heißt für mich, um bei den gebrauchten Beispielen zu bleiben, ich mag keine Feinstaubplakette ich mag gar keinen Feinstaub und keinen Smog. Ich mag andere Lösungen als etwas zu verhindern, ich mag, dass es gar nicht erst entsteht. Ich mag auch, dass dieses Kind laufen lernt und sprechen lernt, dass es auf eigenen Beinen steht.

Das mag ich und ich weiß, dass ich das nicht alles kriegen kann. Offensichtlich reicht unser menschliches Können und Wollen dazu nicht aus. Wenn dies aber so ist, dann bleibt uns eines. Es bleibt uns alles zu tun das Leben weiter zu fördern. Es bleibt uns weniger Auto zu fahren oder bei Smog gar nicht. Es bleibt uns anzumahnen, dass Politiker verantwortungsethisch handeln, also vor dem Zulassen neuer Technologien auch überlegen welche Verantwortung sie mit der Zulassung aussprechen. Es bleibt mir mich darüber zu freuen, dass es solche aufopfernde Omas und Opas gibt, die ihre Lebensaufgabe darin sehen einem kranken Enkelkind zur Seite zu stehe, Tag und Nacht. Das fördert Leben.
Es bleibt mir, dann wenn ich diese Hilfe brauche sie auch gerne anzunehmen, denn auch mein Leben soll gefördert werden. Es gehört zur Fülle des menschlichen Lebens dazu. Ich fördere als Mensch und deshalb darf ich auch gefördert werden. Oder auch umgekehrt, weil mein Leben gefördert wird kann und darf ich anderer Leben fördern.

Liebe Mitchristen, was Gott gut gemacht hat ist von uns nicht alles gut weitergeführt worden. Ich denke aber dass es unsere Aufgabe ist, dass wir uns folgendes klar machen: Die Schöpfung, und diese vier Flüsse zeigen das deutlich, die möchte das Leben fördern. Und das ist für mich die Erkenntnis dieses Bibeltextes. Wir sind als Bebauer und Bewahrer dieser Schöpfung aufgefordert das Leben zu fördern. Jeder an seinem Platz, nicht unachtsam umgehen. Leben fördern ist oft ganz einfach und doch ganz schwer. Ein Altvater sagte einmal: „Wenn einer sagt: verzeihe mir! Und sich demütigt, dann verbrennt er gleichsam Dämonen, die ihn versuchen.“ Ja, „Verzeihung“ zu sagen ist wohl eines der schwersten Dinge, die vor uns liegen. Uns zu entschuldigen. Wo aber einer den anderen um Verzeihung bittet, da wird das Leben gefördert, weil der Dämon weicht. Die Sünde weicht, die Verstricktheit in Unseligkeiten weicht. Das Leben wird also gefördert.

Es gilt in unserer Zeit genau hinzusehen, weil es eine höchst komplizierte Zeit ist. Es gilt auch die Zeit zu nutzen, „Carpe Diem“ „nutze den Tag“ hat Horaz der römische Dichter dieses Verhalten genannt. Nutze diesen Tag, vertraue nicht auf den morgigen. Heute genau hinschauen, heute das Leben fördern. Eine Förderung des Lebens hat nicht Zeit bis morgen.

Ich denke, liebe Mitchristen, sie verstehen was ich meine. Es gibt so viele Dinge, wo wir uns einbringen können als Bewahrer und Förderer der Schöpfung und des Lebens. Einige Dinge habe ich genannt. Zum Schluss will ich noch eines nennen. Für mich ist dies der Sonntagsschutz, der immer besonders im Herbst besonders diskutiert wird. Ich will nicht viel dazu sagen, nur eine Geschichte zum Schluss.

Der Herausgeber einer Tageszeitung veröffentlichte den Brief eines reichen Landwirtes, der allgemein als Spötter bekennt war. Dieser schrieb: „Geehrter Herr! Dieses Jahr habe ich einen interessanten Versuch unternommen. Im Frühjahr habe ich jeden Sonntag gesät, anstatt in die Kirche zu gehen. Während des Sommers habe ich jeden Sonntag auf dem Feld gearbeitet, und jetzt im Herbst habe ich jeden Sonntag geerntet und gepflügt. Und meine Ernte ist wesentlich besser und ergiebiger als die Erträge meiner Nachbarn, die nur wochentags gearbeitet haben, sonntags aber in der Kirche waren. Was sagen Sie nun dazu, mein lieber Herr?“ Der Herausgeber der Zeitung erlaubte sich folgende Randbemerkung: „Gott präsentiert seine Rechnung nicht immer im Oktober.“

Liebe Mitchristen, ein freier Tag in der Woche, im Normalfall der Sonntag, gehört zur guten Ordnung der Schöpfung Gottes. Dieser freie Tag fördert das Leben, das sollten wir nicht vergessen. Genießen sie diesen freien Tag heute, Gott schenkt die Zeit dazu.

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