Fundament für ein neues Leben

Liebe Gemeinde,

Mitte dieser Woche haben wir den Gemeindebrief für die kommenden drei Monate in den Druck geschickt. Wenn Sie ihn Ende August in den Händen halten werden, dann können Sie sehen, was in den letzten Monaten in der Gemeinde alles „gebaut“ worden ist. Friedhof, Taufengel, Pfarrgarten: all diese Themen finden sie unter anderem dort. Auch Paulus, von dem das Predigtwort für den heutigen Sonntag stammt, bedient sich gerne diese Bildes. Es geht um das Bauen, um das Fundament, um die Mitarbeiter. Hören wir das Predigtwort aus dem 1. Korintherbrief im dritten Kapitel, die Verse neun bis 15:

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Es ist, liebe Gemeinde, eine eher unbekannte Passage aus dem wichtigen 1. Korintherbrief. Den Vers 11 allerdings haben wir alle im Ohr: „Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ Paulus kämpft in der jungen korinthischen Gemeinde bereits mit ersten Spaltungen oder Sonderwegen. Dort gibt es Gruppen, die berufen sich nicht nur auf Christus, sondern differenzieren weiter. Paulus selbst zitiert sie in Vers 4: „der eine sagt: ich gehöre zu Paulus, der andere aber: ich zu Apollos.“ Paulus aber stellt klar – das ist nur nach Menschenweise geredet. Es kommt nicht darauf an, durch wen man die Frohbotschaft gehört hat, sondern es kommt darauf an, den verkündigten Christus Jesus selbst als Fundament für sein neues Leben anzunehmen. Wer dieses Fundament hat, der soll sehen, dass er weiter darauf aufbaut.

Gott-sei-Dank, liebe Gemeinde, gibt es ja die mannigfaltigen Gaben in einer jeden Gemeinde, auch in Korinth, auch bei uns. Wir haben vor einigen Sonntagen hier an dieser Stelle davon gehört. Und all diese Gaben dienen dazu, bei dem großen Bau, um den es geht, mitzuwirken. Ein jeder nach seiner Kraft. Aber eben nicht das Fundament verlassen. Das kann sich jedermann gut vorstellen. Wenn ein gutes Fundament gelegt ist, so hat der Weiterbau gute Chancen, Bestand zu haben. Lässt man jedoch das Fundament beiseite und baut neben dran, selbst wenn es mit guter Absicht und gutem Willen geschieht, so fehlt doch die Substanz, der grundsätzliche Halt. Denken wir an den Wochenspruch für diese Woche aus dem Jesajabuch: „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“, so bekommen wir eine Ahnung von diesem Fundament. Es geht um die erlösende Tat Jesu am Kreuz – so wie wir es im Credo gerade eben auch bekannt haben. Gottes Sohn ist für uns gestorben, damit die Sünde überwunden werde. Ein neuer Zugang zu Gott ist freigelegt. Ich habe das Gefühl, dass Paulus selbst noch nicht so viel Wert darauf legen musste, dass jeder diesen Satz für sich persönlich annehmen kann, vielleicht, weil die Zeitspanne zu Jesu Tod noch nicht so groß war. Wir aber brauchen diesen Hinweis quasi täglich. Christus ist nicht historisch gesehen weit weg irgendwann einmal für irgendetwas gestorben und wir sind aufgerufen, seiner Idee nachzueifern. Nein, sondern Christus ist für mich heute, für dich heute – für je unser einzelnes Leben – gestorben und wir dürfen heute diese Tat auf uns beziehen und dankbar annehmen. Wer dieses Fundament für sich annehmen kann, der wird einen entsprechenden Bau darauf vollenden, gerade weil er erkennen muss, dass nicht menschliche Leistung im Vordergrund stehen kann, sondern die entscheidende Tat allein von Gott aus für uns vollbracht wurde.

In der Mitte unseres Predigtwortes verändert Paulus sein Bild des Baus und geht über auf das Ende eines jeden Bauwerkes. Er blickt auf die Zerstörung am Ende der Zeit. Er ermahnt uns, auch bei der Wahrung des guten Fundaments, auf die Baustoffe zu achten, mit denen wir weiter bauen. Gold, Silber und Edeltsteine sind die gängigen bildlichen Baustoffe, wenn man an den Tempel denkt oder aber an das neue Jerusalem. Sie sind genommen worden, auch wegen des Wertes natürlich, noch viel mehr aber, weil sie in der Lage sind, das Licht zu reflektieren, so dass ein heller Glanz ersteht. Kein Dunkel soll es mehr geben in der neuen Schöpfung. Ja wir selbst sollen, die wir einen Leib haben, den Paulus in Vers 16 mit dem Tempel Gottes vergleicht, darin der Geist Gottes wohnt, Licht ausstrahlen und durch unser Leben ein Zeugnis sein für dieses Fundament, für die Frohbotschaft in Jesus Christus. Und so kommt Paulus auch auf die zu sprechen, die das Fundament zwar haben, es vielleicht auch für sich gelten lassen, die aber dann nichts weiter damit anfangen, sondern auf das Fundament nur roh und nachlässig eine kleine Hütte errichten, aus Holz, Heu und Stroh. Baustoffe also, die besonders leicht entflammbar und damit vergänglich sind.

