Drei kleine Schweinchen und andere Gedanken

Ja, liebe Gemeinde, so schreibt der Apostel Paulus. So schreibt er an seine Lieben in Korinth, an die christliche Gemeinde der griechischen Hafenstadt auf der Peloponnes. Einiges liegt dort im Argen, es gibt Unstimmigkeiten und sogar Streit. Und Paulus greift ein. Und schreibt davon, wie wichtig es ist, auf die Gemeinsamkeiten zu sehen: Alle gehören zu Gottes Mitarbeiterschaft. Und alle bauen darum auf demselben Grund, auf Jesus selbst.

Was wird den Menschen in Korinth durch den Kopf gegangen sein bei seinen Worten? Ich stelle mir vor, dass es dort, nachdem der Brief des Apostels angekommen war, so eine Art Gemeindeversammlung gegeben hat. Und dann las einer vor, was Paulus verfasst hatte von dem einen Grundstein, auf dem gebaut werden soll und dass das Werk eines jeden im Gericht offenbar werden wird.

Was mag den Menschen damals durch den Kopf gegangen sein? Und was – bei seinen Vergleichen aus dem Bereich des Bauens – ging durch unsere Köpfe?

Ich will Ihnen sagen, wie das bei mir war. Mir selber fiel nämlich beim ersten Lesen des Predigttextes das Märchen von den drei kleinen Schweinchen ein.

In diesem Werk aus der Sammlung der Gebrüder Grimm geht es darum, dass drei kleine Schweinchen, die zuhaue keinen Platz mehr haben, von der Mutter fortgeschickt werden, um sich jeder ein eigenes Haus zu bauen. Die drei ziehen los und kommen – im Tausch gegen ihre Borsten – zu den Arbeitsmaterialien Stroh, Holz und Stein. Daraus baut sich jedes ein kleines Haus mit zwei Türen – eine nach vorne und eine nach hinten raus.

Nun tritt der Gegenspieler auf, der Wolf. Dieser Feind der Schweine droht damit, das Haus aus Stroh umzupusten. Das gelingt und mit Mühe rettet sich das erste Schwein durch den Hinterausgang in das Holzhaus des zweiten Schweins. Dem ergeht es jedoch, als der Wolf pustet, ganz genauso. Beide retten sich in das Steinhaus des dritten Schweinchens. Dort nützt dem Wolf das Pusten nichts – das Haus aus Ziegelsteinen fällt nicht um. Da kommt der Wolf auf die Idee, durch den Schornstein hineinzuklettern. Die Schweine aber haben einen Kessel mit Wasser in den Kamin gestellt – und als der Wolf genau in den großen Topf mit dem kochenden Wasser plumpst, machen sie schnell den Deckel drauf – und der Feind ist tot. Und – den letzten Satz des Märchens als Zitat: „Dann baute sich das erste Schweinchen ein Ziegelhaus und das zweite auch, und fortan lebten alle drei zufrieden und froh.“

Das also, liebe Gemeinde, war meine erste Assoziation zum Predigttext.

Und was noch? Die Werbung von Schwäbisch-Hall: „Auf diese Steine können Sie bauen.“

Und dann denke ich an die mittelalterlichen Baumeister im Allgemeinen und an den Roman „Die Säulen der Erde“ von Ken Follet im Besonderen.

An die notwendigen Bauarbeiten in unserer Kirche.

Und an das Plakat von Tiki Küstenmacher. Es zeigt drei Männer, am Boden kniend, die jeweils einen Steinblock behauen. Der erste sagt: „Ich behaue einen Stein.“ „Ich arbeite an einem Spitzbogenfenster.“, gibt der zweite als Auskunft. Und die Antwort vom dritten Steinmetz: „Ich baue eine Kathedrale!“

Das Gleichnis vom Hausbau, das den Abschluss der Bergpredigt Jesu bildet, ist mir ebenfalls eingefallen. Es geht darum: Wer Jesu Worte hört und befolgt, gleicht einem, der sein Haus auf Fels gebaut hat. Wer die Worte ignoriert, ist wie einer, der auf Sand gebaut hat. Buchstäblich.

Und dann noch – als letztes – dies: Der Vers 11 ist mein Konfirmationsspruch: Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Wie ich dazu kam, weiß ich allerdings nicht mehr. Ich vermute, dass meine Eltern ihn ausgesucht haben. Oder der Pastor.

11 Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.
12 Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh,
13 so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird’s klar machen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen.

Der Grundstein ist da. Und er steht allen zur Verfügung.
Und mit was bauen wir nun darauf? Bauen wir ein märchenhaftes Schloss aus Gold, Silber und Edelsteinen?
Möchten wir, dass schon von weitem zu sehen ist, was wir uns leisten können?

Bauen wir mit Holz oder Heu oder Stroh? Die Erfahrungen von zwei Schweinchen waren nicht gut. Und Paulus schreibt in diesem Zusammenhang von einem Feuer, das kommen wird …

Womit baue ich mein Lebenshaus? Mein Lebenswerk? Was ist wichtig – was eitel und flüchtig?

Und – baue ich überhaupt auf dem richtigen Fundament? Es ist für alle da, das sagte ich ja. Aber was, wenn mir der Bauplatz nicht zusagt?

Wenn ich meine, dass es z.B. in meinem beruflichen Lebenslauf von Nachteil sein könnte, mich als Christ zu outen?

Aber, liebe Gemeinde, ich weiß auch andere Beispiele. Ich weiß von Menschen, die im Rampenlicht gestanden haben oder immer noch stehen und ganz bewusst sagen und zeigen, dass sie Christin oder Christ sind.

Profifußballer, die beim Torjubel ihr Trikot hochziehen und das T-Shirt darunter sehen lassen mit dem Aufdruck „Jesus liebt mich!“, sind ein Beispiel.

Oder der Apostel selbst. Von seiner Bekehrung zum Christentum hörten wir in der Epistellesung. Martin Luther und Pater Maximilian Kolbe, Mutter Theresa und Anne Frank, Sophie und Hans Scholl – weitere große Namen, weitere Menschen, die wussten, wer der Grund ihres Leben ist und die dann darauf aufgebaut haben.

Und es gibt bestimmt noch andere, deren Namen nicht so groß und deren Schatten nicht so übermächtig sind.

Wie z.B. die Pflegerin, die in Schönberg bei der Diakonie arbeitet und sich bei ihren Patienten immer noch Zeit für ein aufmunterndes Wort oder eine kurzes Gespräch nimmt – obwohl sie es in ihrem Leistungsnachweis nicht dokumentieren kann.

Wie der Mann aus der Finnenhaussiedlung, der seine Nachbarin täglich mit seinem Auto nach Kiel gefahren hat, damit sie ihren Mann, der im Krankenhaus lag, besuchen konnte.

Und es gibt – Gott sei Dank – noch mehr von solchen Menschen. Sie werden ihren Grund haben für das, was sie tun. Einen wirklich guten Grund.

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