Manchmal denke ich mir das bei den Taufen, die wir feiern dürfen – und ich weiß ja, wie für manchen die Kindertaufen umstritten sind. Dort bietet die Kirche ein Sakrament an, das in seiner Wichtigkeit zweifellos an der Spitze steht. Ein Sakrament, welches den Grundstein für die geheilte Beziehung mit Gott darstellt und welches – ganz der Lehre gemäß – freizügig verschenkt und umsonst dargeboten wird. Und was machen manche Menschen daraus? Obwohl sie im Taufgespräch ausführlich darauf hingewiesen wurden, wie wichtig die religiöse Erziehung ihrer Kinder ist und obwohl sie versprochen haben, alles in ihrer Macht stehende zu tun, hat man doch das Gefühl, dass sich ständig „Wichtigeres“ in ihr Handeln schiebt und sie – bildlich gesprochen – das Fundament, welches ihnen geschenkt wurde, unbebaut stehen lassen. Die Gaben die jedem Menschen geschenkt wurden, damit er sie einbringe in die Gemeinschaft der Gläubigen, werden ungenutzt gelassen, nur mit Stroh und Heu wird der Bau vorangetrieben.

Paulus redet hier mit den Korinther genauso, wie er uns selbst direkt anspricht: wo bist du mit dem, was dir geschenkt wurde? Wie kümmerst du dich, dass dein Bau fertig werde, der Tempel Gottes, für den du bestimmt bist?

Gott-sei-Dank, liebe Gemeinde, muss dies keiner von uns beurteilen, wer seinen Bau wie vorantreibt. Auch der Pfarrer nicht, der ebenfalls keinen vollständigen Einblick in das Gewissen des Einzelnen hat. Hier wiederum bin ich froh, einer großen Volkskirche angehören zu dürfen, die freizügig und großzügig von dieser Liebe Gottes erzählen kann, ohne sie messen zu müssen an den Einzelleistungen ihrer Mitglieder. Viele kleine Kirchen und Gruppen, auch in der Geschichte, haben versucht, dort Maßstäbe anzulegen und ihre Mitglieder danach gerichtet. Viel Unheil ist dort auch geschehen, weil es oft genug menschliche Maßstäbe waren und menschlicher Missbrauch, der dort die Beurteilung getrübt hat.

Dennoch muss Paulus auf das andere Gericht verweisen, welches jedem von uns bevorsteht: „wir alle müssen offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi“, schreibt er an anderer Stelle. Mit diesem Bild des Gerichtes ermahnt er in unserem Predigtwort die Gemeinde. Wie Gold, Silber und Edelsteine der Feuerprobe standhalten, so werden doch Holz, Stroh und Heu verbrannt werden.

Freilich soll der Weiterbau auf dem geschenkten Fundament zu keiner weitere Lebensleistung werden, aber es ist es auch nicht beliebig, wie ich mein Leben mit der Erkenntnis der Frohbotschaft weiter ausrichte. Über das Gericht selbst können wir wenig sagen, allein der letzte Vers unseres Predigtwortes spricht uns etwas Hoffnung zu: denn dort heißt es, dass das schlechte Werk verbrannt wird, der Erbauer aber dennoch gerettet, allerdings „wie durchs Feuer hindurch“.

Vielleicht kann man dies wiederum mit dem Bild des Fundamentes etwas besser fassen. Das Fundament ist ja geschenkt und stabil – es wird nicht wieder genommen werden, auch im Gericht nicht. Für das aber, was wir darauf bauen, werden wir Rechenschaft ablegen müssen. Wir müssen und – liebe Gemeinde – wir dürfen auch Verantwortung übernehmen für das, was wir in unserem Leben auf dieses Fundament bauen und mit welchen Baustoffen wir darauf bauen. Und diese Verantwortung wird wohl dereinst auch mit der schmerzlichen Erkenntnis verbunden sein, wo wir überall nicht ordentlich gebaut oder mit zu billigem Baustoff unterwegs waren. Mit anderen Worten, wo es Lücken gibt in dem, was wir als Glanz und Licht und Frohbotschaft hätten weiter geben sollen.

„Eine reiche Dame, die auf Erden eine große Rolle gespielt hatte, kam in den Himmel. Petrus empfing sie, führte sie ein und zeigte ihr eine schöne Villa: "Das hier ist die Wohnung Ihres Dienstmädchens." Da dachte die Dame, wenn mein Dienstmädchen schon eine so schöne Wohnung hat, was werde ich dann wohl bekommen? Bald danach zeigte ihr Petrus ein anderes, ganz kleines, armseliges Haus und sagte: "Das dort ist Ihre Wohnung." Empört meinte die Dame: "Darin kann ich doch nicht wohnen." Petrus erwiderte: "Tut mir leid, aber mit dem Material, das Sie uns geschickt haben, konnten wir nicht mehr bauen."

So wünsche ich uns, dass wir jeden Tag aufs Neue uns ausrichten können am Fundament Jesu Christi und von seinem Geschenk her mit Freude das Beste, was wir zu bieten haben, in diesen wichtigen Bau eintragen.

Und der Friede Gottes, der weiter reicht, als wir zu glauben bereit sind, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

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